Warum gibt es überhaupt eine erste Klasse in der BOB?
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Hat Diana Ebner 60 Euro gekostet: Mitfahrt in der ersten Klasse ohne Erste-Klasse-Ticket. 

Trotzdem muss sie im Meridian Strafe zahlen

Pendlerin ignoriert 1. Klasse - und hat gute Gründe

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Darüber regen sich BOB- und Meridian-Pendler täglich auf: Gähnende Leere im Erste-Klasse-Abteil, und im Rest des Zugs dichtes Gedränge. Eine Holzkirchnerin macht da nicht mehr mit - mit Folgen.

Holzkirchen - Diana Ebner (46) langt‘s. Schon lange. Dass sie 60 Euro Strafe kassiert hat, weil sie im Meridian ohne Erste-Klasse-Ticket bei den Erstklässlern mitgefahren ist, hat sie nur noch mehr angestachelt. Sie will weiter in der ersten Klasse fahren - mit einem normalen MVV-Monatsticket. „Auf der Strecke von Holzkirchen nach München gibt es überhaupt keine erste Klasse“, behauptet Ebner. Nur kleben die weißen Einsen auf blauem Grund recht deutlich an den Glasfenstern vor den edlen Sitzen. 

Das mag schon sein. „Aber“, sagt Ebner. „ich bekomme gar kein Ticket dafür in Holzkirchen.“ Und damit hat sie recht. Diana Ebner hat die MVV-Monatskarte für zehn Ringe, Kostenpunkt: 150,70 Euro. Ein Erste-Klasse-Ticket gibt‘s nicht im MVV-System. Und ihr Monatsticket für die erste Klasse im Meridian aufzustocken, ist in Holzkirchen unmöglich. Das gilt für alle MVV-Zeitkarten. Erste-Klasse-Tickets gibt‘s nur für reine Meridian-Tickets am Automaten.

„Das ist ein technisches Problem“, erklärt BOB-Pressesprecher Christopher Raabe auf Nachfrage. Das MVV-Tarifsystem mit dem des Meridian zu koppeln sei am Automaten nicht realisierbar. Ein Upgrade für MVV-Zeitkarten gibt es theoretisch schon. Das ist aber gar nicht so einfach zu bekommen. Eine Internetrecherche unserer Zeitung endet erfolglos. Erst die Nachfrage beim Pressesprecher hilft weiter. Der muss zwar auch erst nachfragen, aber dafür wissen wir inzwischen: Ein Upgrade für MVV-Zeitkarten gibt es tatsächlich, aber nur in einem DB-Reisezentrum „beispielsweise am Münchner Hauptbahnhof“. 

Das alles ist für Ebner ärgerlich genug, aber die Holzkirchnerin regt noch viel mehr auf, dass der Pendlerzug überhaupt eine erste Klasse haben muss. Ein Zugabteil, das mit Sanktionen freigehalten werden muss, aber keiner nutzt, während man sich im restlichen Zug dicht an dicht die Füße in den Bauch steht. „Wo ist da der Sinn?“, fragt Ebner.

„Dass unsere Züge mitunter sehr gut genutzt werden, ist korrekt“, bestätigt Raabe. „Wir fahren mit Meridian und BOB mit allem was wir haben, denn es ist uns wichtig, dass so viele Fahrgäste wie möglich so komfortabel wie möglich mit uns reisen.“

Nur halt eben nicht in der ersten Klasse. Die bleibt leer. Zumindest nach der Wahrnehmung der meisten Pendler. Viele Fragen sich, wie sich das überhaupt für die BOB lohnen soll. Raabe: „Eine Auswertung der Fahrgastzahlen hat ergeben, dass circa zwei Prozent unserer Fahrgäste (in beiden Zügen, Meridian sowie BOB) die 1. Klasse nutzen.“ Sitzplätze halten BOB und Meridian allerdings wesentlich mehr vor: Im Meridian kommen auf 8 Erste-Klasse-Plätze, 151 normale Sitzplätze, das macht einen Anteil von 5 Prozent. Im Talent der BOB liegt der Anteil an Erste-Klasse-Plätzen sogar bei knapp 12 Prozent. Viele Plätze in der ersten Klasse bleiben also grundsätzlich leer. 

Trotzdem scheint sich das Klassenkonzept für die BOB zu lohnen. Raabe: „Die erste Klasse ist im Schnitt (über alle Wochentage und über alle Wochen des Jahres) in etwa gleich gut ausgelastet wie die zweite Klasse. Gerade im Freizeitverkehr an den Wochenenden werden die ersten Klassen gut genutzt.“

Bleibt für Pendler, die einen Sitzplatz wollen, ohne 60 Euro Strafe zu riskieren, also nur der Gang zum DB-Reisezentrum am Hauptbahnhof. Für Diana Ebner ist das keine Option. Eine Antwort auf ihre Beschwerde hat sie bisher nicht bekommen. 

kmm

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