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Hier arbeitet das Kraftwerk schon: In Sauerlach hat die Firma Turboden, der die Geothermie Holzkirchen GmbH den Zuschlag für das Kraftwerk in der alten Au gegeben hat, bereits das Kraftwerk für die Stadtwerke München gebaut.

Jetzt wird der Geldbringer gebaut

Geothermie-Kraftwerk kommt auf den Weg 

Der Weg in die Tiefe ist abgeschlossen – nun wächst das Mammutprojekt in die Höhe: Der Holzkirchner Gemeinderat hat den Bauantrag für das Geothermie-Kraftwerk in der Alten Au befürwortet. Im Frühjahr soll der Bau beginnen, ein Jahr später der Strom ins Netz fließen.

Holzkirchen – Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) schnaufte nach der Abstimmung durch, als der Gemeinderat einstimmig den Bauantrag abgesegnet hatte, der nun ans Landratsamt als Genehmigungsbehörde geht: „Jetzt kann es weitergehen, mit Vollgas voraus.“ Tatsächlich geht die Gemeinde nicht vom Gas, was das größte Projekt ihrer Geschichte betrifft. Aus gutem Grund, wie Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke Holzkirchen und Chef des Geothermieprojekts, in der Sitzung erläuterte: Es geht um ein ganzes zusätzliches Jahr gesicherte Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Geht das Stromkraftwerk im ersten Quartal 2019 ans Netz, sichert der Bund die Einspeisevergütung für 21 Jahre. Erreicht die Holzkirchner Geothermie ihr Ziel später, sind es 20 Jahre. Die Gemeinde geht also lieber in den Spurt, um auf dem letzten Kilometer vor der Zielgerade nichts mehr zu verschenken, nachdem das Projekt nach einer fehlgeschlagenen Bohrung doch noch erfolgreich abgeteuft und fündig wurde.

Der Bau der Fernwärmezentrale samt Abstellhalle und Thermalwasserleitungen in der Alten Au hat im September begonnen, das Dach ist schon aufgesetzt. „Im Sommer werden die Wärmetauscher installiert“, berichtete Götz. Nun soll der eigentliche Goldesel folgen, der das ökologisch interessante Projekt auch finanziell lukrativ machen soll: das Kraftwerk, in dem die Erdwärme zu Strom gemacht wird. In diesem zweiten Bauabschnitt sind mehrere Gebäude geplant: eines für die Luftkondensatoren (rund 81,50 mal 15,70 Meter mit 14,50 Metern Wandhöhe), eines für die Schaltanlagen (rund 40 mal zehn Meter mit zehn Metern Wandhöhe) und das Maschinenhaus (knapp 40 mal 27 Meter, 9,30 Meter hoch). 

Bauherrin ist die Geothermie Holzkirchen GmbH als Unternehmen der Marktgemeinde. Götz als Geschäftsführer hofft, dass sich der Frost nach diesem Winter bald verzieht – dann soll der Bau beginnen. Wie berichtet, ist der italienische Turbinenhersteller Turboden beauftragt worden. Sorgen im Gemeinderat, die Pumpe könnte durch die vergleichsweise hohen Temperaturen des Holzkirchner Thermalwassers anfällig, aber schwierig ersetzbar sein und es müsste deshalb eine zweite vorgehalten werden, versuchte Götz zu zerstreuen: „Das ist eine Standardpumpe, die Ersatzteile liegen beim Hersteller auf Lager.“

Die unerwartet hohe Temperatur – 150 Grad – hat auch die zu erwartende Leistung der Holzkirchner Geothermie erhöht, obwohl die Schüttung statt der erwarteten 65 nur auf rund 55 Liter pro Sekunde kommt. Die thermische Leistung erhöhe sich dadurch von erwarteten 20,7 auf 24,5 Megawatt, die elektrische Leistung des Kraftwerks von 2,8 auf 3,4 Megawatt. Gerechnet wird mit jährlich rund sechs Millionen Euro Erlös.

Im Frühjahr soll auch der Bau der Haupttrasse für die Fernwärme beginnen. Geht alles nach Plan, soll die Wärme aus gut 5000 Metern Tiefe Ende dieses Jahres schon in Haushalte fließen. Die Gemeindewerke informieren auf ihrer Homepage über Projektschritte.

Katrin Hager

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