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Tablet statt Buch oder Heft: Sieben von zehn Klassen der Holzkirchner Wirtschaftsschule Pasold-Weißauer nutzen im Unterricht und bei Hausaufgaben fast ausschließlich das iPad. Das Bild entstand in der Klasse von Lehrerin Claudia Heupel.

iPad-Klassen an Wirtschaftsschule

Lernen durch Wischen

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Holzkirchen - Die Holzkirchner Wirtschaftsschule setzt auf iPad-Klassen, um im Bildungs-Wettbewerb der Region bestehen zu können. 

Schulen sind keine Selbstläufer mehr. Sie konkurrieren um Schüler, müssen sich dem Wettbewerb stellen. Seit 55 Jahren bereichert die private Wirtschaftsschule Pasold-Weißauer das Ausbildungsspektrum in der Region Holzkirchen. Doch die Konkurrenz vor Ort ist größer geworden, die Schülerzahlen sind gesunken. Umso mehr gilt es, eine Marktnische zu finden – und das ist der Holzkirchner Wirtschaftsschule offenbar gelungen: Die iPad-Klassen, vor zwei Jahren als Versuch gestartet, haben sich in allen Jahrgangsstufen etabliert – ein vielleicht überlebenswichtiges Alleinstellungsmerkmal in der Region. 

Schulleiterin Kathrin Schilbach, die als langjährige Lehrerin das Amt vor zwei Jahren von Eberhard Marx übernommen hat, sieht im tablet-basierten Unterricht die Zukunft. „Es entsteht ein neues Miteinander von Lehrern und Schülern“, betont sie bei einem Pressegespräch, „und es macht einfach Spaß.“ Lernen durch Wischen: Sieben von zehn Klassen nutzen das Tablet. Die Eltern zogen mit, kauften die teuren Geräte. 

„Es war vor allem für uns Lehrer eine Riesenumstellung“, sagt die Direktorin. Gruppenarbeit sei besser möglich, „für alle Fächer lassen sich traumhafte Dinge im Netz finden“. Bücher und Hefte gibt es kaum noch. Genutzt werden Apple-Apps, Schulbuch-Verlage bieten interaktive Programme an. Der seit 2014 geltende „LehrplanPlus“, der stärker auf die Vermittlung von Kompetenzen statt von Wissen setzt, lässt sich laut Schilbach im vernetzten Klassenzimmer viel besser umsetzen. Und die Schüler haben stets alles dabei, müssen nicht schwer schleppen. 

Andererseits: Ausreden erfordern wieder mehr Fantasie. „Der Hund kann die Hausix jedenfalls nicht mehr fressen“, sagt die Schulleiterin schmunzelnd. Noch gibt es auch Unterricht ohne Tastatur. „Wir nutzen natürlich auch Tafel und Kreide“, sagt Schilbach, „und Prüfungen bleiben händisch.“ 

Nicht nur, aber auch auf dem iPad-Profil ruhen die Hoffnungen der Traditionsschule, die einst über 300 Schüler zählte. Mittlerweile hat sich die Zahl auf knapp 200 Jugendliche eingependelt (davon 30 Ganztagesschüler), angeleitet von 16 Lehrern. „Wir wollen gar nicht mehr unbedingt wachsen“, sagt die Direktorin. Eine Klassenstärke von nur 20 Schülern sei schließlich auch ein Qualitätsmerkmal. 200 Euro zahlen Eltern monatlich, um ihr Kind hier zur Mittleren Reife führen zu lassen. 

Seit 55 Jahren gibt es die Wirtschaftsschule in Holzkirchen, vor 22 Jahren wurde der Neubau in der Max-Heimbucher-Straße bezogen. Mittlerweile konkurriert man mit einer Realschule sowie zwei Gymnasien am Ort, auch die Mittelschule bietet Mittlere Reife an. „Es ist schwieriger geworden für uns Wirtschaftsschulen“, sagt Geschäftsführerin Barbara Bauer-Kurrle. Weil die Schüler ausbleiben, muss das Münchner Stammhaus demnächst schließen. „Holzkirchen bleibt aber erhalten“, betont die Geschäftsführerin. Auftrieb erhofft sie sich davon, dass man neuerdings Mathe im Unterricht und bald auch in der Prüfung anbietet, was den Übertritt auf die FOS erleichtern kann. 

Am 17. Juni will die Schulfamilie bei einem großen Sommerfest die Tradition beschwören. Gefeiert wird unter anderem auf der anderen Straßenseite, im Parkdeck der Oberland-Realschule. „Alle unseren Ehemaligen sind willkommen“, sagt Bauer-Kurrle.

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