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In der Traglufthalle in Holzkirchen haben 320 Asylbewerber Platz. Um dieser großen Herausforderung gerecht zu werden, muss sich der Helferkreis Asyl neu aufstellen.

Consulting-Firma zu Rate gezogen

Verhaltenskodex für den Helferkreis

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Holzkirchen - Die Zahl ist eine Herausforderung: 320 Asylbewerber ziehen ab 18. April in die Holzkirchner Traglufthalle. Der Helferkreis Asyl stellt sich deshalb neu auf – und hat dafür professionelle Hilfe von einer Consulting-Firma bekommen. Das Ergebnis ist ein Regelwerk für die Helfer.

Der Helferkreis Asyl in Holzkirchen kann sich sehen lassen: Über 100 Freiwillige engagieren sich. „Wir sind schon fast ein mittelständisches Unternehmen“, scherzt der Integrationsbeauftragte Franz Lutje. Doch eben auf freiwilliger Basis, ohne Bezahlung, ohne feste Hierarchien. Ohne einen Chef, der sagen kann, wo es lang geht. „Alle Helfer meinen es gut“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis. „Aber es wird oft an zu unterschiedlichen Strängen gezogen.“ Genau das soll sich jetzt ändern. 

Mit einem Verhaltenskodex, einem Regelwerk, das Richtlinien vorgibt, an dem sich Mitglieder des Helferkreises orientieren können. Dieser wurde sogar mit professioneller Hilfe erstellt: Der ComTeam AG aus Gmund, die Veränderungsprozesse in Firmen und Organisationen begleitet. „Die haben sich um die Methodik gekümmert“, sagt Lutje. Hintergrund ist laut Lutje die Traglufthalle im Moarhölzl, in die 320 Asylbewerber einziehen. Die ersten kommen voraussichtlich am 18. April. Diese große Zahl sowie der gewachsene Helferkreis machten eine Umstrukturierung nötig. „Damit kein Chaos entsteht.“ 

Für ComTeam ist es der erste Helferkreis Asyl. Allerdings nicht die erste Non-Profit-Organisation, erklärt Martin Gros, Geschäftsbereichsleiter Consulting bei ComTeam. Er leitet die Ausbildung in der angeschlossenen Akademie, in der meist Firmenangestellte praxisorientiert geschult werden. Einer dieser Kurse übte nun am Realbeispiel Helferkreis. Der Kontakt entstand über Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch. Im Vorfeld gab es Gespräche. Bei einem Workshop im Föchinger Hof wurde es jetzt konkret. „Alles waren begeistert“, meint Lutje. Gekostet hat es nichts. „Es war eine Win-Win-Situation“, findet Gros. 

Auch Gros erkennt bei ehrenamtlichen Teams spezielle Herausforderungen. „Da die Machtkonstellation unklarer ist.“ Im Fall Helferkreis ging es vor allem um den respektvollen Umgang mit Asylbewerbern und darum, Aufgaben klar zu definieren und zu verteilen, um effizienter zusammenarbeiten zu können. 

Lutje nennt ein Beispiel. Ein Asylbewerber, der Hilfe braucht, spreche viele Helfer an. „Dann rennen alle los.“ Weil sie nichts voneinander wissen. Eine Verschwendung von Kapazitäten. Umso klarer soll künftig die Arbeitsaufteilung sein, umso schärfer die Trennlinie zwischen den Gruppen innerhalb des Helferkreises. 

Braucht also ein Flüchtling einen Job, soll der Helfer aus der Sprachgruppe ihn an die Kollegen von der Arbeitsvermittlung verweisen und so weiter. 

Gestärkt wird dies durch den Fakt, dass das Landratsamt die Traglufthalle in Sektionen einteilt, die durch Farbcodes gekennzeichnet werden, erklärt Lutje. Die Betreuer werden in Teams gruppiert und je einer Farbe zugeordnet. 

Ein weiterer Punkt, der in dem Kodex auftaucht: „Man muss den Asylbewerbern auf Augenhöhe begegnen“, sagt Lutje. „Es soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wir sind nur Brückenbauer.“ Manche Helfer würden es gelegentlich übertreiben, die Flüchtlinge „überbemuttern“, gar Besitzansprüche stellen. 

Genau das werde nun dadurch verhindert, dass die Helfer in der Traglufthalle nicht mehr in den Wohnbereich der Asylbewerber dürfen, lediglich in die Lounge. Der Security-Dienst überwacht die Ausgänge – rein darf nur, wer einen Helferausweis besitzt und auf einer Liste steht. In der Container-Unterkunft an der Erich-Kästner-Straße sollen Helfer nur noch auf Wunsch der Flüchtlinge in die privaten Räume gehen. Auf die Hygieneverhältnisse in der Traglufthalle habe das Landratsamt ein Auge, nicht der Helferkreis. 

Außerdem gibt es eine Anleitung, wie man mit Kulturen sensibel umgeht. Wenn etwa ein Mann einer Frau aus bestimmten Kulturkreisen die Hand hinstreckt und „Griaß Di“ sagt, könne er nicht unbedingt eine Reaktion erwarten. Ein Händedruck wäre da oft schon ein sexuelles Zugeständnis, meint Lutje. 

„Wir wollen die Leute nicht ausbremsen“, betont Lutje, „aber ihr Engagement in die richtigen Bahnen lenken.“

Von Marlene Kadach

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