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Zu steil fürs flache Pultdach: Die aufgeständerten Solarpaneele auf dem Neubau an der Rosenheimer Straße.

Holzkirchner Solaranlagen-Satzung

Im Zweifel für die Energiewende

Holzkirchen - Die Marktgemeinde Holzkirchen will ihre Gestaltungssatzung für Solaranlagen überdenken. Den Anstoß dazu gab ein Neubau: Dessen Bauherr hatte sich nicht an die Spielregeln gehalten.

Der Fall ist eigentlich eindeutig, die Satzung klar formuliert: Auf geneigten Dächern – also mit einer Dachneigung ab fünf Grad – dürfen in Holzkirchen Solaranlagen nicht aufgeständert werden. Das galt auch für einen Neubau an der Rosenheimer Straße, der heuer fertiggestellt wurde. 

Das dreistöckige Fünffamilienhaus bekam ein Pultdach mit 6,5 Grad Neigung aufgesetzt. Trotzdem ließ der Bauherr darauf die Paneele der Solarthermieanlage 30 Grad steil aufständern; die Energieausbeute wäre sonst so gering, dass sich die Anlage nicht rentieren würde. Nachdem der Verstoß aufflog, reichte der Bauherr einen Antrag bei der Gemeinde ein, um sich nachträglich die Abweichung genehmigen zu lassen. 

Damit befasste sich nun der Bauausschuss des Gemeinderats. Man könne in dem Fall zustimmen, erklärte Monika Wohlschläger vom Bauamt; der Unterschied zu einer Dachneigung, bei der das Aufständern zulässig wäre, sei mit 1,5 Grad sehr gering. Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) plädierte dafür, ausnahmsweise ein Auge zuzudrücken und sich lieber noch einmal mit der Satzung an sich zu befassen – und sich Gedanken zu machen, der Energiewende zuliebe die Vorgaben zu lockern. „Mir persönlich wäre eine Solaranlage wichtiger als die Optik“, gestand der Bürgermeister. 

Dem konnte auch Robert Wiechmann (Grüne) zustimmen. Auf die 1,5 Grad Dachneigung zu viel zu pochen, empfand er als „lachhaft“; er betonte aber auch, nur „mit großer Empörung“ zuzustimmen. „Wir haben keine Satzung aus Tollerei.“ Hans Putzer (SPD) blieb indes hart, aus Prinzip. „Das ist die erste Nagelprobe für diese Satzung“, betonte er – man dürfe sie nicht gleich aushebeln. Das fanden auch Elisabeth Dasch (SPD) und Birgit Eibl (FWG). Und Christoph Schmid (CSU) warnte: „Einer Ausnahme folgen viele andere.“ 

Die Mehrheit des Bauausschusses (8:2 Stimmen) rang sich schließlich zähneknirschend dazu durch, die Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Einig war sich das Gremium darin, die Satzung, die vor fast sechs Jahren in Kraft trat, auf den Prüfstand zu stellen.

ag

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