+
Seit zwei Jahren ein gutes Gespann: Barbara Schömig und Stefano Chiari leiten das Kommunalunternehmen Frischeküche. Das Team zählt über 25 Mitarbeiter.

Holzkirchner Frischeküche

Jeden Tag 1900 gesunde Portionen

  • Andreas Höger
    VonAndreas Höger
    schließen

Der Auftrag lautet: gesundes Essen, möglichst Bio, das Ganze in großen Mengen und – fast am schwierigsten – Kindern muss es schmecken. Das Holzkirchner Kommunalunternehmen Frischeküche versorgt 1900 Kitakinder und Schüler. Es könnten sogar noch mehr sein, wenn nicht eine wichtige Zutat so schwer zu bekommen wäre.

Holzkirchen Nach turbulenten Jahren brennt bei der Frischeküche Holzkirchen nichts mehr an. 2013 war die Großküche von der Marktgemeinde Holzkirchen und dem Landkreis als gemeinsames Kommunalunternehmen gegründet worden, um den Nachwuchs in Krippen, Kindergärten und Schulen nicht nur täglich satt zu bekommen, sondern ausdrücklich mit guten Lebensmitteln zu versorgen. Das ehrgeizige Projekt kostete und kostet Lehrgeld. Seit fünf Jahren wird am Ladehof gekocht, jetzt geht das Konzept langsam auf.

Geleitet wird die Einrichtung seit 2017 von einem Vorstandsduo: Ökotrophologin Barbara Schömig und Chefkoch Stefano Chiari. „Wir bereiten von Montag bis Donnerstag bis zu 1900 Portionen zu“, sagt Chiari. Angefangen hatte man 2014 mit 200 Essen. Im Vorjahr gelang es, einen Schwung neuer Abnehmer zu gewinnen: die Grund- und Mittelschule Schliersee, das Montessorihaus Föching sowie die Anton-Weilmaier-Schule (Sonderpädagogisches Förderzentrum) in Hausham.

Problem der Frischeküche: Personalsuche gestaltet sich schwierig

Mehr geht derzeit fast nicht, sagt Schömig. Die 2018 nachgerüstete Großküche würde zwar die Zubereitung von mehr Essen erlauben. „Aber es ist schwer, zusätzliches Personal zu finden.“ Trotz vieler Annoncen melden sich kaum Jungköche. Selbst Lehrlinge heranzuziehen sei wegen des speziellen Ablaufs der Großküche schwierig, sagt Chiari: „Uns fehlen Berufsfelder, die zur Ausbildung dazugehören.“ Die Hoffnung, Flüchtlinge dauerhaft ins Team zu bekommen, zerschlug sich. „Wir hatten immer wieder Flüchtlinge da“, berichtet Schömig, „aber geblieben ist uns leider niemand.“

Beliefert werden ausschließlich Kitas oder Schulen. „Es gibt Anfragen von Firmen“, verrät Schömig, „aber das widerspricht unserem Konzept.“ Um den hohen Bioanteil und die Regionalität der Produkte zu gewährleisten, erhöhte das Unternehmen im Herbst 2019 die Essenspreise. Proteste gab es nicht, berichtet Schömig.

Frischekiosk sorgt für gesunde Pausen

Ursprünglich war angedacht, bei der Auslieferflotte ausschließlich auf Elektromotoren zu setzen. Doch leider gebe es derzeit keine Stromer, die geeignet wären, viele Portionen über eine größere Entfernung zu transportieren. Müsse man nach Schliersee, könne man ja nicht in Weyarn nachladen. „Dafür fehlt die Zeit.“ Die Konsequenz: Man schaffte vier neue Diesel-Lieferwagen an.

Die „verlässliche Belieferung von Schulen und Kindertageseinrichtungen mit gesunden, hochwertigen und regionalen Speisen zu fairen Preisen“, wie es Gemeinde und Landkreis vorgeben, erstreckt sich auch auf den Pausenverkauf. 2016 wurde das Tochterunternehmen „Frischekiosk GmbH“ gegründet. „Wir versorgen 2000 Schüler mit Snacks und Imbissen“, sagt Schömig. Jüngst kam die Realschule Holzkirchen dazu. Und der nächste Vertrag ist schon fix: Ab Herbst steht ein „Frischekiosk“ auch in der Berufsschule Miesbach.

Frischeküche bekommt Geld von Gemeinde und Landkreis

Seit gut fünf Jahren bereits bekocht die Frischeküche ihre Kunden. Man verwendet viel Bio und regionale Produkte, wirbt in Kitas und an Schulen aktiv für eine gesunde Ernährung – ein Alleinstellungsmerkmal. Das hat seinen Preis, den das Kommunalunternehmen nicht vollständig über die Essenspreise weitergibt. Die Marktgemeinde Holzkirchen und der Landkreis, die das „gemeinsame Kommunalunternehmen“ (gKU) 2013 gründeten, schießen jedes Jahr Geld zu. Die angepeilte „schwarze Null“ – sprich: ein Betrieb, der sich selbst trägt – ist noch nicht erreicht, zumal auch die drei Millionen Euro Baukosten noch abzustottern sind.

2019 und 2020 müssen Markt und Landkreis voraussichtlich je 300 000 Euro in die Frischeküche stecken. Im Jahr 2018 fiel der Zuschussbedarf mit 550 000 Euro deutlich höher aus, weil die zunächst eingebaute Großküche falsch dimensioniert gewesen war und umstrukturiert werden musste; der Küchenplaner wurde verklagt. Zuvor beliefen sich die jährlichen Zuwendungen auf 380 000 (2017), 342 000 (2016) und 370 000 Euro (2015). Zur Gründung hatten Markt und Landkreis das gKU mit einer Kapitaleinlage von jeweils 400 000 Euro ausgestattet. Kontrolliert wird das gKU von einem zehnköpfigen Verwaltungsrat; als dessen Vorsitzender fungiert kraft seines Amtes der Holzkirchner Bürgermeister.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare