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Die Anwohner der Kindergartenbrücke hoffen auf eine Behelfsbrücke, bis sich eine endgültige Lösung abzeichnet, mit der die klaffende Wunde in Holzkirchens Mobilitätsnetz geschlossen werden kann. 

Kindergartenbrücke Holzkirchen

Anwohner wollen Brücke zur Miete

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Wo einst die Kindergartenbrücke war, gähnt seit Dezember ein Loch. Anwohner schlagen nun vor, eine Behelfsbrücke zu mieten.

Holzkirchen - Eigentlich war Andreas Hau nicht in Sachen Brückenbau auf der Messe Bauma, die im April in München stattfand. Der Koch lieferte im Auftrag einer Catering-Firma Speisen von der Münchner City zur Messe – und staunte nicht schlecht, als auf seinem Weg über die A94 nahe Feldkirchen-West plötzlich eine Brücke die Autobahn überspannte. „Hey, die war doch vorher nicht da, hab’ ich mir gedacht“, erzählt Hau. „Und nach der Bauma war die Brücke auf einmal wieder weg.“

Tatsächlich hat die Messe München für die Dauer der siebentägigen Bauma eine 115 Meter lange Fußgängerbrücke über die A94 spannen lassen. Die Montage erfolgte in nur einer Nacht. Die Stahlkonstruktion sollte Messebesucher vom Busbahnhof auf der anderen Seite der Autobahn auf kurzem Weg zum Messegelände bringen.

„Fußgängerbrücke wurde intensiv genutzt“

In Haus Hirn begann es zu rattern. Wenn sich über Nacht eine temporäre Brücke über die Autobahn schlagen lässt, müsste sich doch auchder demontierte Kindergartensteg in Holzkirchen auf diese Weise ersetzen lassen. Hau wohnt in der Nähe der abgebauten Fußgängerbrücke – und vermisst sie. „Die Brücke wurde intensiv genutzt von jedem, der zwischen Ortskern und dem Bereich der Industriestraße unterwegs war“, sagt der Holzkirchner.

Auch seine Nachbarn wünschen sich einen schnellen Wiederaufbau. Zum Beispiel Felix Hanzo, der nicht mehr gut zu Fuß ist. „Ich werde heuer 90 Jahre alt. Die Brücke war die einige schnelle Verbindung in den Ortskern“, klagt er. Genauso geht es Werner Toepel (87), der auf zwei Gehstöcke angewiesen ist: „Wenn ich jetzt zum Markt gehe, funktioniert das nur mit erheblichem Mehraufwand. Ich wünsche mir, dass die Brücke schnell wiederaufgebaut wird.“

Wiederaufbau der Kindergartenbrücke dauert Anwohnern zu lange

Zwar zeichnet sich vor dem Hintergrund der Planungsvereinbarung für die Elektrifizierung der BOB (wir berichteten) ein Wiederaufbau der Kindergartenbrücke ab, doch die Anwohner finden, das dauert zu lange. „Bis dahin brauchen wir eine Behelfslösung“, sagt Andreas Hau.

Der Holzkirchner erkundigte sich bei der Geschäftsleitung der Messe München nach der Brücke über die A94. Sie stammt von der niederländischen Firma Janson Bridging, die auf modulare Brückensysteme spezialisiert ist. Ihr Kerngeschäft ist die Herstellung und Vermietung von Brücken auf Zeit, die bei Überschwemmungen, Baumaßnahmen, Events oder in Krisengebieten zum Einsatz kommen. Sie bestehen aus einzelnen Stahlelementen, die binnen eines Tages nach dem Baukastensystem montiert werden können.

Geländer könnten an Werbekunden vermietet werden

Kurzerhand holte Hau ein Angebot ein. Demnach kostet der Aufbau einer 24 Meter langen und zwei Meter breiten Fußgänger- und Radlerbrücke über die Bahngleise circa 21.500 Euro netto, der Abbau 15.000 Euro. Pro Monat fallen außerdem Mietkosten in Höhe von 1750 Euro an. Die Mietkosten, meint Hau, könnte man reduzieren, indem man das Geländer an Werbekunden vermietet. „Wie die Bande im Eisstadion.“

Hau übergab das Angebot Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Er wird derzeit von Bürgermeisterin Elisabeth Dasch vertreten. Sie erklärte: „Wir setzen alles daran, wieder eine Fuß- und Radwegeverbindung über diese Brücke herzustellen. Da uns die Wichtigkeit dieser Verbindung durchaus bewusst ist, ziehen wir sowohl die Lösung durch eine Behelfsbrücke als auch einer endgültigen Brücke in Betracht.“ Die Kosten-Nutzen-Analyse stehe dabei im Fokus. „Nach ersten Einschätzungen gehen wir davon aus, dass die Mietkosten für eine Behelfsbrücke bei einer kurzen Mietdauer verhältnismäßig hoch sind.“

Varianten werden geprüft - nach Sommerpause sollen erste Ergebnisse stehen

Laut der Leiterin der Standortförderung, Eva-Maria Schmitz, sind für Planung und Bau der Brücke rund 400.000 Euro im Haushalt 2019/2020 berücksichtigt. „Wie durch die Haushaltsansätze ersichtlich, hat die Verwaltung den Auftrag, eine Lösung bis Ende des Haushaltsjahres 2020 zu schaffen“, teilte Schmitz mit. Derzeit prüfe das Bauamt-Technik verschiedene Varianten. Nach der Sommerpause sollen dem Marktgemeinderat erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Die Anwohner indes sind skeptisch: „Es wird immer nur geplant und geprüft“, sagt Susanne Nowak (80). Wichtig sei, dass schnell gehandelt werde. „Für die Geothermie hat man doch auch gehandelt. Nur wenn es um die Anliegen der Bürger geht, dann zieht es sich ewig hin.“ Anwohnerin Katja Kuschl versteht nicht, warum man sich nicht schon Gedanken über eine neue Brücke gemacht hatte, als sich abzeichnete, dass die alte marode werden würde. „Die Brücke war der einzig sichere Weg zum Kindergarten“, sagt die Mutter einer Dreijährigen. Jetzt müsse sie über die Bahngleise am Valleyer Weg. „Das ist eine gefährliche Strecke. Meine Tochter wäre neulich fast angefahren worden.“

Anwohnerin Brigitte Fuchs gibt zu bedenken, dass die Bewohner des Altenheims mit ihren Rollatoren auf die Brücke angewiesen seien. „Der Weg über die Rosenheimer Brücke ist für sie zu weit.“ Eine Behelfsbrücke zur Miete bis zum Bau einer neuen Brücke sei nicht zuletzt für Senioren eine Erleichterung.

Schleppender Wiederaufbau der Kindergartenbrücke

Die sogenannte Kindergartenbrücke für Fußgänger und Radler verband bis Mitte Dezember 2018 den Ortskern mit dem Bereich der Industriestraße samt Kita Frühlingsdorf und Gewerbegebiet-Ost. Sie war außerdem Teil des Holzkirchner Radlrings. 

Weil die Stabilität der marode gewordenen Holzkonstruktion nicht mehr gewährleistet war, ließ die Gemeinde die Brücke demontieren. Der intensiv genutzte Steg soll zwar wiederaufgebaut werden, hing aber bislang im Bürokratie-Dschungel fest: Wegen der geplanten Elektrifizierung der Bahn müsste die neue Brücke über die Gleise höher sein, damit die Oberleitung drunter passt. Das verursacht Mehrkosten, die Holzkirchen gern von der DB Netz erstattet haben will. Die Bahn verwies darauf, dass die BOB-Elektrifizierung nicht im Eisenbahnbedarfsplan auftauche und deshalb nicht zuschussfähig sei. 

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer könnte das ändern, braucht dafür aber die offizielle Rückendeckung der Bayerischen Staatsregierung. Im Zuge der Planungsvereinbarung zur Elektrifizierung der BOB hat die Staatsregierung nun offenbar Zustimmung signalisiert. 

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