Ortsbus Linie 5 fährt durch Holzkirchen
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Der Holzkirchner Ortsbus soll verbessert werden. Künftig soll es nur noch eine Linie geben. Den Rest wollte die Gemeinde mit einem Rufbus abdecken. Der steht jetzt auf der Kippe.

Wohl nur Integration in AST geplant

Holzkirchner Rufbus steht vor dem Aus: Gemeinderäte sind entsetzt

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Die Gemeinderäte sind entsetzt über das Scheitern des eigenen Holzkirchner Rufbusses. Jetzt soll gerettet werden, was es noch zu retten gibt.

Holzkirchen – Die Katze ist aus dem Sack. Doch so richtig verdaut hatten die meisten Gemeinderäte die schlechte Nachricht noch nicht. „Ich bin enttäuscht, dass um den heißen Brei herumgeredet wird“, sagte Torsten Hensel (FWG). Karl Bär (Grüne) sprach dann laut aus, was viele nun befürchten: „Das bedeutet also, dass es kein eigenes Holzkirchner Rufbussystem, so wie es beschlossen und geplant war, geben wird.“ Damit war er höchst unzufrieden.

Enttäuschte Gesichter und aufgeregte Wortmeldungen regnete es jetzt im Holzkirchner Gemeinderat, als es erneut um den Ortsbus ging. Eigentlich war das Thema nur unter dem Punkt „Informationen“ aufgeführt, bei dem Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) und Standortförderin Eva-Maria Schmitz den aktuellen Sachstand mitteilen wollten. Trotzdem entspann sich eine lange Diskussion.

Neues AST sorgt für Wirbel in Holzkirchen

Wie berichtet, will die Gemeinde ihren schlecht ausgelasteten Ortsbus verbessern. Dafür setzt sie auf zwei Bausteine. Der erste sieht eine Reduzierung auf eine Linie vor. Diese soll vom Holzkirchner Bahnhof über das Gewerbegebiet Ost und die B 318 bis ins Gewerbegebiet Nord fahren. Den zweiten Baustein soll ein Rufbus bilden, der die restlichen Ortsteile bedient, flexibel und auf Anfrage. Doch genau letztgenannter Punkt schlug neulich im Kreisentwicklungsausschuss Wellen. Kreisräte und Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Verkehr am Landratsamt, äußerten Bedenken. Mit Blick auf das Anruf-Sammel-Taxi (AST), das ebenfalls verbessert werden soll, befürchteten sie eine Doppelstruktur. Und auch im Kreistag ploppte das Thema erneut auf.

Bürgermeister verweist auf Beteiligung des Kreises

Die Holzkirchner sind seither irritiert. Schmid verwies mehrmals darauf, dass der Kreis – der für die Ausschreibung des Ortsbusses zuständig ist – von Anfang an in die Pläne miteinbezogen war. Aber: „Wenn wir unsere Betriebsparameter wiederfinden, war die Vorarbeit nicht umsonst“, sagte er nun. Robert Wiechmann (Grüne) meinte: „Wir sprängen zu kurz, nur auf den Kreis zu zeigen.“ Mit mehr Zusammenarbeit hätte man mehr erreicht. Laut Schmid ist es immerhin Ziel aller, den ÖPNV zu verbessern. Man erwarte nun täglich die abschließenden Ergebnisse von door2door. Bekanntlich hatte das Büro den Auftrag bekommen, ein Betriebskonzept für den gemeindlichen Rufbus zu erstellen. „Ich bin kein großer Fan von AST“, gestand Schmid. Eine Schwachstelle sei zum Beispiel, dass es nach außen hin kein einheitliches Logo gebe, auch die Kosten seien zu hoch. Aber es sei ja eine Verbesserung geplant.

Gemeinderäte sind sauer

Hensel (FWG) war wütend: Die Vorbereitung sei schlecht gelaufen. Die Fahrpreise seien beim AST viel höher als beim Holzkirchner Rufbus. Fraktionskollegin Birgit Eibl nickte: „Ich bin sprachlos.“ Sie könne sich nicht vorstellen, dass die door2door-Vorschläge in das AST-System integrierbar seien, sagte sie mit Blick auf die Nutzerzahlen. Sie warnte davor, Hartpenning und Föching abzuhängen. Ulrike Küster (Grüne) fand, dass man sich zu sehr auf door2door fokussiert habe. Dass man am Ende nur eine Holzkirchner Linie habe, nannte sie ein Desaster. Jetzt gelte es „zu retten, was noch zu retten ist“. Martina Schweighofer (CSU) war frustriert darüber, dass nun das Prinzip „Ober sticht Unter“ greife. Elisabeth Dasch (SPD), die zugleich Kreisrätin ist, meinte: „Wir bekommen im Kreis Schelte, weil Holzkirchen so vorausgaloppiert ist.“ Und von Gemeinderäten wiederum bekämen Kreisräte Rüffel, weil sie dem AST den Rücken stärkten. Aber: „Ohne AST wäre es ein großer Rückschritt gewesen.“ Dasch wollte wissen, was passiert, „wenn unsere Parameter nicht ins AST reinpassen“. Unklar sei zudem, ob zwei parallele Systeme gefördert werden. Laut Schmitz aber gibt es unter bestimmten Bedingungen Möglichkeiten.

„AST ist ein altes Radl“, wetterte Simon Ammer (SPD). „Und wenn man da eine neue Klingel dran schraubt, bleibt es trotzdem ein altes Radl.“ AST könne nur Gelegenheitsfahrten abdecken, nicht aber den täglichen Bedarf. Kein Kind werde damit zum Sporttraining fahren. Selbst wenn beide Systeme technisch über eine App vereinbar wären – die Inhalte seien es nicht. „Wir wollen den Porsche, das Premiumprodukt.“ Daher müssten die Holzkirchner ihr System „mit Zähnen und Klauen verteidigen“. Schmid beteuerte: „Wir werden unsere Interessen verteidigen.“ Das hofft Michael Wohlschläger (CSU), denn: „Der restliche Landkreis hinkt mobilitätsmäßig hinterher“, behauptete er. Das verneinte Küster, und Bär mahnte: „Wir sind Teil dieses Landkreises.“ Im Holzkirchner Verkehrsausschuss soll der Ortsbus demnächst eine neue Runde drehen.

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