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Nach einer Auszeit bereit für mehr: Stephanie Erenoglu möchte wieder anpacken. 

Serie: „Arbeitslosigkeit hat ein Gesicht“

Irgendwas mit Tieren: technische Assistentin will quereinsteigen

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Holzkirchen – In unserer Serie stellen wir Arbeitssuchende im Landkreis Miesbach vor. Heute: Eine technische Assistentin, die ihren Job in der Pharmaindustrie hingeworfen hat, um Schäfer zu werden.

700 Schafe, zwei Esel, zwei Hütehunde und mittendrin Stephanie Erenoglu (39) aus Holzkirchen. Drei Monate lebte sie im Sommer auf 1500 Metern Höhe im französischen Teil der Schweiz und hütete Schafe. Eine Auszeit vom Alltag. „Ich wollte das schon immer mal machen“, sagt sie. Ein Tapetenwechsel auch von ihrem bisherigen Job, den sie für die Zeit auf der Alm aufgeben musste. Daher sucht sie nun eine neue Stelle.

Als Hirtin schaute Erenoglu jeden Tag nach dem besten Gras und trieb ihre Schäflein dorthin. „Man hat da gar nicht so viel Zeit, wie man denkt“, erzählt sie. Irgendein Herdenmitglied sei immer aus reiner Langeweile im Wald verschwunden. Mit ihrem herkömmlichen Beruf, den sie 20 Jahre lang ausgeübt hat, hat das rein gar nichts zu tun. Erenoglu war technische Assistentin im Labor eines Pharmakonzerns. Nach der langen Zeit fühlte sie sich reif für etwas Neues, die Auszeit kam gerade recht.

Viele Maschinen, noch mehr Knöpfe. „Mittlerweile läuft dort vieles automatisiert“, erzählt Erenoglu über die Arbeit als technische Assistentin. Zu Beginn sei die Tätigkeit noch experimentell gewesen. Die gebürtige Allgäuerin vermisst jetzt, selbst zum großen Teil an den Prozessen mitzuwirken. „Ich bin jemand, der sich gern in etwas reinfuchst.“

Die Holzkirchnerin scheut sich nicht vor unbekannten Aufgaben und bezeichnet sich als „idealistischen Quereinsteiger“. Halbtags würde sie gern im Büro arbeiten. „Ich organisiere gern“, sagt sie über sich. Die restliche Zeit wäre sie am liebsten draußen bei Tieren und körperlicher Arbeit. Ein Job in der Landwirtschaft oder in einem Wildpark schwebt ihr vor. „Ich würde zunächst auch einen Miniijob machen.“ In der Hoffnung, dass sich daraus dann mehr entwickelt.

Natur liegt ihr. Erenoglu ist auf dem Dorf aufgewachsen, hat ihre Freizeit im Kuhstall verbracht. „Meine Mutter fand das natürlich nicht so toll“, erinnert sie sich an die Debatten über den Geruch, den sie von dort mitbrachte. Aber genau da fühlt sie sich wohl.

Wenn sie nicht im Labor war, hat Erenoglu die freien Stunden in den Bergen verbracht. Oder beim Musikmachen. Sie spielt Rebab, ein altorientalisches Instrument. „Ein Lehrer aus der Türkei unterrichtet das europaweit.“ Therapie durch Musik, Erenoglu hat daran Gefallen gefunden. Auch wenn ihr nicht langweilig werden würde, will sie möglichst schnell wieder fest arbeiten. „Ich bin niemand, der wochenlang daheim sitzen kann.“ Einige Bewerbungen hat sie schon losgeschickt, eine Antwort kam bislang nicht. Also sucht sie weiter und hofft, für ihren speziellen Wunsch etwas zu finden.

Kontakt aufnehmen

können interessierte Arbeitgeber über die Agentur für Arbeit unter Holzkirchen.122-Vermittlung@ar beitsagentur.de.

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