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„Wir sind dran“: Die Integrationsbeauftragten Maria Korell (v.l.) und Franz Lutje, Bürgermeister Olaf von Löwis, Professor Dr. Claudia Ueffing von der Hochschule in München und Eva Krause (Integrationsbeauftragte) stellten den Helfer-Kodex-Asyl jetzt im Holzkirchner Rathaus vor.

Wegen Traglufthalle erstellt

Kodex für Helferkreis Asyl

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Holzkirchen - Er gibt Regeln für den Umgang mit Asylbewerbern und die Zusammenarbeit innerhalb des Helferkreises vor. Die Gemeinde Holzkirchen ließ einen Helfer-Kodex-Asyl erstellen. Jetzt wurde er vorgestellt.

Der Helferkreis Asyl in Holzkirchen ist seit gut zwei Jahren im Einsatz. 100 Leute engagieren sich. Anfangs lief alles prima, dann kamen Situationen, mit denen keiner gerechnet hatte, erzählt die Integrationsbeauftragte Maria Korell. Es gab mal Streit in den Unterkünften und im August 2015 eine Krise. Damals schlugen Asylbewerber ein Protestlager am Marktplatz auf. Aber auch unter den Helfern gab es Ungereimtheiten. „Jeder hat andere Vorstellungen.“ Korells Kollege Franz Lutje meint: „Wir sind wie ein mittelständisches Unternehmen.“ Aber ohne einen Chef, der das Sagen hat. 

Im Sommer 2015 erfuhr die Gemeinde, dass sie eine Traglufthalle für gut 320 Asylbewerber bekommt, zusätzlich zu den 50 im Wohncontainer. Diese große Zahl ist eine große Herausforderung, findet Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). „Daher haben wir die bisherigen Strukturen auf den Prüfstand gestellt.“ 

Und so ließ die Gemeinde nun einen Helfer-Kodex-Asyl erstellen, der Regeln für den Umgang mit den Asylbewerbern und die Zusammenarbeit unter den Freiwilligen vorgibt. Bei einem Workshop erarbeitete man die Details mithilfe einer Consulting-Firma, der ComTeam AG aus Gmund, und von Professor Dr. Claudia Ueffing von der Hochschule in München. Jetzt wurde der Kodex im Rathaus vorgestellt. Die Helfer bekommen ihn alle zugeschickt. Wer unterschreibt, kriegt einen Ehrenamtsausweis, mit dem er in die Traglufthalle darf. Auch eine Haftpflichtversicherung wird abgeschlossen. Laut Lutje müssen die Helfer ferner ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Das sei auch in anderen Ehrenämtern nötig. 

Ein paar Auszüge aus dem Regelwerk: „Das Grundgesetz und die Menschenrechte sind die Basis meines Handelns“, heißt es. Man solle den Asylbewerbern mit Respekt und Toleranz begegnen und ihre Persönlichkeitsrechte achten. Hierzu zähle, dass Helfer Wohnbereiche nur auf Einladung betreten. Wichtig sei „eine ausgewogene Balance zwischen Nähe und Distanz“. Laut Lutje bauen manche Helfer eine starke Bindung zu den Asylbewerbern auf, was bei Abschiebungen schmerzlich sein kann. Daher brauchen sie einen gewissen Schutz. Die Freiwilligen sollen sich laut Kodex bewusst machen, dass manche nur ein vorübergehendes Bleiberecht haben. „Dies klammere ich auch nicht in Gesprächen aus, wecke keine falschen Hoffnungen und akzeptiere behördliche Entscheidungen“, heißt es. 

Zudem sollen Helfer den Flüchtlingen „unsere Kultur und Werte“ erklären und vorleben. „Dazu gehören insbesondere die Gleichbehandlung von Mann und Frau, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Fleiß und Recht.“ 

Sehr wichtig sei das Recht auf Daten- und Persönlichkeitsschutz. Nur mit schriftlichem Einverständnis der Asylbewerber werden Daten erhoben. Vertrauliche Infos seine mit Verschwiegenheit zu behandeln. 

Für die Zusammenarbeit untereinander gelte, dass Helfer nur für Aufgaben ihrer Arbeitsgruppe tätig werden. Die Freiwilligen wird außerdem empfohlen, das eigene Handeln zu reflektieren und Supervisions- und Weiterbildungsangebote wahrzunehmen. Auch die Hausordnung des Landratsamts in der Halle sei bindend. 

Für Löwis stellt der Kodex keine Bevormundung dar. Immerhin sei es der Wunsch der Helfer gewesen. Davon abgesehen sei es eine Botschaft nach außen, an diejenigen Bürger, die Ängste haben. Denen wolle man zeigen: „Wir sind an der Sache dran.“

Von Marlene Kadach

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