Kein Vorrecht für Einheimische 

Neubaugebiet Inselkam-Maitz: Grundstücke an Meistbietende verkauft

  • schließen

Ihre zehn Grundstücke im Neubaugebiet Inselkam-Maitz vergibt die Gemeinde an die meistbietenden Interessenten. Das hat der Gemeinderat so beschlossen. Die Gründe:

Holzkirchen – Die ersten Vorboten sind schon da: Linksabbiegespur, Verkehrsinsel und Lärmschutzwand zeugen von dem neuen Baugebiet Inselkam-Maitz am Holzkirchner Ortseingang. Zehn Grundstücke hat die Gemeinde hier zu vergeben. Laut Robert Haunschild, Geschäftsleiter im Rathaus, handelt es sich um acht Doppelhaus- sowie zwei Einfamilienhausgrundstücke. Die Gesamtfläche beträgt 3300 Quadratmeter, was rund 330 Quadratmeter pro Grundstück bedeutet. In der jetzigen Sitzung entschied der Gemeinderat darüber, wie diese Grundstücke vergeben werden.

Zwei Varianten standen laut Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) dafür im Raum: Die erste sieht vor, die Grundstücke den meistbietenden Interessenten zu verkaufen und dafür einen Mindestpreis zu definieren. „Bezüglich des Bodenrichtwerts gibt es eine neue Ausgangslage“, sagte Löwis. Der Gutachterausschuss des Landratsamts habe den Bodenrichtwert auf 1050 Euro pro Quadratmeter festgezurrt. Zum Vergleich: Die Grundstücke am Grünlandweg verkaufte die Gemeinde noch für 680 Euro pro Quadratmeter (wir berichteten). „Da ist ein riesiger Preissprung da“, meinte Löwis.

Als zweite Variante überlegte die Gemeinde, die Grundstücke über das Holzkirchner Modell zu vergeben, eine Art Einheimischenprogramm light, das sich am Grünlandweg und in Kleinhartpenning bewährt hatte. Die Auswahl der Bewerber erfolgt über eine Bepunktung. Vor allem die zwei Säulen Wohnsitzdauer und Anzahl der Kinder zählen.

Die Meinung im Gemeinderat zeichnete sich deutlich ab – für die erste Variante, bei der Meistbietende den Zuschlag erhalten. Hans Putzer (SPD) fand, man sollte mit den Finanzen der Gemeinde sorgsam umgehen. Damals am Gründlandweg seien die Grundstücke viel zu günstig verkauft worden. Er sah es nicht ein, warum Leute subventioniert werden sollten, die sich einen Preis 1050 Euro pro Quadratmeter leisten können. Die Gemeinde sollte bei den Preisen nicht als Förderer auftreten, meinte Thomas Hünerfauth (SPD). Robert Wiechmann (Grüne) war dagegen, einigen wenigen in einer hochpreisigen Region das Bauen zu subventionieren. Er hielt es für wichtig, mit den Einnahmen aus Variante eins indirekt den kommunalen Wohnungsbau zu finanzieren. „Der rettet nicht die Welt.“ Sei aber ein kleiner Beitrag. Wie berichtet, baut die Gemeinde zwei Mehrfamilienhäuser in Neuerlkam und plant den Neubau der Wohnblöcke an der Baumgartenstraße. Die beiden weiteren Flächen für Geschosswohnungsbau, die die Gemeinde an der Maitz besitzt, können laut Haunschild voraussichtlich nicht dem kommunalen Wohnungsbau dienen, weil sie nicht förderfähig sind. Die Kommune habe die Grundstücke zu spät erworben. Sepp Sappl senior (CSU) schwebt vor, die Einnahmen in den Bau einer neuen Kita zu stecken. Ob diese in der Maitz unterkommt, ist laut Haunschild fraglich, aber nicht ausgeschlossen.

Löwis akzeptierte zwar die Meinung der Mehrheit, liebäugelte persönlich aber eher mit dem Holzkirchner Modell. Andernfalls bestehe die Gefahr, „dass die Gemeinde Vorschub zur Preistreiberei“ leiste. Er fand es schade, dass Einheimische nicht berücksichtigt werden. Natürlich sollte man Geld sinnvoll ausgeben. „Aber ich denke, dass die Haushaltslage nicht so negativ ist.“ Christoph Schmid (CSU) stand auf seiner Seite. „Ich würde eine Wiederauflage des Holzkirchner Modells bevorzugen.“ Birigt Eibl (FWG) schlug vor, ein eigenes Gremium zu schaffen, das sich mit dem Bietverfahren beschäftigt.

Um die Diskussion abzukürzen, stellte Schmid einen Antrag zur Geschäftsordnung, wonach ein Beschluss fallen soll. Mehrheitlich stimmte der Gemeinderat für die erste Variante, als Mindestpreis liegt der Bodenrichtwert von 1050 Euro zugrunde. Die Parzellen will die Gemeinde noch heuer verkaufen.

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Junger Regisseur dreht in Holzkirchen - und sucht Komparsen
Der junge Holzkirchner Jonas Breutel ist auf dem besten Weg zum Filmemacher. Für den Abschlussfilm seines Hochschulstudiums dreht er in seiner Heimatgemeinde - und sucht …
Junger Regisseur dreht in Holzkirchen - und sucht Komparsen
Freiwilligendienst: Otterfingerin (18) fliegt nach Ecuador
Von Otterfing hinaus in die weite Welt – dieses Wagnis geht Julia Schöpfer nun ein. Die 18-Jährige wird ein Jahr Freiwilligendienst in Ecuador absolvieren. 
Freiwilligendienst: Otterfingerin (18) fliegt nach Ecuador
Verkehrsschilder entfernt: AfD greift Gemeinde und Landratsamt an
Mit der Traglufthalle verschwanden auch die 70-Begrenzungen an der B13. Die AfD wirft den Behörden indirekt vor, nur Asylbewerber aber keine einheimischen Kinder …
Verkehrsschilder entfernt: AfD greift Gemeinde und Landratsamt an
Götz macht Ausbildung zum Landwirt: „Ich kann eine Kuh melken“
Albert Götz (45), Geschäftsführer der Gemeindewerke Holzkirchen, hat sich zum Landwirt ausbilden lassen. Im Gespräch verrät er, warum er das gemacht und wie er …
Götz macht Ausbildung zum Landwirt: „Ich kann eine Kuh melken“

Kommentare