„Altersteilzeit“

Nach 28 Jahren: Darum verlässt Irmi Ammer (SPD) den Gemeinderat

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Ende April verlässt Irmi Ammer (SPD) nach 28 Jahren den Holzkirchner Marktgemeinderat. Ihren Nachfolger kennt sie nur allzu gut.

Holzkirchen – Der allererste Antrag, der bleibt in Erinnerung. „Mehr Kindergartenplätze“, erinnert sich Irmi Ammer, habe sie sofort gefordert, nachdem sie 1990 für die SPD in den Holzkirchner Marktgemeinderat gewählt worden war. Selbst hatte sie leidige Erfahrungen gemacht. Als sie 1987 mit ihrem Mann und zwei jungen Kindern von München nach Holzkirchen gezogen ist, erzählt sie, sei die Betreuungssituation eine „große Katastrophe“ gewesen: keine Plätze, lange Wartelisten.

Heute sieht das ganz anders aus. Allein die Marktgemeinde betreibt vier Kindertageseinrichtungen. Jedem Kind kann ein Betreuungsplatz angeboten werden. Ein Erfolg, an dem Ammer großen Anteil hat. Und ein Erfolg, der sie ruhigen Gewissens in die kommunalpolitische „Altersteilzeit“ gehen lässt.

Irmi Ammer sitzt seit 1990 im Marktgemeinderat

Ende April legt die SPD-Marktgemeinderätin nach 28 Jahren im Amt ihr Mandat nieder. Dem Kreistag, dem sie seit 2002 angehört, bleibt sie weiterhin erhalten. „Es ist Zeit für den Ruhestand“, sagt die 64-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ihr Ausscheiden habe ausschließlich zeitliche Gründe. Nach einem schweren Fahrrad-Unfall vor vier Jahren sei ihr Mann Wolfgang pensioniert. „Der ist viel daheim und jammert mir immer vor, dass ich nie da bin“, scherzt Ammer. Zudem spannt sie ihr Enkel, drei Jahre alt und gerade im Kindergarten, voll ein. Und weiterer Familien-Zuwachs steht ins Haus. Im Juni wird Enkelkind Nummer zwei erwartet. „Da bin ich einfach gefragt“, erklärt Ammer, selbst Mutter dreier Kinder, „und das mach’ ich ja auch gerne.“

Politisch tritt sie künftig deswegen kürzer. Ihren letzten Sitzungen – Ammer sitzt für die SPD im Haupt- sowie Orts- und Verkehrsplanungsausschuss – blickt sie dennoch zwiegespalten entgegen. „Ich freue mich darauf, aber der Abschied fällt mir schon schwer. Das wird eine Umstellung für mich“, sagt Ammer.

Alles andere würde nach fast drei Jahrzehnten Kommunalpolitik wohl auch überraschen. „Eine sehr intensive Zeit“, wie die Sozialdemokratin feststellt, in der sich Holzkirchen stark gewandelt hat. „Hier ist viel passiert, auch viel Gutes.“ Auch die Arbeit im Gemeinderat habe sich verändert. Die verhärteten Fronten der Anfangszeit seien einem kollegialen, respektvollen Umgang gewichen. Persönlich hat sich Ammer politisch zwei Themen verschrieben: der Verkehrsberuhigung und der Kinderbetreuung. Nur ein Wunsch, und das fuchst Ammer spürbar, blieb unerfüllt: „ein autofreier Marktplatz“.

Ein Thema für ihren Nachfolger also. Instruieren kann ihn Ammer beim nächsten Familienessen: Über die Liste rückt nämlich ihr Sohn Simon (32) nach. Was die passionierte Bergsteigerin derweil mit dem Plus an Freizeit anfängt, kann sie noch nicht sagen. „Ich will auch gar nicht alles verplanen.“ Fragt sich, wie ihr Ehemann das sieht.

fp

Rubriklistenbild: © thomas plettenberg

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