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Clevere Geschäftsidee: Marco Retzlaff vermarktet seinen Bierkühlschrank derzeit auf der Fachmesse „Drinktec“, die noch bis Freitag in München läuft.

Holzkirchner entwickelt Spezialkühlschrank 

Die Temperatur macht das Bier

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Der Holzkirchner Marco Retzlaff (37) hat den ersten Bierkühlschrank der Welt erfunden. Der Start-up-Unternehmer ist sich sicher: Bier wird erst dann zum ultimativen Genuss, wenn es richtig temperiert ist.

Holzkirchen Bier und Deutschland, das gehört zusammen. 1300 Brauereien gibt es hierzulande, neben den etablierten Konzernen mit ihren „Fernsehbieren“ haben sich zuletzt kleinere, regionale Start-ups beachtliche Nischen erobert. Die Vielfalt des Angebots, besonders die hippen Craft-Biere, wissen Verbraucher zu schätzen. Meterweise füllen hopfige Kreationen die Regale der Getränkemärkte.

Ein Boom, der auch aus Marco Retzlaff einen Bier-Genießer machte. Der 38-jährige stammt aus Hannover, studierte in München. Nach einem Job in Kanada, wo er seine Frau kennenlernte, landete die Familie vor zwei Jahren in Holzkirchen. Die Sache mit dem Bierkühlschrank, sie braute sich eher nebenbei zusammen, ist aber zu einem Geschäftsmodell samt Patent gereift.

Seit Anfang 2017 gibt es die Firma Retzlaff Beer Fridges. Schon der Name verrät: Auch das internationale Geschäft ist angepeilt. Das Interview mit dem Holzkirchner Jungunternehmer ist frisch gezapft auf der derzeit in München laufenden Messe „Drinktec“, die als Weltwirtschaftsgipfel der Getränkebranche gilt.

-Herr Retzlaff, Sie präsentieren der Branche auf der „Drinktec“ erstmals ihre Erfindung, den Bierkühlschrank „Bavaria 1516“ mit mehreren Temperatur-Ebenen. Reicht es denn nicht, wenn ein Bier einfach nur gut gekühlt ist?

Retzlaff: Eben nicht. Wir befinden uns mitten in einer großen Bier-Revolution. Der Trend geht weg von Einheitsbieren hin zu hoch qualitativen „Craft-Bieren“ mit ganz unterschiedlichen und sehr speziellen Eigenschaften. Da sind Dutzende von Aromen unterwegs, die sich riechen und schmecken lassen. Das ist kein Trinken mehr, das ist Genuss. Und eine ganz wichtige Rolle dabei spielt die Temperatur.

-Welche Temperatur passt zu welchem Bier?

Retzlaff: Wir empfehlen für ein Helles vier bis fünf Grad, fürs Weißbier eher sieben bis acht Grad. Indian Pale-Ale liegt bei zehn Grad, Bock-Sorten noch ein bisschen wärmer. Die ganz schweren Sorten wie starke Doppelbock und belgische Strong Ales schmecken mir bei 14 bis 16 Grad am besten.

-Da hat doch jeder seine eigenen Vorlieben.

Retzlaff: Stimmt, genau darauf bauen wir: Unser Kühlschrank ist individuell einstellbar. Man muss sich nicht an unsere Bierempfehlungen halten, einfach selber ausprobieren.

-Das gleiche Bier schmeckt anders, wenn es wenige Grad kälter oder wärmer ist?

Retzlaff: Oh ja, da gibt’s riesige Unterschiede. Das ist wie bei Wein oder Kaffee, die Aromen eines charakterstarken Bieres reagieren extrem auf Temperaturen. Das ist eine Erfahrung, die ich nur jedem empfehlen kann.

-Wie genau entstand die Idee, einen Bierkühlschrank zu erfinden?

Retzlaff: Beruflich habe ich mit Bier nichts zu tun, aber ich trinke diese neuen Sorten sehr gerne. Die Flaschen sind ja nicht gerade billig, ich hatte sie im Kühlschrank immer neben dem Salat. Aber irgendwie war ich mit der Temperatur und dem Geschmackserlebnis nie richtig zufrieden. Ich schaute mich im Internet um, aber da gab es keinen Bierkühlschrank. Also habe ich einen erfunden.

-Wie groß ist die Firma?

Retzlaff: Noch ist es erst ein Familienunternehmen, mein Vater und meine Frau helfen mit. Aber wir wollen bald expandieren.

-Der Prototyp „Bavaria 1516“ fasst über 200 Flaschen, ist aber mit einem Preis von 2200 Euro nicht gerade günstig.

Retzlaff: Es ist unser Standardmodell. mit dem wir erst einmal den Markt sondieren. Wir lassen in Europa herstellen, dieser Kühlschrank ist ein wirklich hochwertiges Produkt. Er soll ja mindestens 20 Jahre halten. Und es geht nicht nur darum, darin Temperaturen von zwei bis 16 Grad zu kreieren. Es ist auch ein stylisher Hingucker. Hinter der Rauchglastür, eingerahmt von LED-Lichtleisten, sind die Biere mit ihren Etiketten wunderbar in Szene gesetzt.

-Braucht ein gutes Bier eine solche Inszenierung?

Retzlaff: Wenn Freunde bei mir zuhause vor diesem Kühlschrank stehen, kommen sie kaum mehr davon weg. Sie bestaunen die Etiketten, holen Flaschen raus, wollen probieren. Diese Neugier wollen wir transportieren. Wir schließen die Lücke zwischen Brauereien und Konsumenten.

-Wie läuft’s auf der Messe?

Retzlaff: Das Interesse ist sehr groß, es ist ja was Neues. Vertreter von Hotels und Restaurants bleiben bei uns stehen, sie sagen, so ein Kühlschrank würde auch bei uns gut reinpassen. Wir haben mit Bier-Sommeliers gesprochen, natürlich mit Brauereien. Und wir wollen nicht nur Deutschland beliefern, sondern auch die Craft-Bierbewegung in anderen europäischen Ländern nutzen.

-Sind schon Bestellungen eingegangen?

Retzlaff: Wir haben unser Produkt ja zum allerersten Mal auf der Messe vorgestellt. Bis Weihnachten wollen wir die ersten Kühlschränke verkauft haben. Ich bin da zuversichtlich.

-Welche Biere trinken Sie selbst am liebsten?

Retzlaff: Ein Lieblingsbier gibt es nicht. Ich probiere gerne aus, entdecke neue Sorten, experimentiere mit Temperaturen. So lässt sich übrigens ein wunderbarer und genussreicher Abend mit Freunden gestalten.

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