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Werner N. will weiter um seine Enkeltochter kämpfen und wieder vor Gericht gehen.

Dahinter steckt ein schlimmes Drama

Holzkirchner dreht im Jugendamt durch - das hat einen Grund

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Werner N. (61) droht das Jugendamt in die Luft zu jagen und muss dafür vor Gericht. Es geht um seine Enkelin, die ihm nach dem Tod seiner Frau weggenommen wurde.

Holzkirchen - Werner N. (61), kurze schwarze Haare, Schnauzer, Arbeitskleidung, fuchtelt wild mit den Armen. Der Gerüstbauer aus Holzkirchen sitzt auf der Anklagebank im Amtsgericht Miesbach und tobt. Wie immer, wenn es um seine Enkeltochter geht. Er schimpft, das Gesicht läuft rot an. Werner N. ist verzweifelt. Die Trauer und Wut darüber, dass seine Enkelin nicht mehr bei ihm leben darf, nachdem 2014 seine Frau gestorben war, haben ihn auf die Anklagebank gebracht. 

Der Holzkirchner muss sich für einen besonders heftigen Wutanfall im Miesbacher Jugendamt verantworten. Bei einem Gespräch im September 2016 soll er die Beherrschung verloren haben und den Mitarbeitern gedroht haben, sie alle umzubringen. Außerdem soll er angekündigt haben, das Jugendamt in die Luft zu sprengen. „Stimmt“, sagte Werner N. „Ich hatte so eine Wut.“ Er habe den Damen im Jugendamt aber nicht wirklich etwas tun wollen und sich hinterher in einem Brief entschuldigt. 

Nach dem Tod seiner Frau landete das Mädchen bei einer Pflegefamilie

Angefangen hat es mit dem Tod seiner Frau. Das Enkelkind habe bis dahin bei ihnen gelebt, elf Jahre lang, erzählte der Angeklagte im Gericht. Der Witwer ist allerdings nicht der leibliche Opa des Mädchens, sondern der Stiefopa. Die leibliche Mutter, die Tochter seiner Ehefrau, kann sich nicht um das Kind kümmern. Drogenprobleme, sagte Werner N.. Die Enkelin lebte deshalb bei den Großeltern, ging aufs Gymnasium, war in einer Sportgruppe. „Es ging ihr gut“, ist sich der Stiefopa sicher.

Doch als Werner N.s Frau verstarb, wurde seine Enkelin in eine Pflegefamilie gebracht. Von einem Tag auf den anderen hatte der Holzkirchner nur noch das Besuchsrecht. Immer samstags von 10 bis 18 Uhr. „Das war uns zu wenig, da kann man ja nichts unternehmen“, sagte der Angeklagte dem Richter, schüttelte wild den Kopf. Er habe geplant, mit dem Mädchen in den Urlaub zu fahren, die Reise schon gebucht, in Absprache mit dem Jugendamt. Kurz vorher habe er dann eine Absage erhalten. „Sie haben mir gesagt, das geht nicht.“ Die Verzweiflung des Holzkirchners wuchs. Und mit ihr die Wut.

Angeklagter droht auch der Pflegefamilie, das Kind kommt ins Heim

Beim Gespräch im Jugendamt eskalierte die Situation. „Ich sollte die Kontodaten von meinem Enkelkind hergeben“, sagte Werner N. Auf dem Konto habe er für seinen Schützling Geld hinterlegt. Dass das Jugendamt nun darauf zugreifen wollte, ging ihm zu weit. Er flippte aus, schrie die Mitarbeiterinnen an, er werde sie umbringen. Alle. Und in die Luft sprengen.

Dass er das nur so gesagt hat, glaubte eine Sozialarbeiterin vom Jugendamt nicht. Sie war bei dem Gespräch im September dabei und hat erlebt, dass Werner N. von Anfang an aufgebracht war. „Ich kann mich nicht erinnern, so etwas im Jugendamt schon mal gehört zu haben“, sagte die Jugendamts-Mitarbeiterin vor Gericht. Sie fühle sich in ihrer Wohnung seither nicht mehr wohl. Sie habe auch erfahren, dass Werner N. vor Gericht schon einmal ausgerastet sei, als entschieden wurde, dass er nicht in der Lage sei, sich um sein Enkelkind allein zu kümmern.

Auch der Pflegefamilie soll Werner N. gedroht haben. „Wir haben das Kind da heraus genommen und in ein Heim gebracht“, berichtete die Sozialarbeiterin. Die Beteiligten hatten Angst, dass der aufgebrachte Stiefopa seine Drohung wahr macht. Nun kann Werner N. das Mädchen also auch samstags nicht mehr abholen. Nachrichten aufs Handy seien auch verboten, sagte er.

Werner N. : „Ich werde um das Kind kämpfen“

„Ihre Position haben sie dadurch nicht verbessert“, sagte Strafrichter Walter Leitner. Weil er aber annahm, dass Werner N. das Jugendamt nicht wirklich hatte in die Luft sprengen wollen, schlug er vor, das Verfahren gegen eine Geldstrafe einzustellen. Die Staatsanwaltschaft und Werner N. stimmten zu, dass er 1500 Euro an den Kinderschutzbund in Miesbach zahlen soll. 

Für den Holzkirchner ist die Sache damit nicht vorbei. „Ich werde um das Kind kämpfen“, kündigte er unserer Zeitung gegenüber nach der Verhandlung an. Er wolle sich nun einen Rechtsanwalt holen. Das habe er bisher nicht gemacht, weil er nicht gewusst habe, ob das etwas bringt. Von seinen Gesprächen mit der Enkeltocher weiß er: „Das Kind will zurück zu mir.“ Er wischt sich über die Augen. „Ein Kind gehört doch zu seiner Familie.“

nip

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