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Es schreibt Andreas Höger.

Was mich bewegt - unsere Kolumne zum Wochenende

Das perfide Spiel der „Besserwisser“

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Unser Autor Andreas Höger kocht vor Wut, nachdem er eine Pressemitteilung der AfD zur Tempo-70-Begrenzung am Moarhölzl gelesen hat. Unsere Kolumne zum Wochenende:

Das hat gerade noch gefehlt. Die Retter der Demokratie und der Gerechtigkeit, der deutschen Volksseele, ja des ganzen Abendlands – jetzt wollen sie auch noch Holzkirchen retten.

Denn wer hätte das geahnt: Der Partei AfD, neuerdings aus dem Bundestag grüßend, ist es zu verdanken, dass die Marktgemeinde darüber nachdenkt, am Moarhölzl um Tempo 70 zu kämpfen. Brieflich hatte der Kreisvorsitzende das Rathaus auf diese „Sicherheitslücke“ hingewiesen. Waren doch die Schilder abmontiert worden, als die Asylunterkunft am Moarhölzl verschwand. Die knappe Antwort aus dem Rathaus, dass man sich bei den zuständigen Stellen darum kümmere, Tempo 70 zurückzubekommen, stilisiert die AfD flugs als Erfolg. „AfD wirkt!“, tönt es unbescheiden aus einer wohlfeil formulierten Pressemitteilung. Und flugs wird es staatstragend: „Das Hinweisen auf Sicherheitslücken für unsere Bürger gehört zu den grundlegenden Aufgaben insbesondere oppositioneller Politik, was jedoch in den letzten Jahren aufgrund des Gleichklangs in unseren Parlamenten immer weniger erfolgte.“

Kein Witz, die meinen das so. In mir kocht der Staatsbürger. Diese Dreistigkeit, eine Tempobeschränkung aus der Ferne zur Sicherheitspolitik hochzujazzen. Diese Anmaßung, als hätten dies erfahrene Kommunalpolitiker vor Ort nicht schon lange vor ihnen gefordert. Natürlich ist es kein Zufall, dass diese „Retter“ ausgerechnet hier den Verkehrspolizisten spielen. Denn Tempo 70 wurde am Moarhölzl für die Sicherheit der damals nebenan wohnenden Flüchtlinge angeordnet. Und das kann ja nicht sein: Dass Flüchtlinge etwas „bekommen“, was anderen verwehrt bleibt. Es ist ein perfides Spiel.

Doch halt. Darf ich das? Meiner persönlichen Wut darüber, dass mich hier jemand für dumm verkaufen will, freien Lauf lassen? Muss ein Journalist nicht neutral sein, die Pressemitteilung bringen und es den Lesern überlassen, ob sie den Schmuh durchschauen?

Genau das hätten sie gern, die cleveren Populisten, die ihre gefährliche Denke unter Demokratie und scheinbar harmlosen Themen tarnen. Vielleicht nutzen sie diese Zeilen jettz sogar, um sich – Taktik B – als Opfer der Mainstream-Presse zu heroisieren. Dieses Risiko musste ich eingehen, die Wut war einfach zu groß.

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