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Werner N. will weiter um seine Enkeltochter kämpfen und wieder vor Gericht gehen.

Amtsgericht reduziert Strafe

Jugendamt nimmt Mann Kind weg - er droht „Ich bringe euch alle um“

„Ich bringe euch alle um, mache euch kalt und sprenge das Jugendamt in die Luft.“ Mit dieser Drohung handelte sich ein 61-Jähriger eine saftige Strafe ein. Doch er hatte auch seinen Grund.

Miesbach/Holzkirchen  „Ich bringe euch alle um, mache euch kalt und sprenge das Jugendamt in die Luft.“ Mit diesen drastischen Drohungen überzog ein 61-jähriger Holzkirchner im September 2016 zwei Mitarbeiterinnen des Miesbacher Jugendamtes. Auslöser des Wutanfalls war der Frust darüber, dass seine minderjährige Enkelin nicht mehr bei ihm leben darf.

Der Holzkirchner war bereits im März gerichtlich zu einer Strafzahlung an den Kinderschutzbund verdonnert worden (wir berichteten). Die 1500 Euro waren ihm aber zu viel, sodass es jetzt zu einer zweiten Verhandlung kam. Amtsrichter Walter Leitner zeigte sich gnädig und reduzierte die Summe auf 1400 Euro (40 Tagessätzen zu je 35 Euro). Gegen diese Geldauflage wird das Verfahren eingestellt.

Das Fiasko für den Gerüstbauer hatte im Dezember 2014 begonnen, als seine Frau verstarb. „Ich habe ihr am Sterbebett versprochen, dass ich mich um die Kleine kümmere“, sagte er vor Gericht. Er ist zwar nicht der leibliche Opa, kümmerte sich aber mit seiner Frau um das Kind, nachdem dessen Mutter erkrankt war. Nach dem Tod seine Frau gab das Jugendamt die Enkelin in eine Pflegefamilie. Gesagt wurde ihm scheinbar, dass er zu alt sei und auch nicht richtig für das Wohl seiner Tochter sorgen könne. „Ich hatte dann lediglich Umgangsrecht.“

Den Ausraster im Landratsamt räumte der 61-Jährige ein. „Ich habe Sachen gesagt, aber mich im Nachhinein entschuldigt.“ Die Ergänzungspflegerin des Kinds vom Jugendamt München erinnert sich noch gut an jenen Tag: „Er sagte zu einer Mitarbeiterin des Jugendamtes, zu mir, zum Pflegevater und zur Pflegemutter, dass er uns alle umbringen werde.“

Konkret ging es damals offenbar um eine mögliche Unterbringung in einem Heim, die der 61-Jährige nicht zulassen wollte. „Er sagte, dass er das zu verhindern wüsste“, so die Pflegerin, „wir hatten Angst, dass er sie irgendwohin verschleppt.“ Seine Körperhaltung soll sehr aggressiv gewesen sein, immer wieder erhob er seine Faust.

Noch immer hat der Holzkirchner Hausverbot im Landratsamt. „Ich möchte gerne mein Auto abmelden, wie mache ich das jetzt“, fragte er Richter Leitner. Der schmunzelte und entgegnete: „Es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als einen Freund hinzuschicken, der das erledigt.“ 

Philip Hamm

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