„Und dann töte ich dich“

Holzkirchner droht Ex-Freundin mit Messer: „Ich mache dein Gesicht schlecht!“

Er wollte seine Ex-Freundin zurückerobern – jedoch mit fatalen Mitteln: Der 20-jährige Holzkirchner zog ein Messer - und drohte damit, sie zu entstellen.

Miesbach/München – Über eine Stunde Warten war angesagt, bevor eine wichtige Zeugin am Miesbacher Amtsgericht erschien. Sie reiste mit dem Zug aus München an und stieg fälschlicherweise in Holzkirchen statt in Miesbach aus. Als der Prozess gegen einen Somalier (20), der in  Holzkirchen lebt, fortgesetzt werden konnte und die 22-jährige Münchnerin aussagte, dass der Angeklagte ihre Schwester, die ebenfalls aus Somalia stammt, habe heiraten wollen, wurde die Sache schon deutlicher. Es war eine Tat aus Eifersucht. Er wollte sie zurück haben, sie wies ihn ab.

Der Reihe nach: Am Hauptbahnhof in München sind der Angeklagte und seine 19-jährige Ex-Freundin im März aufeinandergetroffen. Laut Anklage soll er ihr mit dem Satz „Ich töte Dich, ich mache Dein Gesicht schlecht!“ gedroht und ihr ein Messer gezeigt haben. Der Tatvorwurf also: Bedrohung.

„Das stimmt nicht“, sagte der Angeklagte. „Es gab ein Missverständnis zwischen uns, weshalb ich mich entschuldigen wollte.“ Die Gelegenheit dazu habe er bei dem laut ihm zufälligen Treffen am Hauptbahnhof nutzen wollen. Gemeinsam seien die beiden dann mit der U-Bahn gefahren und unterhielten sich zwanglos. So schilderte es der 20-Jährige. „Dann stieg sie an einer Haltestelle aus, und wir verabschiedeten uns. Das war’s.“ Niemals habe er seine Ex bedroht oder ihr ein Messer gezeigt.

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Laut Aussage der 19-Jährigen stimmte kein Wort ihres Ex-Freundes. Nicht einmal, dass das Aufeinandertreffen zufällig war. „Er hat am Bahnhof auf mich gewartet“, sagte die junge Frau. „Dann fuhr er mit mir in derselben U-Bahn, obwohl ich das gar nicht wollte, was ich ihm auch gesagt habe.“ Sie fügte an, dass er die Beziehung der beiden, die die 19-Jährige rund vier Monate zuvor beendete, habe retten wollen. Für sie habe es aber kein Zurück gegeben. „Er nervte mich nur noch und hat mich auch schon beschimpft, als wir noch zusammenlebten.“

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Als sie an einer U-Bahn-Haltestelle ausstieg, habe er es ihr gleich getan. Die 19-Jährige fühlte sich mehr und mehr bedrängt, der Holzkirchner wurde immer aggressiver. Dann soll er zu ihr besagten Satz gesagt haben. „Danach“, berichtete die Zeugin aufgeregt, „hat er mir ein kleines Küchenmesser gezeigt, das er in der Jackentasche hatte.“ Heilfroh war die junge Frau, als das Messer schnell wieder in der Jackentasche des Holzkirchners verschwand. Denn, so die Zeugin, sie habe ihm alles zugetraut und erklärte: „In Somalia ist es Tradition, jemanden aus Eifersucht zu töten.“ Sie selbst stamme auch aus dem ostafrikanischen Land.

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Aufgrund der „stimmigen und nachvollziehbaren“ Zeugenaussagen plädierte die Staatsanwaltschaft auf einen Freizeitarrest. Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid verhängte einen Warnschuss-Arrest von zwei Wochen sowie eine Einheitsjugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Zudem muss sich der Holzkirchner der Münchnerin bis auf 500 Meter fernhalten.

„Ich sehe keinen Grund, warum die Zeuginnen die Geschichte erfunden haben sollen“, erklärte Schmid und belehrte den 20-Jährigen: „In unserem Land sind Männer und Frauen gleichberechtigt, und eine Frau darf sich aussuchen, mit wem sie zusammen oder befreundet sein möchte.“

von Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Oliver Berg

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