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Kochkurse und Küchenpartys in Kantine: Gemeinderat fällt Entscheidung mit Klärungsbedarf

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Von: Katrin Hager

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Im Gewerbegebiet Holzkirchen-Nord bei Föching wollen die jungen Betreiber einer Kantine ihr Geschäftsfeld erweitern. Das schmeckt nicht allen Gemeinderäten.
Im Gewerbegebiet Holzkirchen-Nord bei Föching (Archivbild) wollen die jungen Betreiber einer Kantine ihr Geschäftsfeld erweitern. Das schmeckt nicht allen Gemeinderäten. © Thomas Plettenberg

Kochkurse und Küchenpartys: Eine Kantine im Gewerbegebiet Holzkirchen-Nord will mehr als nur hungrige Mitarbeiter verköstigen. Fluch oder Segen? Die Fronten im Gemeinderat waren klar – das Ergebnis nicht: Bei der Abstimmung kam es zu einem Patt mit unklaren Folgen.

Holzkirchen – Corona hat den neuen Betreibern der Betriebskantine in der Bergfeldstraße 9 im Gewerbegebiet bei Föching den Start schwer gemacht: Die Mitarbeiter blieben überwiegend im Homeoffice, die Kantine sah Einbußen von 70 Prozent. Doch die Betreiber wollen nicht aufgeben: Magdalena Klein und Philip Jaeger wollen unter dem Namen „Kleiner Geschmacksjaeger“ auch Kochkurse und Küchenpartys anbieten oder Hochzeitsgesellschaften bewirten, außerhalb der Bürozeiten, an Einzelterminen ohne reguläre Öffnungszeiten. Für die erweiterte Nutzung in der Kantine beantragten sie eine Gaststättenkonzession. Das Landratsamt bat die Gemeinde daher um Stellungnahme.

Zwar sind Bedenken bezüglich der Stellplätze inzwischen ausgeräumt, weil eine Firma ihre außerhalb der Bürozeiten zur Verfügung stellen würde. Doch im Gemeinderat schlägt den Plänen auch Skepsis entgegen. Denn das Gewerbegebiet war als Technologiepark geplant – abgesehen von Betriebskantinen und einer Bäckerei als Nahversorger war Gastronomienutzung dort unerwünscht.

Im Bebauungsplan fand das jedoch keinen Niederschlag, wie Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) nun im Gemeinderat vorausschickte. Die Verwaltung hätte daher auch keine Bedenken gegen die weitergehende Nutzung, erklärte Doris Hötzendorfer vom Bauamt. Handlungsbedarf ergäbe sich nur, wenn der politische Wunsch besteht, die Gastronutzung in der Kantine auszuschließen – mit einer Änderung des Bebauungsplans 132. Entsprechend war die Beschlussvorlage für den Gemeinderat formuliert: Gefragt war die Entscheidung, „keine Änderung des Bebauungsplans Nr. 132 einzuleiten“, die die Gastronutzung untersagt.

Bereicherung oder Fluch für Gastronomie im Ort?

Michael Wohlschläger (CSU) erkannte Anlass für neue Geschäftsmodelle: „Der Arbeitsmarkt wandelt sich schneller als alles andere.“ Das geplante Angebot gebe es so in Holzkirchen nicht, deshalb sei auch keine Konkurrenz zur Gastronomie im Ort zu befürchten. „Ich sehe das eher als Bereicherung“, fand Sebastian Franz (CSU).

Ihr Fraktionskollege Albert Kraml warnte dagegen vor weiteren Anfragen. „Mir wäre am liebsten, Geschmacksjaeger würde sich im Ort ansiedeln.“ Sollten die kommen, könne man den Bebauungsplan immer noch ändern, sagte Hötzendorfer. Josef Sappl sen. (CSU) warnte vor „Mordsärger“ wie einst mit der als „Loch“ bekannten Disko durch Verschmutzungen und Lärm im Gewerbegebiet Ost. Ulrike Küster (Grüne) meinte: „Wir sollten die heimischen Gastronomen vor Konkurrenz mit günstiger Miete schützen.“

Es gehe einzig um Veranstaltungen in einer existierenden Kantine, wandte Dirk Kreder (FDP) ein. „Den Bebauungsplan zu ändern, weil der vorletzte Gemeinderat was anderes gemeint hat, als im Bebauungsplan steht, und weil einer es wagt, die Möglichkeiten des Bebauungsplans auszunutzen“ – das empfand Wolfgang Huber (SPD) als „Tüpferlscheißerei“.

Stimmenpatt spannt Kantinenbetreiber auf die Folter

Warum Beschlussvorlagen eigentlich positiv formuliert sein müssen, wie Geschäftsleiter Robert Haunschild noch kurz vor Abstimmung einwandte, erfuhr der Gemeinderat Augenblicke später eindrücklich: Sie endete mit einem Patt von 12:12 Stimmen. Und der Unklarheit, ob das auch bedeutet, dass der Bebauungsplan geändert werden soll. Haunschild wollte sich nach der Sitzung erst rückversichern. Die Kantinenbetreiber wurden auf die Folter gespannt.

Am Donnerstag war Haunschild im Bilde. Wie der Geschäftsleiter der Gemeinde auf Anfrage erklärt, ergebe sich aus dem Patt keine Handlungsanweisung, die Satzung zu ändern, denn auch dafür wäre eine Mehrheit erforderlich. Die Satzung lässt also weiter Gastronomie zu. Dem Gemeinderat wollte Haunschild die Lage am späten Donnerstagabend (Bericht folgt) erläutern. „Wir müssen schauen, was der Gemeinderat daraus macht.“

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ag

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