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Begehrt: Tagesmutter Gertraud Zellermayer kann sich vor Anfragen kaum retten.

 Kinderbetreuung in Holzkirchen

Mangelware Tagesmutter

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Familiäre Atmosphäre, flexible Betreuungszeiten: Holzkirchner Tagesmütter sind enorm gefragt. Dagegen tut sich derNaturkindergarten in Föching schwer, alle Plätze zu besetzen: Seine Öffnungszeiten sind zu kurz.

Wer sein Kind von Tagesmutter Gertraud Zellermayer betreuen lassen will, hat schlechte Karten: „Ich bin bis September 2021 belegt“, sagt die Großhartpenningerin, die fünf Kinder betreut. Einer ihrer Schützlinge tritt im September zwar in den Kindergarten über, sein Platz ist aber schon für ein Geschwisterkind reserviert. „Die Nachfrage ist riesig“, sagt die 48-Jährige. Vor allem im Mai bekomme sie viele Anrufe – dann wenn die Holzkirchner Kitas ihre Absagen verschicken. Wie berichtet fehlen der Gemeinde circa 20 Betreuungsplätze. Auf der Warteliste stehen derzeit etwa 15 Kinder.

Bei Zellermayer melden sich außerdem zahlreiche Eltern, die ihre Arbeit wieder aufnehmen müssen, sobald das Kind ein Jahr alt ist. „Die können nicht bis September warten, die brauchen im laufenden Betreuungsjahr einen Platz.“

Zellermayer ist eine von insgesamt sieben Tagesmüttern in Holzkirchen. Bei ihren Kolleginnen sieht es nicht besser aus. Jennifer Bragagna etwa sagt: „Allein in den vergangenen drei Wochen musste ich fünf Elternpaare ablehnen, das Angebot reicht hinten und vorne nicht.“ Die gelernte Erzieherin vermutet, das liegt auch daran, dass viele Eltern die familiäre Atmosphäre bevorzugen. „Eine Tagesmutter kann individueller auf die Kinder eingehen. In der Krippe ist alles straff organisiert.“ Ein Vorteil der Kita dagegen sei, dass die Kinder auch dann betreut werden könnten, wenn eine Erzieherin ausfalle. „Wird die Tagesmutter krank, ist keine Betreuung möglich“, sagt die 47-Jährige.

Die meisten Eltern aber brauchen schlicht einen Betreuungsplatz – egal ob bei Tagesmutter oder in der Kita. „In Holzkirchen sind viele Firmen ansässig, und München ist nah. Daraus ergibt sich, dass besonders viele berufstätige Mütter hier leben“, sagt Bragagna. Sie betreut über die Woche verteilt acht Kinder, darunter zwei Schulkinder. „Die haben keinen Hort-Platz bekommen.“ Die meisten Eltern holten ihre Kinder um 15 Uhr ab, es gebe aber auch Familien, die eine längere Betreuung brauchten.

Bragagnas Kollegin Gertraud Zellermayer betreut ihre Schützlinge derzeit bis 16 Uhr. „Ich habe auch zwei Kindergartenkinder. Deren Eltern sind die Öffnungszeiten im Hartpenninger Kindergarten einfach zu kurz“, sagt sie. Der Hartpenninger Kindergarten schließt um 13.30 Uhr.

Genau wie der Naturkindergarten „Die Dorfspatzen“ in Föching. Die Einrichtung hat Schwierigkeiten ihre 25 Plätze zu besetzen – derzeit sind nur 22 Plätze belegt. „Viele Eltern suchen gezielt einen Ganztagsplatz“, erklärt Annika Walther, Sprecherin der Gemeinde Holzkirchen, in deren Trägerschaft „Die Dorfspatzen“ sind.

Laut Walther habe es immer wieder Pläne gegeben, die Kindergärten in Föching und Hartpenning länger zu öffnen. „Nach einer konkreten Prüfung scheiterte das aber letztendlich an den räumlichen Gegebenheiten, die für die Bereitstellung des Mittagessens und für längere Arbeitszeiten des Personals notwendig wären.“

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