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Imagefilm birgt Zündstoff: Grünen-Räte wollen brisante Mountainbike-Szene rausschneiden

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Von: Marlene Kadach

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Brisante Szene: Ein Mountainbiker flitzt im gemeindlichen Imagefilm durch den Wald. Screenshot: Gemeinde
Brisante Szene: Ein Mountainbiker flitzt im gemeindlichen Imagefilm durch den Wald. © Screenshot: Gemeinde

Eine Szene im Imagefilm der Gemeinde Holzkirchen sorgte jüngst für Unmut bei zwei Grünen-Gemeinderäten. Sie fordern eine Lösung.

Holzkirchen – Mountainbiker, die auf einem unbefestigten Weg durch den Wald sausen, tauchen im Imagefilm der Marktgemeinde auf. Das missfällt den Grünen-Gemeinderäten Josef Meier und Robert Wiechmann. Sie fordern eine Löschung der brisanten Szene. Der Bürgermeister jedoch will nichts überstürzen.

Imagefilm: Mountainbiker sausen durch Wald - Szenen missfällt Grünen-Gemeinderat

Die Szene dauert nur ein paar Sekunden, doch sie birgt Zündstoff: Blätter, die in der Sonne leuchten, ein saftig grüner Wald. Plötzlich flitzt ein Mountainbiker mit durch das Idyll, die Reifen streifen die langen Gräser, er springt über eine Wurzel. Dann gesellt sich ein weiterer Mountainbiker hinzu, saust bei schöner Musik hinter seinem Kollegen her.

Diese Szene hält der Holzkirchner Grünen-Gemeinderat Josef Meier „für nicht förderlich in diesen Zeiten“. Vor allem, weil sie ausgerechnet im Imagefilm der Kommune auf deren Internetseite auftaucht. Ein unsensibler Fauxpas. „Am besten wäre es, man würde sie rausnehmen“, forderte der Landwirt jetzt im Hauptausschuss.

Holzkirchen: „Erhebliche Probleme für Forst- und Landwirte“ - Imagefilm lockt Auswärtige an

Seit Corona sei es akut, sagt der Föchinger auf Nachfrage. „Es gibt erhebliche Probleme für Forst- und Landwirte.“ Seitdem drückt es viele Radler in den Landkreis, besonders brenzlig war es am Taubenberg (wir berichteten).

Dort brausten Mountainbiker auf Forstwegen herum. Konflikte mit Grundstückseigentümern oder Spaziergängern spitzten sich zu. Als Sportstätten geschlossen hatten, spielten manche sogar Golf und Fußball auf den Feldern seiner Kollegen, berichtet Meier. Er verstehe, dass sich Leute bewegen müssen. Aber manches ginge zu weit.

„Vor allem Auswärtige schauen sich den Film an“, glaubt Meier. Und würden mit schönen Bildern angelockt. Das müsse man stoppen. Grünen-Fraktionssprecher Robert Wiechmann sieht das genauso. Ganz neu sei das Problem mit dem Film allerdings nicht. Er habe bereits vor Jahren den damaligen Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) darauf angesprochen. Doch offensichtlich ist bis heute nichts passiert.

Imagefilm: Biker fahren auf Holzrückegasse - „Das ist eine Ordnungswidrigkeit“

Die Biker in dem Imagefilm würden auf einer Holzrückegasse fahren, einem unbefestigten forstwirtschaftlichen Weg, der zum Transport von gefällten Bäumen dient, sagt der Förster. „Das ist verboten und eine Ordnungswidrigkeit.“ Ein Verstoß gegen das Bayerische Naturschutzrecht.

Zwar gelte in Bayern prinzipiell ein Betretungsrecht in der freien Natur, vor allem für Fußgänger. Das Radfahren in der freien Natur sei ebenfalls verfassungsrechtlich garantiert, wenn es der Erholung diene. Aber: „Beschränkungen des Rechts auf Naturgenuss sind dort angebracht, wo Interessen der Natur dies erfordern oder erhebliche Schäden für Grundeigentümer oder Allgemeinheit verhindert werden müssen.“

Wiechmann bezieht sich auf Hinweise, die das Bayerische Umweltministerium Ende 2020 herausgab. Dort steht auch: Holzrückegassen auf dem gewachsenen Waldboden stellen „grundsätzlich keine Wege dar und sind in aller Regel keine für das Befahren mit Fahrzeugen ohne Motorkraft und das Reiten geeigneten Wege“. Vielmehr sei das Radfahren nur auf „geeigneten Wegen“ zulässig. Also dort, wo weder Natur noch Eigentümer geschädigt werden und noch genug Platz für Fußgänger bleibt.

Biker auf Holzrückegassen: Bürgermeister sieht bei Imagefilm „keine tagesaktuelle Notwendigkeit“

Ganz so einfach ist die Definition trotzdem nicht, wie aus dem Hinweis des Ministeriums klar wird: „Die Eignung eines Weges ist im Gesetz nicht definiert und unterliegt – je nach Benutzungsart – unterschiedlichen Kriterien.“ Auch am Fentberg seien rücksichtslose Radler ein Thema, sagt Wiechmann, sowie im Teufelsgraben. „Da fahren manche senkrecht runter. Wenn da Rampen gebaut werden und was passiert, haftet der Waldbesitzer.“ Allerdings sei der Imagefilm kein Einzelfall. Auf vielen Portalen seien ähnliche zu finden. „Da werden Erwartungen geweckt, um die Radindustrie zu fördern“, sagt er. „Aus Sicht der Waldbesitzer läuft das aus dem Ruder.“

Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) sieht „keine tagesaktuelle Notwendigkeit“ sofort zu handeln. Immerhin stamme der Film aus 2017 und sei vor seiner Amtszeit entstanden. Da dafür verantwortliche Mitarbeiter nicht mehr im Haus sind, müsse man nun Details recherchieren. Etwa, wie hoch die Klickzahlen sind, wo der Ausschnitt gedreht wurde und ob man dort tatsächlich nicht fahren dürfe. Erst dann könne man eine Lösung finden. Ganz so einfach das nicht. Schneide man die Szene raus, wäre die gesamte Chronologie des Films zerstört. Schmid findet nicht, dass die Gemeinde unsensibel handelte. „Das war 2017 noch kein Thema.“ Erst mit der Pandemie habe der Erholungsdruck so zugenommen.

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