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Krachmacher: Abgestellte Meridian-Züge produzieren auch am Holzkirchner Bahnhof Lärm. Obwohl Vorschriften eingehalten würden, bemüht sich die Bayerische Oberlandbahn als Betreiber um Verbesserungen.

"Seit der Meridian da ist, haben wir Terror"

Anwohnter kämpfen weiter gegen den Meridian-Lärm

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Holzkirchen - Die Meridian-Züge zischen, pumpen, pfeifen - und das die Nacht durch. Der Betreiber hat zwar nachgerüstet. Doch für die Gleisanlieger ist das Kernproblem noch lange nicht behoben.

Rainer Buchner verliert langsam die Geduld: „Es knallt und zischt“, sagt er. „Seit der Meridian da ist, haben wir nur noch Terror.“ Er wohnt am Holzkirchner Bahnhof, die Züge parken „vielleicht 50 Meter entfernt.“ Seine Einladung, sich morgens um 4.15 Uhr zum Kaffeetrinken auf seinen Balkon zu setzen, haben die Meridian-Verantwortlichen abgelehnt, sagt er. Aus seiner Sicht hat sich nicht viel gebessert. Trotz allem.

Um den Lärm, den abgestellte Meridian-Züge machen, drehte es sich nun bei einem Treffen der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), die den Meridian betreibt. Auch Buchner, Werner Litza, Vorsitzender der Interkommunalen Lärmschutz-Initiative (ILI), sowie Fabian Amini, technischer Geschäftsführer der BOB, waren dabei. Man steht seit 2012 im Dialog. Zwar hat sich seitdem einiges getan. Am Ende ihrer Ziele ist die ILI aber noch lange nicht.

Es geht dabei um Meridian-Züge vom Typ Flirt, die der Mutterkonzern Transdev vom Hersteller Stadler kaufte. Die Strecke München-Rosenheim nahm der Meridian im Dezember 2013 in Betrieb.

Ein Problem sind Geräusche, die Kompressoren am Dach produzieren. Der Luftdruck müsse stets im richtigen Maße vorhanden sein, erklärt Amini. Das sei etwa für die Bremsen wichtig. Aber auch für Klima- und Heizanlagen, die nachts oft laufen, damit Züge morgens schneller in Gang kommen und Schäden ausbleiben, ergänzt Litza. „Das Fahrzeug muss Überdruck durch ein Ventil ablassen“, sagt Amini. Das erzeuge ein lautes Geräusch.

Man habe inzwischen – so wie vor über einem Jahr vereinbart – eine Schalldämpfer-Lösung an allen 33 Triebfahrzeugen angebracht, sagt Amini. Es handle sich um Silicon-Schläuche, die am Überdruck-Ventil andocken. Der Schall werde gedämpft und abgelenkt. Die Lärmbelastung sinke um acht Dezibel. „Die Kosten haben wir auf unsere eigene Kappe genommen.“ Sie bewegen sich im fünfstelligen Bereich.

Für Verwunderung sorgte eine weitere Nachrüstung – denn die ILI wusste nichts von dem Problem. „Ich war überrascht, dass dieser Modus davor nicht aktiviert war“, meint Litza. Es geht um den Standby-Modus P2, einen reduzierten Betriebszustand, der beim Abstellen der Züge läuft. Dabei kann man auf gewisse lärmverursachende Funktionen verzichten.

Wie Amini bestätigt, ist der Modus erst seit 1. Juli in Betrieb. „Das hätte vom Hersteller Stadler schon so geliefert werden müssen“, glaubt Litza. Amini widerspricht. Grundsätzlich seien die Voraussetzungen vorhanden gewesen. „Aber wir haben den P2-Modus nicht genutzt, weil es in Kombination mit anderen Funktionen zu Störungen kam.“ Bekanntlich habe man „einige Anlaufschwierigkeiten“ mit den Fahrzeugen gehabt. „Jetzt läuft alles so weit stabil.“ Kosten für die P2-Aktivierung musste die BOB nicht stemmen.

Die ILI pocht auf weitere Maßnahmen. „Die Verkleidung der Kompressoren wäre wünschenswert“, sagt Litza. „Das prüfen wir“, meint Amini. „Ich bin aber eher pessimistisch.“ Denn es wäre ein Eingriff auf die Fahrzeugmaße, was Zulassungs-Probleme mit sich bringen könnte.

Eine größere Lärmquelle: „Wenn die Züge morgens aufgeweckt werden, werden sie technisch durchgeprüft“, so Litza. Die Mitarbeiter testen die Signalhörner. Das sei Vorschrift. Zwar verstehe die ILI, dass das zur Wahrung der Sicherheit nötig ist. „Aber 30 Meter vom Schlafzimmer entfernt und bis zu sieben Mal nacheinander“ sei heftig. Laut Amini will die BOB in Erfahrung bringen, inwieweit man die Signale zeitlich und und örtlich verlagern kann.

In drei Monaten gibt es wieder ein Treffen, sagt Litza. Die Gespräche waren bisher konstruktiv, findet Amini. „Das Engagement der Meridian-Verantwortlichen schätzen wie sehr“, beteuert Litza. „Es zeigt, dass sie die Themen ernst nehmen.“ Trotzdem seien die Schläuche nur ein erster Schritt auf einer längeren Etappe. Amini signalisiert Bereitschaft. „Wir halten die Lärmvorschriften laut Gutachten zwar ein“, betont er. „Trotzdem wollen wir gerne besser werden.“

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