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Großes Kino bekam das Publikum im Oberbräu-Festsaal serviert: Die Holzkirchner Symphoniker unter Dirigent Andreas Rupprecht meisterten Anton Bruckners berühmte Sinfonie Nr. 4 in eindrucksvoller Manier

Holzkirchner Symphoniker 

Bruckners „Romantische“ reißt alle mit

Einen besonderen Konzertabend erlebte das Publikum am Samstag im voll besetzten Oberbräu-Festsaal: Zum 25-jährigen Bestehen gaben die Symphoniker Anton Bruckners berühmte Sinfonie Nr. 4 Es-Dur, die „Romantische“. Kaum zu glauben, dass hier ein Laienorchester musizierte.

Holzkirchen – Nur eines trübte den Abend. Im Alter von 88 Jahren war Pauker Bernd Haedrich verstorben – zwei Tage nachdem er bei der Aufführung in Bad Tölz noch gespielt hatte. Sein Bild am Eingang erinnerte an das langjährige Orchestermitglied, dem seine Weggefährten diesen Abend widmeten.

Das taten sie mit beeindruckender Wucht und Klangfülle. Wie das Summen eines Bienenschwarms ging es in den ersten Satz „Bewegt, nicht zu schnell“. Fast unmerklich setzte ein Sirren der Violinen ein, das immer stärker anschwoll. Es folgten Sequenzen, die klangen wie der Star-Wars-Soundtrack oder opulente Filmmusik.

Tatsächlich zitierte Violinistin Manuela Pick im Programmheft den Dirigenten Andreas Ruppert, wonach es bei Bruckner Stellen gebe, die an „Krieg der Sterne“ erinnern. „Man mag Bruckner – oder man mag ihn nicht“, sagte Kinderorchester-Leiterin Elisabeth Lainer in der Pause. Sie berichtete, wie selbst Skeptiker im Ensemble während der Proben immer stärker von der Begeisterung gepackt wurden.

Diese Begeisterung war im Konzert spürbar. Präzise und leidenschaftlich meisterten die Symphoniker dieses anspruchsvolle Stück. Cellistin Inge Gollwitzer, die bei der Gelegenheit im Programmheft um Unterstützung auf der Cellisten-Position wirbt („denn ich gehe stramm auf die 80 zu“) beschreibt ihren ersten Eindruck: „Mein erster Lese- und Höreindruck im Orchester: unspielbar.“

Keineswegs, befand das beeindruckte Publikum. Ausdauernden Beifall gab es, nachdem Ruppert mit einem energischen Hopser zu fortgeschrittener Stunde die Sinfonie mit dem „Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell“ beendet hatte. Aber was nach einer Bruckner-Sinfonie als Zugabe draufsetzen? „Die Fünfte“ kam es spontan aus dem Publikum. 

Doch der vom musikalischen Leiter für ein 60-köpfiges Orchester umgearbeitete Bach-Choral „Jesus bleibe meine Freude“ war ein würdiger Ersatz, der den Konzertabend abrundete.

Bewährt hatte sich das Experiment, die „Romantische“ durch eine Pause nach dem zweiten Satz zu unterbrechen, um Orchester wie Publikum eine Verschnaufpause zu gönnen. Danach war die Vorfreude auf die Fortsetzung umso größer. Ruppert hatte aus eigener Erfahrung für die unkonventionelle Pause plädiert – und damit einmal mehr das gute Händchen bewiesen, das eingangs schon Peter Potansky hervorgehoben hatte. 

In seinem Grußwort ließ der langjährige Vorsitzende die 25 Jahre Holzkirchner Symphoniker Revue passieren und betonte, welcher Glücksfall das Engagement Rupperts gewesen sei. „Es gibt Dirigenten, die sich sehr groß fühlen, wenn sie ihre Musiker klein machen.“ Dass hier das Gegenteil der Fall ist, beflügle alle zu Höhenflügen. „Dass sich die Symphoniker so prächtig entwickeln, ist schon etwas besonderes“, betonte auch der erste Dirigent Frank Bayreuther, der im Publikum saß.

Heidi Siefert

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