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Auf zum letzten Rennen als Profi: Christian Grasmann startete beim Bedigo Madison bei Melbourne. Seit 2008 nahm er regelmäßig daran teil.

Interview zum Saisonstart der Maloja Pushbikers

Christian Grasmann: OP überstanden

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Für Christian Grasmann ist es ein schmerzvoller Abschied von der Bühne der Profifahrer. Beim Bahnradrennen in Australien verletzte sich der 38-Jährige arg: Schlüsselbein, Eckgelenk, insgesamt drei Brüche, dazu der Rückenmuskel abgerissen.

Ein Massensturz ausgerechnet in seinem letzten Rennen als Radprofi. Aber das Karriereende war schon vorher geplant. Im Interview spricht der Gründer und Teammanager der Maloja Pushbikers über die Hintergründe, neue Aufgaben, das neue Team 2019 und wirft einen Blick zurück auf sein altes Leben als Profifahrer.

Herr Grasmann, zum Karriereende noch eine OP. Was ist passiert?

So ganz genau weiß ich das auch nicht mehr. Es ist beim Bendigo Madison zum Massensturz gekommen. Zwei Australier haben zu langsam gewechselt und sind mit drei weiteren Teams gestürzt. Ich wollte noch durch eine Lücke durch, aber dann kam ein Rad „angeflogen“ und hat mich erwischt. Ich glaube, in das Rad bin ich dann gefallen und habe mir das Kreuz verdreht. Jetzt habe ich drei Brüche und einen abgerissenen Muskel. Alles dazu geschwollen und eingeblutet. Und am Dienstag wird operiert.

Und das ausgerechnet im letzten Rennen.

Ja. Ich war jetzt 15 Jahre lang Profi, bin Tausende Kilometer gefahren und habe nie etwas Ernsthaftes gehabt. Klar, Hautabschürfungen, auch mal gebrochene Rippen, aber nie eine OP.

Nun beginnt ein neuer Abschnitt: Sie sind nur noch Teammanager, können sich jetzt voll auf diese Rolle konzentrieren.

Ja, da gibt es genug zu tun. Die Maloja Pushbikers sind mittlerweile eine richtige Firma geworden. Jetzt sind auch noch die Straßenfahrer dazugekommen.

Wäre nicht noch eine Saison gegangen?

Nein. Ich wollte den Absprung nicht verpassen. Ich möchte auf einem guten Niveau aufhören und mit guten Gedanken rausgehen. Ich bin jetzt 38 Jahre alt, habe einen zweijährigen Sohn. Der Zeitpunkt passt. Natürlich gibt es auch 40-Jährige, die noch fahren, aber die können sich auf die Regeneration konzentrieren. Dafür habe ich mit der Teamleitung aber zu viele Aufgaben. Und das alles – Verträge, Planung und so – erledigt sich nicht nebenbei am Biertisch.

Neues Projekt: ein eigener Laden in Holzkirchen

Ohne Training bleibt ja dann genug Zeit, oder?

Ja, dann gibt es eine Mittagspause. Im Ernst: Mein Ziel ist es, von einer 90- bis 100-Stunden-Woche auf eine 50- bis 70-Stunden-Woche zu kommen. Sonst arbeitet man sich auf.

Wie kam es dazu, dass das Straßenteam der österreichischen WSA Pushbikers nun zu den Maloja Pushbikern gehören?

Das war Zufall. Die österreichische Firma WSA hat ihr Engagement reduziert. Also haben wir im Oktober 2018 angefangen, Alternativen zu suchen. Wir haben alle unsere Partner an einen Tisch geholt, unsere Vision sowie Strategie vorgestellt und die Möglichkeiten geprüft. Das stemmen wir inhaltlich und finanziell jetzt insbesondere mit unseren Sponsoren Maloja, L’Osteria, Alpina und Bike Components. Dabei haben wir einen weiteren Schritt gewagt: Die Maloja Pushbikers werden in Holzkirchen einen eigenen Laden haben.

Wie das?

Auch das hat sich so ergeben. Wir haben den Laden von Martin Huber gegenüber von unserem Lager an der Rosenheimer Straße übernommen. Das kommt das Büro rein mit Maloja Pushbikers Showroom und Café. Im Frühjahr soll’s losgehen. Wir möchten, dass es ein Treffpunkt für Sportler wird, nicht nur für Radsportler. Dass wir Erfahrung haben, von denen auch andere Sportarten profitieren können, hat sich schon gezeigt. Mit meinem Freund Lucas Bögl haben wir schon Langlauf-Kleidung entwickelt und Materialien getestet. Da gibt es noch einiges zu tun.

Noch mal ein Rückblick auf die Zeit als Profi: Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Die verschiedenen Eindrücke aus aller Welt. Hautnah mitzubekommen, wie es dort zugeht und was die Menschen bewegt.

Erfolgreiche Nachwuchsarbeit

Und an welche Erfolge werden Sie sich erinnern?

Schwer zu sagen. Ich habe nie meine Rennen gezählt. Schätzungsweise dürften es an die 2000 als bezahlter Rennfahrer gewesen sein. Dabei geht es nicht um Siege. Die Anfänge, das alles kennenzulernen. Die Revolution Bahnradserie in England mit dieser unglaublichen Begeisterung. Es gab Siege, die unspektakulär waren. Zweite Plätze, bei denen wir emotional wahnsinnig viel Feedback bekommen haben. Oder auch die ersten Medaillen für unsere Nachwuchsfahrer von den Maloja Pushbikers Future Stars. Wir sind ja auch als RSV Irschenberg einer der erfolgreichsten Vereine in Deutschland in der Nachwuchsarbeit.

Ist das auch Ihr Ziel?

Auch das hat sich ergeben, wurde dann aber stetig professionalisiert. Wir haben über 50 Nachwuchsfahrer und bekommen immer mehr Anfragen. Im Winter trainieren wir in der Dreifach-Turnhalle in Miesbach und brauchen da zwei Hallen. Der Zulauf ist groß. Das ist eben ein anderer Erfolg.

Woran liegt das?

Unsere Philosophie ist nicht nur zu gewinnen. Es geht auch darum, Spaß zu haben und gut auszusehen. Einen coolen Sport zu haben. Diese Philosophie zieht sich durch.

Die Jugendarbeit zahlt sich auch aus. Mit Bastian Frick aus Miesbach hat der erste Nachwuchsfahrer den Sprung in die Profimannschaft geschafft.

Ja, das ist ein richtig guter Fahrer. Er ist jetzt Profi, hat einen Vertrag und fährt erstklassige Rennen. Da kann er mitfahren, sich zeigen, lernen und Erfahrung sammeln. Und mit Daniel Auer hat er einen Kapitän, von dem er sehr viel mitnehmen kann. Das sind auch eben auch Erfolge. Den Nachwuchs aufbauen und ihm dabei helfen, in diesem faszinierenden Sport Fuß zu fassen. Ich habe eine tolle Zeit im Radsport gehabt. und das wünsche ich den jungen Fahrern ebenso. Ihnen dabei zu helfen, ist nun meine Aufgabe.

Update Mittwoch, 20. März, 14 Uhr

Christian Grasmann ist mittlerweile an der verletzten Schulter operiert worden. Er befindet sich nun auf dem Weg der Besserung.

ddy


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