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Ein Blitzer sorgte nun für einen Gerichtsprozess. (Symbolbild)

Amtsgericht

Holzkirchnerin wird geblitzt und steht wegen Betrugsverdacht vor Gericht

EIne Holzkirchnerin soll in Miesbach geblitzt worden sein und beim Bußgeldbescheid auf eine Freundin verwiesen haben. Deshalb musste sie sich vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten.

Holzkirchen/Miesbach – Weil sie mit ihrem Auto in Miesbach in eine Radarfalle gefahren sein soll, erhielt eine 51-jährige Holzkirchnerin einen Bußgeldbescheid. Die Strafe: 100 Euro plus ein Punkt in Flensburg. Jetzt musste sich die Frau vor dem Miesbacher Amtsgericht verantworten – wegen falscher Verdächtigung.

Der Vorwurf: Sie soll auf dem von der Polizei zugeschickten Formular den Namen einer 27-Jährigen, die früher in Rottach-Egern und mittlerweile in der Schweiz wohnt, eingetragen und sie als Fahrerin an besagtem Novembertag 2018 angegeben haben. Soweit korrekt. „Der Strafbefehl ist falsch“, erklärte Verteidiger Bernhard Beer dennoch. Die 27-Jährige sei öfter mit dem Auto der Holzkirchnerin gefahren, habe ihn sich auch für den Umzug in die Schweiz ausgeliehen. Auf dem kleinen Schwarz-Weiß-Foto der Polizei sei die Fahrerin nicht erkennbar gewesen. „Meine Mandantin hat zudem einen Club in Rottach-Egern, der um 22 Uhr öffnet“, fügte Beer an. Die Tatzeit: 23.40 Uhr. „Da arbeitet sie normalerweise schon.“ Wenn ein Gutachter aber bestätigen würde, dass sie gefahren sei, „dann wird es so gewesen sein“.

Fakt sei, dass sich keine der beiden Frauen erinnern könne, wer hinterm Steuer saß. Da aber vieles auf die 27-Jährige hindeutet, gaben die Frauen dies bei der Polizei an. Eine falsche Verdächtigung sei dies nicht. Die Freundin der Angeklagten bestätigte, „dass ich mir öfter ihr Auto geliehen habe und wir uns letztlich nicht sicher waren, ob ich es auch an diesem Tag hatte“. Die 27-Jährige habe auch das Bußgeld übernommen, „weil wir dachten, dass ich gefahren bin“.

Einziger klarer Punkt: Fahrerin trug eine Brille

Klar war nur, dass die Fahrerin keine Brille trug. Die Angeklagte trägt keine. Von der Zeugin lagen Richter Walter Leitner Bilder vor, die die 27-Jährige mit Brille zeigten. „Meine Brille habe ich aber hauptsächlich zum Arbeiten auf“, entgegnete diese. „Beim Autofahren brauche ich keine.“ Auch in ihrem Führerschein ist nicht vermerkt, dass sie eine tragen müsse.

Stichfeste Beweise für eine falsche Verdächtigung gab es letztlich keine. „Ich bin mir anhand der Bilder auch nicht sicher, wer von den beiden das ist“, resümierte der Staatsanwalt und plädierte auf Freispruch. Dem schloss sich Verteidiger Beer an. Richter Leitner folgte dem Antrag und erklärte: Aufgrund der Uhrzeit „sind Sie eben beide davon ausgegangen, dass die Zeugin gefahren ist. Und so was ist keine falsche Verdächtigung.“  

Philip Hamm

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