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Medizin aus Oberbayern: Das Pharma-Unternehmen Hexal-Sandoz hat sich für den Standort Holzkirchen entschieden. Einer der wesentlichen Pluspunkte gegenüber Konkurrenten wie Wien oder Basel war die niedrige Gewerbesteuer.

Interview Gewerbesteuer in Holzkirchen

Ein Balanceakt, um Firmen zu gewinnen

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Holzkirchen/Landkreis – Sie zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der Kommunen - und zu den wankelmütigsten: die Gewerbesteuer. Die Oberbayern langen dabei weniger hin als der bundesdeutsche Schnitt. Holzkirchen geht sogar noch einen Schritt weiter. Warum, das erklärt Bürgermeister Olaf von Löwis im Interview.

In Oberbayern liegen die Gewerbesteuer-Hebesätze unter dem bayerischen und bundesdeutschen Durchschnitt. Das geht aus einer Pressemitteilung hervor, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern jetzt herausgegeben hat. Eine Sonderrolle spielt die Marktgemeinde Holzkirchen. Sie ist die einzige Kommune im Landkreis Miesbach, die ihren Gewerbesteuer-Hebesatz in den vergangenen zehn Jahren gesenkt hat – von 350 Punkten im Jahr 2005 auf aktuell 300 Punkte. Landkreisweit haben die Gemeinden im Schnitt um 21 Punkte zugelegt. Warum schwimmt Holzkirchen gegen den Strom? Wir haben bei Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) nachgefragt.

Herr von Löwis, Holzkirchen ist die einzige Kommune im Landkreis, die ihre Gewerbesteuer in den zurückliegenden zehn Jahren gesenkt und nun auf dem niedrigen Wert von 300 Prozent eingependelt hat. Hat sich das in Ihren Augen bewährt?

Löwis: In jedem Fall. Ich persönlich würde mich auch dafür starkmachen, dass dieser Wert so lange wie möglich beibehalten wird. Die Gewerbesteuer ist sicher nicht alleiniger Entscheidungsfaktor, damit sich eine Firma hier ansiedelt, aber doch einer von vielen. Das hat sich auch damals bei der Sandoz-Ansiedlung im Jahr 2008 gezeigt. 

Damals hatte die Gewerbesteuer in Holzkirchen ja einen historischen Tiefpunkt erreicht. 

Löwis: Mit 280 Punkten lagen wir damals an der untersten Grenze in Bayern. Für Sandoz-Hexal war das schon ein ausschlaggebender Punkt, sich für uns zu entscheiden. Es gab ja große Konkurrenten wie Wien und Basel. Die anderen Standort-Faktoren waren überall gleich gut. 

Auf diesem niedrigen Stand ist die Gewerbesteuer aber dann doch nicht geblieben.

Löwis: Ja, 2009 ist sie gemäß eines Gemeinderats-Beschlusses wieder hochgegangen. Von 350 auf 280 Prozent war ja schon ein gewaltiger Sprung. Die Einnahmen sind da spürbar nach unten gerutscht. So hat sich der Gemeinderat an die 300er-Marke herangetastet. Das war aber eng mit Novartis (Anm.d.Red.: der Mutterkonzern von Hexal) abgestimmt. 

Damit liegt Holzkirchen immer noch deutlich unter dem durchschnittlichen Hebesatz in Oberbayern, der bei 331 Prozent liegt. Wie wichtig ist das für die Betriebe?

Löwis: Bei Firmenbesuchen werde ich immer wieder gefragt, wie es mit der Gewerbesteuer ausschaut. Die Unternehmen würden schon gerne hören, dass es bei dem niedrigen Hebesatz bleibt. 

Sie sprachen von anderen Faktoren, die für die Ansiedlung von Firmen entscheidend sind. Welche sind das? 

Löwis: Da gibt es ganz viele: Neben dem Grundstückspreis ist das zum Beispiel die Infrastruktur. Sprich: Gibt es Kindergärten und Schulen? Wichtig ist natürlich auch die Lage mit Bahn- und Autobahnanschluss, die Nähe zu München, dem Flughafen und der Messe. Auch eine gute Internetverbindung ist entscheidend. 

Ist die Entwicklung in Holzkirchen denn zufriedenstellend? 

Löwis: Ja, wir haben eine anhaltend positive Entwicklung. Für einige Gewerbegebiete mussten wir Bewerbern sogar schon absagen. Wichtig ist es jetzt, dass wir mit dem Wohnungsbau nachziehen. Wir spüren, dass wir viele Ein- und Auspendler haben. Schon um den Verkehr zu beruhigen, müssen wir den Wohnungsbau vorantreiben.

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