Brandopfer Harald Guth in seiner neuen Wohnung in Otterfing.
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Harald Guth in seinem neuen Zuhause in Otterfing.

Harald Guth verlor bei einem Feuer fast alles 

„Ich hatte das Gefühl, nicht allein zu sein“: Brandopfer bedankt sich

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Harald Guth verlor bei einem Brand fast alles. Jetzt bedankt er sich für Hilfe, die er hinterher erfahren hat.

Hartpenning – Harald Guth ist gerade in der Arbeit, als er zur Mittagszeit einen Blick auf sein Handy wirft. Was er sieht, lässt ihm den Atem stocken: Es ist ein Foto seines brennenden Wohnhauses – sein Nachbar hat ihm den Online-Bericht unserer Zeitung geschickt, verbunden mit der Nachricht: „Harry komm’ heim, bei Euch brennt’s!“ Wie berichtet, war am 19. Januar ein Wohnhaus im Holzkirchner Weiler Kögelsberg abgebrannt. Ein 81-Jähriger starb, ein Hartpenninger Feuerwehrmann wurde schwer verletzt.

Guth lässt sich von einem Kollegen heimfahren, er selbst ist dazu nicht in der Lage: „Ich habe am ganzen Körper gezittert.“ Während der Fahrt von seinem Arbeitsplatz in Brunnthal nach Hause kreisen seine Gedanken: „Was habe ich falsch gemacht? Habe ich den Herd angelassen? Habe ich Glut aus dem Ofen geholt?“ Vor allem aber sorgt er sich um seinen Vermieter, mit dem er seit mehr als zwei Jahren unter einem Dach wohnt. Der 81-Jährige ist pflegebedürftig, Guth geht ihm in Haus und Garten zur Hand.

Kurz vor der Ankunft klingelt Guths Handy erneut: Die Tochter seines Vermieters teilt ihm mit, dass die Rettungskräfte ihren Vater nur noch tot aus dem Haus bergen konnten.

Fast drei Monate ist das jetzt her. „Ich habe noch immer daran zu beißen“, sagt Guth. Der 57-Jährige ist derzeit arbeitsunfähig, hat sich professionelle Hilfe bei der Bewältigung des Traumas geholt. „Alleine schafft man das nicht.“

Er trauert um seinen Vermieter. „Wir waren ein richtig gutes Team. Er hat sich oft bei mir bedankt, sodass ich Wertschätzung und Achtung erfahren habe.“ Der Tod seines Vermieters und der Verlust seiner Wohnung sind aber nicht die einzigen Schicksalsschläge: Anfang Februar starb auch Guths Vater. „Ich erlebe gerade eine schwierige Zeit“, sagt er.

Dabei hilft ihm die Unterstützung, die er von Nachbarn, Freunden sowie den Lesern des Miesbacher Merkur und Tölzer Kurier erfahren hat. Wie berichtet, löste Guths Schicksal eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen sowie im Kreis Miesbach spendeten die Menschen Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren und Geld. Schließlich hatte Guth nichts mehr außer der Sachen, die er an jenem Tag am Leib trug. „Und meine Papiere. Die sind zum Glück nicht verbrannt“, erzählt er.

Alles, was er von den Menschen bekommen habe, sei wichtig gewesen. „Das war für mich wie Weihnachten. Ich habe unter anderem Benzingutscheine bekommen, eine Skitouren-Ausrüstung. Super neue Sachen!“, sagt Guth. Die Geldspenden investierte er in eine neue Wohnungseinrichtung, schließlich war alles den Flammen zum Opfer gefallen.

Die Anteilnahme der Menschen bedeutet für Guth aber nicht nur praktische Hilfe. „Ich hatte das Gefühl, nicht allein zu sein. Da war ein Netz, das mich aufgefangen hat“, sagt er. „Ich habe alles verloren – und dann gibt’s da Menschen, die mir helfen. Das hat mich überwältigt, und ich möchte mich dafür bedanken.“ In erster Linie war da die Unterstützung der Lenggrieserin Saskia Seestaller, die damals den Spendenaufruf initiiert hatte. Dankbar ist er aber auch seinen Nachbarn Maren und Hubert Hahn: „Sie haben mich unglaublich unterstützt.“

Die ersten Tage nach dem Brand kam Guth bei seiner Schwester unter. Inzwischen lebt er aber in Otterfing. Derweil sind die Ermittlungen zur Brandursache nahezu – aber noch nicht vollständig – abgeschlossen. „Es gibt keinerlei Indizien, die auf eine Beteiligung Dritter hindeuten“, sagt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd gegenüber unserer Zeitung. Harald Guths bange Frage, ob er etwas falsch gemacht habe, ist damit beantwortet, und er kann aufatmen. Trotzdem belastet ihn das Unglück. „Es ist nicht jeden Tag Sonnenschein. Manchmal regnet es“, sagt er. „Aber ich werde das überstehen.“

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