Die Jugendbeauftragten Damiano Parziale und Claudia Orlando am Holzkirchner Bahnhof.
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Die Jugendbeauftragten Damiano Parziale und Claudia Orlando fänden einen Club am Holzkirchner Bahnhof gut.

Brief an Gemeinde

Jugend sucht Ort zum Tanzen und Feiern: Chance am Bahnhof tut sich auf

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Holzkirchen braucht einen Club, wo junge Leute tanzen und feiern können, finden die Jugendbeauftragten. Am besten am Bahnhof. Und dort tut sich gerade eine Chance auf. 

Holzkirchen – Claudia Orlando kommt gleich zur Sache: „Es sieht mau aus“, sagt die 30-Jährige. „In Holzkirchen kann man eigentlich nirgends weggehen als Jugendlicher.“ Möchten die jungen Leute tanzen gehen und ordentlich Party machen, müssen sie mit der Bahn nach München fahren. „Aber dort ist meistens erst ab 23 Uhr was los“, meint Orlando. Und die Heimfahrt sei auch gar nicht so leicht, weil nachts weniger Züge verkehren. Man müsse also immer überlegen, ob sich die weite Reise dann überhaupt lohne. Oder ob man bis in die ganz frühen Morgenstunden auf Achse bleiben möchte.

Deshalb haben die drei gemeindlichen Jugendbeauftragten – darunter Orlando und Damiano Parziale – ein Schreiben ans Rathaus geschickt. Ihr Wunsch: Ein Club, eine Ausgehmöglichkeit für die jungen Leute in Holzkirchen muss her. Am besten direkt am Bahnhof, denn: „Dort gibt es viel Platz, er ist gut erreichbar“, meint Orlando. Und Lärm sei dort besser verträglich als an anderen Standorten. Nachdem das Bahnhofsareal gerade überplant wird (wir berichteten), tut sich in den Augen der Jugendbeauftragten eine einmalige Chance auf. Der Wunsch an sich bestehe ja schon länger. „Aber bislang hat sich nie eine Gelegenheit ergeben“, erklärt Orlando.

Dass es gar nichts für die Jugend in Holzkirchen gibt, stimmt so natürlich auch nicht. Die Jugendfreizeitstätte Holzkirchen, das JUZ, leiste „wertvolle Arbeit“, betont Orlando. „Es ist auch weiterhin wichtig.“ Aber das dortige Angebot reiche eben nicht aus. Wenn im JUZ abends Veranstaltungen stattfinden, „dann ist das natürlich super“, meint Orlando. „Allerdings ist es nicht Aufgabe der dortigen Sozialpädagogen, dort dauernd Partys zu organisieren“, meint die 30-Jährige. „Die brauchen ihre Energie für andere Sachen.“ Auch für weitere ehrenamtlich Beteiligte sei das nur in Maßen zu stemmen. Davon abgesehen hatte Karl Bär (Grüne) kürzlich im Gemeinderat erwähnt, dass die Jugendlichen keine „sozialpädagogische Betreuung“ wollen, sondern einen Ort zum Ausgehen. „Und wir brauchen etwas Kontinuierliches“, ergänzt Orlando. Am besten eine Location mit einem privaten Betreiber, der Profit machen möchte. Eine Location, die fast täglich geöffnet hat. In der schon die 16- bis 18-Jährigen tanzen und abfeiern können. „Mit Lichtern, guter Musik und guter Stimmung“, sagt Orlando. Es soll also „keine typische Kneipe mit Durchschnittsalter 21“ werden, die es in Holzkirchen sehr wohl gebe, sagt der 16-jährige Parziale.

Das Schreiben der Jugendbeauftragten hat offenbar Wirkung gezeigt: Wie berichtet, rutschte der Club, als es neulich im Gemeinderat um die Bahnhofsüberplanung ging, von den optionalen in die obligatorischen Nutzungen. „Ich war schon überrascht, dass im Gemeinderat so konkret darüber gesprochen wurde“, sagt Parziale. „Darüber haben wir uns sehr gefreut.“ SPD-Fraktionssprecherin Elisabeth Dasch regte an, vorab abzufragen, welche Voraussetzungen nötig wären, um einen Club sinnvoll wirtschaftlich zu betreiben. Nur dann könne man diesen in den Planungen berücksichtigen. Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) versprach, die Parameter zu klären. Inzwischen habe die Standortförderung Kontakt mit einem entsprechenden Bundesverband aufgenommen, sagt Schmid auf Nachfrage.

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