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223 Ecstasy-Pillen soll ein Holzkirchner (21) an den Mann gebracht haben. Beweise gab‘s allerdings wenig.

Trotzdem verurteilt

Keine Beweise: Holzkirchner (21) soll Ecstasy verkauft haben

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Ein Holzkirchner soll mit Ecstasy gedealt haben. Die Anklage hatte dafür nur die Aussage eines anderen Dealers. Trotzdem wurde er am Ende einer spannenden Verhandlung verurteilt.

Holzkirchen – Gleich drei Tatvorwürfen sah sich ein 21-jähriger Holzkirchner am Mittwoch vor dem Miesbacher Amtsgericht ausgesetzt: Er soll Ende Februar 2016 300 Ecstasy-Tabletten an einen flüchtigen Bekannten verkauft, ein Butterfly-Messer besessen und in der Münchner Nobeldisko P1 randaliert sowie im Anschluss daran Beamte beleidigt haben. Die letzten beiden Vorwürfe räumte der Angeklagte ein, den ersten bestritt er. Das Schöffengericht um den vorsitzenden Richter Klaus-Jürgen Schmid hatte damit einen Indizienprozess vor sich.

Es gab nur eine Aussage - von einem verurteilten Dealer

Bei der Verurteilung wegen des angeblichen Ecstasy-Deals verließ sich das Gericht hauptsächlich auf die Aussage des Käufers, ein 22-jähriger Münchner, der inzwischen rechtskräftig verurteilt ist. Laut dessen Aussage hatten sich er und der Angeklagte flüchtig aus der Party-Szene gekannt. Dass die Möglichkeit besteht bei dem Holzkirchner Ecstasy in größeren Mengen zu kaufen, sei bekannt gewesen. Mithilfe des Messenger-Dienstes Telegram habe man ein Treffen an der Tramstation am Münchner Ostbahnhof vereinbart, wo der Münchner 1200 Euro für die Pillen bezahlt hatte. Ein Schnäppchen angesichts des Straßenverkaufswerts von zehn bis 15 Euro je Tablette. Allerdings erhielt der Käufer nicht wie besprochen 300, sondern lediglich 223 Pillen. Zum Glück für den Holzkirchner, der somit nicht für eine „nicht geringe Menge“ belangt werden konnte.

Chatnachrichten hatten sich selbstzerstört

Aufgegriffen wurde der Käufer einige Zeit später beim Verkauf der Pillen, wo er allerdings nur einen Bruchteil bei sich hatte. Bei der anschließenden Vernehmung bezichtigte er dann den Angeklagten des Verkaufs. Ob dies tatsächlich so war, das ließ sich nicht mehr nachvollziehen. Die Auswertung des Mobiltelefons des Angeklagten verlief ergebnislos, auch deswegen, weil sich Nachrichten bei Telegram – wenn gewünscht – selbst zerstören. Aufschluss über eine Verbindung der beiden lieferte dann das Handy des Käufers, in dem die Nummer des Verkäufers und ein Whatsapp-Chatverlauf gespeichert waren.

Hausdurchsuchung: ergebnislos

Auch mittels Hausdurchsuchungen sowohl beim Käufer als auch beim Verkäufer konnten die Beamten den Ablauf der Transaktion nicht rekonstruieren. Stattdessen kamen beim Käufer die übrigen Pillen sowie weitere Ecstasy-Tabletten und LSD zum Vorschein. Beim Verkäufer förderte die Durchsuchung dagegen keine Drogen zu Tage – dafür ein verbotenes Butterfly-Messer. Eine zweite Hausdurchsuchung beim Holzkirchner am Dienstag sorgte lediglich für Lacher im Gerichtssaal. „Sein Zimmer war noch immer nicht aufgeräumt“, scherzte ein Polizeibeamter im Zeugenstand.

An den Vorfall im P1 erinnerte sich der Angeklagte nur noch bruchstückhaft, räumte aber ein, dass es sich durchaus der Anklage entsprechend zugetragen haben könnte. Demnach soll der Holzkirchner am 24. September des vergangenen Jahres nach einem Wiesn-Aufenthalt im P1 weitergefeiert haben. Als er beim Verlassen des Clubs seine Jacke nicht wiederfinden konnte, kam es zu Streitigkeiten infolge derer er die Disko verlassen musste. Wutentbrannt soll der stark alkoholisierte 21-Jährige daraufhin einen Pavillon umgerissen haben, Gläser über eine Holzwand in den Innenbereich geworfen haben und anschließend die angerückten Beamten beleidigt und Widerstand geleistet haben. „Ich kann es mir selbst nicht erklären, was da in mich gefahren ist“, entschuldigte sich der Angeklagte vor Gericht. 

Da der 21-Jährige bislang ohne Vorstrafen ausgekommen war und noch bei seiner Mutter lebt und von ihr mitfinanziert wird, entschied das Gericht, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Das Schöffengericht verurteilte den Holzkirchner zu einem dreiwöchigen Arrest. „Jeder Erwachsene hätte dafür eine Freiheitsstrafe auf Bewährung bekommen“, betonte Schmid.

hb

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