„Das ist keine typische Kantine“: Betreiber Magdalena Klein und Philip Jaeger wollen mehr aus den Räumlichkeiten in der Bergfeldstraße 9 in Holzkirchen machen.
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„Das ist keine typische Kantine“: Betreiber Magdalena Klein und Philip Jaeger wollen mehr aus den Räumlichkeiten in der Bergfeldstraße 9 in Holzkirchen machen.

Pächter mit neuen Ideen

Kochkurse und Events in Kantine geplant

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Nicht nur die Coronakrise zwingt die Pächter zu neuen Ideen: Magdalena Klein und Philip Jaeger wollen eine Betriebskantine in Holzkirchen auch anderweitig nutzen.

Holzkirchen – Der Start mitten in der Coronakrise war schwer. Denn die meisten Mitarbeiter befinden sich im Homeoffice. „Darunter leiden Kantinen extrem“, sagt Magdalena Klein. Derzeit verkaufen sie und ihr Partner Philip Jaeger rund 70 Prozent weniger Essen als normal. Diejenigen, die noch ins Büro kommen, dürfen die Gerichte nicht vor Ort verzehren, sondern holen sich schnell die Take-away-Boxen. Es gebe einige Kantinenbetreiber, die zweigleisig fahren, berichtet die 30-Jährige. „In der Branche muss man flexibel und kreativ sein.“ Um in der Krise zusätzlichen Umsatz zu generieren, bieten die beiden – wie andere Kollegen auch – Menüs zum Abholen und Verschicken an. Gut lief die Superbowl Box, gefüllt mit Chicken Wings, Spareribs, Pulled Pork Burger und Kartoffelecken. „Das haben wir bis an die Schweizer Grenze verkauft.“

Leidenschaftliche Köche wollen Betriebskantine ausbauen

Doch für die Zukunft wollen die beiden mehr. Wegen Corona – und überhaupt. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, möchten Klein und Jaeger die Betriebskantine in der Bergfeldstraße 9 in Holzkirchen, die sie seit September 2020 betreiben, auch anderweitig nutzen.

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung nahm Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) das Thema kurzfristig von der Tagesordnung. Weil Rücksprachen mit dem Landratsamt ausstünden. Genaueres will Schmid auch auf Nachfrage im Moment dazu nicht sagen.

Klein und Jaeger – auch privat ein Paar – sind schon gut zehn Jahre in der Branche. „Wir sind beide leidenschaftliche Köche“, sagt Klein. Die 30-Jährige ist zugleich Küchenchefin in der Fährhütte 14 in Rottach-Egern. Doch schon lange bestand bei beiden Weyarnern der Wunsch, sich selbstständig zu machen. Sie gründeten die Klein’er Geschmacks Jaeger OHG. Über einen Bekannten erfuhren sie von der Kantine in Holzkirchen – und griffen zu.

Unterstützung vom Verpächter

Laut Klein sind 16 Firmen, darunter Klinge Pharma, in dem Gebäude ansässig. Die beiden Köche – die in Holzkirchen selbst am Herd stehen – haben ihren Pachtvertrag mit der Athos Service GmbH geschlossen, dahinter steht die Familie Strüngmann. „Unser Verpächter weiß von unseren Bestrebungen und unterstützt uns auch in diesen“, sagt Jaeger.

„Das ist keine typische Kantine“, meint Klein. Aus den Räumen lasse sich mehr machen. Die Ausstattung sei relativ neu und vom Feinsten. „Wir wollen da keine Partylocation machen.“ Aber wenn sie ihr Niveau halten möchten, müssten sie ein Zusatzgeschäft generieren. So wäre es schön, wenn mittags Externe dort essen dürften. Ferner planen sie Firmenfeiern, Kochkurse oder Genussabende, wobei 30 Leute bekocht werden. Hochzeitsfeiern würden die beiden dort ebenfalls begrüßen. Der Gastraum biete Platz für 150 Personen. Die Events sollen außerhalb der Bürozeiten stattfinden, also abends oder am Wochenende. Die erforderliche Gaststättenkonzession haben sie schon beantragt.

Knackpunkt sind die Stellplätze

Laut Landratsamtssprecherin Sophie Stadler müsste der Bauwerber bei der Gemeinde einen Bauantrag auf Nutzungsänderung stellen. Die Gemeinde würde dann das Einvernehmen erteilen oder versagen und das Ganze ans Landratsamt zur baurechtlichen Prüfung und Genehmigung geben. Es bestehe noch Abstimmungsbedarf, ein Antrag liege noch nicht vor.

Knackpunkt seien wohl die Stellplätze, sagt Stadler. Werden die Räume als Betriebskantine genutzt, bestehen ja bereits Parkplätze für die Mitarbeiter, die gleichzeitig Kunden der Kantine sind. „Möchte man die Kantine nun aber als öffentliche Gaststätte nutzen, benötigt man mehr Stellplätze für die zusätzlichen Gäste von außerhalb.“ Würden die Räume nur außerhalb der Dienstzeiten – also abends oder am Wochenende – öffnen, könnte man die vorhandenen Stellplätze für Externe verwenden. „Das Staatliche Bauamt könnte sich das vorstellen, wenn das Konzept schlüssig ist“, sagt Stadler. Die Gemeinde habe eine Stellplatzsatzung, die hier greift. Deshalb müsste sie ihr Einverständnis für dieses „Stellplatz-Sharing“ geben. Das Landratsamt warte nun ab, bis die sich die Kommune mit Konkreterem melde.

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