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Der Saft kommt vom Dach: Mit dem Strom, den seine Photovoltaik-Anlage produziert, lädt Helmut Neumüller die Batterien seiner beiden Elektro-Autos Nissan Leaf (r.) und Tesla S auf.

Fast zu 100 Prozent autark

Holzkirchner setzt auf die Kraft der Sonne

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Holzkirchner - Bei Strom, Wärme und Treibstoff setzt Helmut Neumüller auf die Kraft der Sonne. Seinen Energiebedarf deckt er vorwiegend mit Photovoltaik und Solarthermie ab. Der Umweltaspekt war zunächst nebensächlich. Ein Besuch mit der Energiewende Oberland.

1894 – auf diese Jahreszahl ist Helmut Neumüller stolz. So stolz, dass sie Bestandteil der Kennzeichen seiner Autos ist. Mehr als 120 Jahre ist es her, seit Franz Xaver Neumüller in Holzkirchen die erste Stromversorgung aufgebaut hat – unter der Planungsleitung von Oskar von Miller. Später war er Gründer und Werksleiter der Gemeindewerke, hatte ein Ingenieurbüro und einen Großhandel für Elektrotechnik. Seitdem ernährt der Strom Familie Neumüller. Mit Helmut Neumüller bereits in der vierten Generation. 

Keine Frage also, dass das Dach seines Hauses in Holzkirchen mit einer Photovoltaik-Anlage versehen ist. Im Keller steht ein Stückholzkessel für die Heizung. Die Solarthermie sorgt für warmes Wasser. Und in der Garage hängen zwei Elektroautos an der Steckdose. Doch aus Umweltliebe hat der 52-Jährige sein Haus und Lebensumfeld nicht umgerüstet. „Auslöser war 2008 die Finanzkrise“, sagt Neumüller. Damals sei ihm bewusst geworden, dass er seine laufenden Kosten senken müsse. 

Deshalb kam 2009 als erste Anlage der Holzscheit-Brenner ins Haus. Für den Notfall durfte die 27 Jahre alte Ölheizung stehen bleiben. Die wird allerdings nur dann benutzt, wenn Neumüller selbst einmal nicht im Hause ist. Denn der Brenner muss in eiskalten Wintern, wenn die Temperatur unter 20 Grad Celsius fällt, zweimal am Tag aufgefüllt werden. 0,36 Stehr Holz sind dann umzuschichten. Das Holzlager von drei Stehr im Heizungsraum reicht in dieser Zeit gerade einmal für zehn Tage. In einem normalen Winter verbrennen hier 35 Stehr Holz, die Neumüller im eigenen Wald schlägt. Der ist mehr als einen Hektar groß. „Den verheize ich nun sukzessive“, sagt der beratende Ingenieur für Elektrokommunikations- und Datennetztechnik mit einem Augenzwinkern. 

Nur ein Jahr später, 2010, folgte die Photovoltaik-Anlage mit einer Maximalleistung von 18,4 Kilowatt. Seit rund zwei Jahren bedecken das Dach mit Ost-West-Ausrichtung insgesamt etwa 35 Quadratmeter Röhrenkollektoren, um die Wärme der Sonne für eine heiße Dusche oder den Außenpool zu verwenden. Um diese auch im Winter optimal nutzen zu können, steigt Neumüller regelmäßig aufs Dach. Das hat er mit einem Steg, Sicherungsseilen und Haken versehen, um mit einer zehn Meter langen Teleskopstange sicher die Kollektoren von Schnee zu befreien. Eine halbe Stunde etwa ist Neumüller damit beschäftigt. „Es tut mir in der Seele weh, wenn im Winter die Sonne scheint und das ganze Dach mit Schnee bedeckt ist.“ Ein Jahr habe er das ausgehalten. Seitdem wird das Dach freigehalten, um Strom produzieren zu können. 

Auch ein Blick in die Garage des 52-Jährigen zeigt: Hier setzt einer voll auf Strom. An den Steckdosen hängen ein Nissan Leaf, ein Kleinwagen, und ein Tesla S, eine Limousine. Und der Strom? Der kommt natürlich von der Photovoltaik-Anlage. Ladevolumen und Zeit passt Neumüller immer an die aktuellen Gegebenheiten an. Werden die Fahrzeuge eine Weile nicht mehr gebraucht, wird mit weniger Kilowatt geladen – tagsüber, versteht sich. Nachts müsste dafür zu viel fossile Energie verwendet werden. „Das ist der Vorteil, wenn man untertags zuhause ist“, sagt der Selbstständige, dessen Büro in seinem Wohnhaus untergebracht ist. Einen Stromspeicher für seinen Bedarf, der sich wirtschaftlich lohnt, gebe es noch nicht. 

Überhaupt der Tesla S, als Luxusauto für Millionäre verschrien. Für Neumüller ist er Pflicht – von Berufs wegen. „In meinem Job wird erwartet, dass man innovativ ist.“ Zudem spiegelten sich in diesem Fahrzeug-Typ die Bereiche wider, in denen er tätig ist: Batterie, Strom, Energieverteilung, Telekommunikation und Computer. 

Insgesamt hat der Vater zweier Kinder bislang gut 120 000 Euro investiert, den Tesla als Firmenfahrzeug ausgenommen. An staatlicher Förderung hat er gerade einmal rund zehn Prozent bekommen. Dafür spart er nun monatlich etwa 1000 Euro an Nebenkosten. Außerdem ist er bereits zu 96 Prozent autark in den Bereichen Strom, Wärme und Treibstoff. Zwei Prozent kommen noch dazu. Zwei Prozent werden bleiben. Die sind den Monaten Dezember und Januar geschuldet, in denen er nicht ausreichend Strom produzieren kann. 

Auch wenn für ihn der Umweltaspekt nicht im Vordergrund stand, freut sich Neumüller mittlerweile darüber, dass er mit seinen Autos keinen Dreck mehr produziert und auch deutlich leiser auf den Straßen unterwegs ist.

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