Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Miesbach wurde ein Holzkirchner verurteilt, der kinderpornografisches Material hortete und weiterverbreitete.
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Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Miesbach wurde ein Holzkirchner verurteilt, der kinderpornografisches Material hortete und weiterverbreitete.

Kinderpornografie: Haftstrafe für Holzkirchner

Er hat über Jahre eine Vielzahl Kinderpornos gehortet und mehrmals im Internet geteilt. Am Schöffengericht wurde ein Holzkirchner nun zu einer Haftstrafe verurteilt.

Holzkirchen – Verbreitung, Drittbesitzbeschaffung und den Besitz kinderpornografischer Schriften in vier Fällen warf die Staatsanwaltschaft dem 47-Jährigen vor. Im Juni 2018 soll der Holzkirchner auf einer Filesharing-Plattform im Internet anderen Nutzern 21 Dateien kinderpornografischen Materials zur Verfügung gestellt haben. Nur rund eine Woche später und abermals im Juli 2018 soll der Holzkirchner über ein Chatprogramm erneut kinderpornografisches Material verbreitet haben. Beide Male zeigten die Videos ein etwa zehnjähriges Mädchen. Dabei soll der 47-Jährige unter seinem echten Namen agiert haben. Im Januar 2019 fand deshalb eine Wohnungsdurchsuchung bei dem Holzkirchner statt. Dabei fanden die Beamten mehr als 1000 Bilder und knapp 500 Videos mit kinderpornografischem Material bei dem Angeklagten.

Der Angeklagte räumte den Sachverhalt über eine Erklärung seines Rechtsanwalts Bernhard Beer vollständig ein. Es habe bereits im Juli 2017 eine Durchsuchung bei seinem Mandanten stattgefunden, erklärte der Anwalt. „Die Sachen, die man damals bei ihm fand, hat er sich dann aber über eine Cloud wieder heruntergeladen – das war seine Sammelleidenschaft.“

Es habe für ihn einen gewissen Reiz gehabt, sich diese Filme von Minderjährigen herunterzuladen und anzusehen, gab der Angeklagte selbst zu. Es sei sein „fester Plan“ gewesen, als erstes Erfolgserlebnis im Rahmen einer Therapie „alles zu vernichten“, was jedoch gescheitert sei.

Dass ihm die Polizei irgendwann auf die Schliche kommt, hätte dem Mann klar sein müssen. „Es war kein strukturiertes Ablagesystem, nichts war verschlüsselt“, erklärte ein Sachverständiger, dessen Aussage Richter Walter Leitner vor Gericht verlas. Zeugen lud das Gericht nicht zum Prozess. Ein weiterer Sachverständige gab in einer schriftlichen Erklärung zu Protokoll, dass es bei dem Holzkirchner seit 2008 zu insgesamt vier Beschlagnahmungen gekommen sei. Der heute 47-Jährige sei „pädophil sowie sexuell auf junge Mädchen orientiert“. Die Bewährungshelferin des Holzkirchners war der Auffassung, „dass er vieles gerne bagatellisiert“, beschrieb ihn aber auch als „zuverlässig, gesprächsbereit und kooperativ“. Auch zeige der 47-Jährige den Willen, sich ändern zu wollen. „Wenn mir heute irgendwie noch kinderpornografisches Material geschickt wird, dann lösche beziehungsweise blocke ich alles sofort“, versuchte der Holzkirchner zu versichern.

Hinter jedem Bild oder Video steckt ein Missbrauch

„Kein Mensch hat sich seine Sexualpräferenz ausgesucht“, führte der Staatsanwalt aus. „Deshalb kann man einen Menschen auch nicht dafür verurteilen, wenn er pädophil ist.“ Sehr wohl aber für die „massiven, schweren Taten“, wie sie der Holzkirchner begangen hat: Hinter jedem einzelnen Bild oder Video stecke der Missbrauch eines Kindes. „Und Sie haben da sogar Material besessen, das fast schon Spielfilmlänge hatte“, hielt der Staatsanwalt fest.

Weil der Holzkirchner bereits zwei einschlägige Vorstrafen hat und 2018 schon eine zweijährige Haftstrafe auf fünf Jahre Bewährung kassierte, war eine weitere Bewährung keine Option mehr. Der Staatsanwalt forderte für den 47-Jährigen drei Jahre und drei Monate Haft für die Verbreitung im Jahr 2018, plus ein Jahr für den 2019 nachgewiesenen Besitz. „Was bringt’s, wenn er vier Jahre ins Gefängnis geht?“, wandte Verteidiger Beer ein, der dem Staatsanwalt grundsätzlich zustimmte. Er plädierte stattdessen auf eine Maßregel der Besserung und Sicherung.

Eine Gefängnisstrafe war aber auch in den Augen von Richter Leitner unausweichlich. Er verurteilte den Holzkirchner zu zwei Jahren und sechs Monate Haft für die Taten von 2018, plus ein Jahr Haft auf Bewährung für die Tat aus dem Jahr 2019. Leitner sprach von „etlichen Stunden Kinderpornografie-Material“, welches der 47-Jährige besaß. Schier fassungslos ergänzte der Richter: „Und das haben Sie Nutzern weltweit zur Verfügung gestellt.“

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Philip Hamm

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