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Eingespieltes Team: Ulrike Henking (2.v.r.) hat das Café einst initiiert. Behinder und nicht behinderte Menschen arbeiten hier zusammen: (v.l.) Sabine Besenrieder, Sarah, Ghazwah, Gisela, Jenny und Mona Hacke.

Eine Erfolgsstory in Sachen Integration

In Toms Café kümmern sich Menschen mit Handicap um die Gäste

In diesem Café haben die Kellner mindestens soviel Spaß wie die Gäste. Trotz ihrer Behinderung arbeiten sie hier und tanken täglich Selbstbewusstsein. Und das funktioniert.

Holzkirchen – Vor sechs Jahren öffnete Toms Café erstmals seine Türen. Die Idee hinter dem Café: Menschen mit Behinderung sollten in die Gesellschaft integriert werden, Berührungsängste abgebaut und die Begabungen der Mitarbeiter gefördert werden. Das Konzept ist aufgegangen. Immer mittwochs servieren die Mitarbeiter Waffeln, Müsli, Quarkspeisen, Kaffee und Tees und tanken ganz nebenbei jede Menge Selbstbewusstsein.

Auf den Tischen im Thomashaus der Evangelischen Kirche stehen frische Blumen, auf den Stühlen liegen gemusterte bunte Kissen: die Handschrift von Ulrike Henking. Sie war die Initiatorin des Integrationscafés, das 2015 mit dem Sozialpreis des Landkreises ausgezeichnet wurde. „Gerade in Holzkirchen waren unsere behinderten Menschen kaum sichtbar“, erinnert sich Henking, „als wären sie nicht vorhanden.“ Sie wollte vor allem Berührungsängste abbauen und das Bild von behinderten Menschen korrigieren. „Diese Menschen sind nicht zu bemitleiden oder traurig. Es ist einfach schön, dass es sie gibt. Und seit sechs Jahren können sie hier im Café zeigen, was sie alles können“, freut sich Henking.

Die Café-Mitarbeiter stammen aus der Schülerfirma des Anton Weilmeier Förderzentrums in Hausham, kommen von der Holzkirchner Regens Wagner Stiftung oder den Oberlandwerkstätten in Miesbach. Sie werden von rund 20 ehrenamtlichen Helfern unterstützt.

Katja Lämmermann aus Holzkirchen besucht in regelmäßigen Abständen das außergewöhnliche Café. „Das ist ein sehr wichtiges Projekt’“, findet die dreifache Mutter. „Ich kann sehen, wie sich viele Mitarbeiter entwickelt haben und immer selbstbewusster werden. Und die Speisen und Getränke sind immer frisch und lecker.“

Einer der Mitarbeiter ist der geistig behinderte Ghazwan. „Ich arbeite hier seit einem Jahr, und der Mittwoch ist mein absoluter Lieblingstag. Viel besser als Schule“, sagt der 17-jährige Teenager. Er kommt gerne mit den Gästen ins Gespräch. So auch an diesem Mittwoch, als 23 Schülerinnen und Schüler der Dietramszeller Montessorischule in Toms Café zu Besuch sind. Es ist ein Ausflug im Rahmen ihrer Projekttage „Die Würde des Menschen“. Die Kinder im Alter zwischen sechs und 13 Jahren stellen den Behinderten Fragen: nach Hobbies und Lieblingsfarben, aber auch nach der Eigenwahrnehmung der Mitarbeiter mit Handycap. Wie fühlt man sich mit einer Behinderung? Wie ist es, wenn man angestarrt wird? Wie kommt man mit einer Behinderung zurecht? Dies und vieles mehr wollen die Montessori-Schüler in Erfahrung bringen. „Ich kenne das Café schon lange und bin privat manchmal hier. Es ist ein guter Ort, um mit Behinderten ins Gespräch zu kommen und Barrieren abzubauen“, erklärt Lehrerin Monika Landwehr. Eine Erfolgstory also, die hoffentlich noch lange fester Bestandteil Holzkirchens ist. 

Kathrin Suda

Öffnungszeiten

Toms Café öffnet während der Schulzeit immer mittwochs von 7.30 Uhr bis 11.30 Uhr seine Türen.

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