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Festzug auf der Münchner Straße: Die Ortsvereine zogen am Sonntag vom Bahnhof zum Festzelt im Herdergarten, wo ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert wurde. Viele Schaulustige verfolgten das bunte Defilee. 
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Jubiläumsfeier 1111 Jahre 

Holzkirchen entdeckt sich selbst

Das Konzept ist aufgegangen: Die dreitägige Jubiläumsfeier 1111 Jahre Holzkirchen bescherte dem Ort ein fröhliches Gemeinschaftserlebnis, am Freitag auch ein feucht-fröhliches. Der Regen zum Auftakt blieb der einzige ungebetene Gast, der trotzig weggefeiert wurde. Das üppige Programm lockte an jedem Tag fast 5000 Besucher an.

Holzkirchen – Die Jubiläumsmeile vom Bahnhof zum Marktplatz hatte am Freitagabend gerade Schwung aufgenommen, als das Wetter zickte. Wind und Regen fuhren in die Menge, das Publikum dünnte vorübergehend aus. Und dennoch: Die Modenschau am Marktplatz war gut besucht. Viele hatten Regenhäute übergeworfen, die von der Gemeinde kostenlos verteilt wurden. „Die Regencapes waren sicher eine gute Aktion“, freut sich Ewgenia Sabransky, die Festkoordinatorin im Rathaus.

Die Modenschau präsentierte aktuelle Fashiontrends örtlicher Einzelhändler. Kindermodels stahlen den erwachsenen „Profis“ der Haushamer Garde dabei fast die Schau. „Die Modenschau war eine tolle Idee der Gemeinde“, lobte Sabine Nolte vom Kinderladen LaLeLu.

Wie unverwüstlich viele Besucher die Regenpause wegsteckten, dieser Moment beseitigte bei Bürgermeister Olaf von Löwis letzte Zweifel. „Die Holzkirchner haben unsere Idee angenommen, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“ So ein breites Miteinander habe er noch nie erlebt. „Vereine, Geschäftsleute, Gemeinde – wir haben an einem Strang gezogen.“

Inmitten vieler Imbissstände zog am Freitag auf der Jubiläumsmeile TV-Bachelor Leonhard Freier die Blicke auf sich. Vor dem Modeladen Simode bildete sich eine Schlange vor allem junger Mädchen. Der smarte 32-Jährige nahm Fans in den Arm, verschenkte Rosen und lächelte in jedes Smartphone. „Wir holen uns ein Autogramm, weil er so süß ist und so gut aussieht“, freuten sich Juli (15), Caroline (14) und Hanna (14) aus Holzkirchen, „wo trifft man denn sonst schon mal einen Promi?“

Auf der Münchner Straße sorgten Einzelhändler für Abwechslung. Roland Strohmeier stellte eine Torwand und ein Glücksrad auf. „Das Fest ist sehr gut für Kundenkontakt“, sagte der Schreibwarenhändler. Schlendern auf der autofreien Münchner Straße, das kam gut an. „Viele fragen schon, wann’s das wieder gibt“, berichtete Löwis.

Als sich das Wetter am Samstag und Sonntag mit milder Sommerluft für seinen Ausrutscher am Freitag revanchierte, verwandelten sich Marktplatz und Herdergarten in einen trubeligen Tummelplatz. Durchkommen war nicht einfach. Konstantin Klages kam mit zwei Kamelen und lud Kinder zu einem Ritt ein. Im orientalischen Zelt las Sandra Amienda die Geschichte von Aladin und die Wunderlampe, die Bauchtänzerinnen Lilly und Julia bezauberten mehr als 80 Kinder. Gesteckt voll war St. Laurentius, als die Pfadfinder die Geschichte des Märtyrers St. Laurentius pfiffig in die Gegenwart holten.

Schnäppchen waren zu machen, als BOB-Chef Bernd Rosenbusch Fundsachen der Oberlandbahn versteigerte, darunter Longboards, ein Ikonenbild, ein Klappstuhl und ein Schlitten. Ein Herrenfahrrad ging für 37 Euro weg, das originalverpackte Buch „Der Kämpfer im Vatikan“ brachte neun Euro.

Umlagert war stets das mittelalterliche Camp der „Isengewantler“. Ritter und Knappen räucherten Fisch und lebten das Leben vor, wie es früher war. „Ich finde, die sehen wirklich aus wie aus dem Mittelalter“, schwärmte der siebenjährige Julian aus Otterfing. Irene Mannhart (39) aus Valley war mit ihren zwei Kindern stundenlang auf dem Gelände unterwegs. „Schon unglaublich, was hier alles geboten ist. Die Kinder wollen gar nicht mehr heim.“

Nach dem Kirchenzug am Sonntag und dem Gottesdienst im Festzelt sprach Landrat Wolfgang Rzehak den Holzkirchnern seine Anerkennung aus. Ausdrücklich lobte er die integrative Kraft des Orts, der seit Jahrzehnten Neubürger aus vielen Nationen aufnehme – zuletzt viele Flüchtlinge. Olaf von Löwis adelte er zum „Oberbürgermeister“ im Landkreis, nachdem dieser zum Sprecher der Rathauschefs im Landkreis gewählt worden war.

Integration – das war für Löwis der springende Punkt, dieses Bürgerfestival aufzuziehen und allen Spöttern zu trotzen, die sich über die historische Relevanz der 1111 Jahre mokierten. „Wenn sich Menschen mit Geschichte beschäftigen, entsteht Identität.“ Das sei gerade in Holzkirchen wichtig, wo einerseits Tradition gelebte werde, andererseits viele Neubürger zuziehen. „Dieses Spannungsfeld bedarf weiterer Betreuung“, sagte Löwis.

Andreas Höger, Kathrin Suda

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