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Im Sommerfeld will die Markgemeinde zwei Mehrfamilienhäuser errichten.

Kommunaler Wohnungsbau 

Wohnprojekt Neuerlkam: Erneute Kritik an hohen Kosten

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Die Gemeinde baut zwei Mehrfamilienhäuser in Neuerlkam. Dass der Preis schon wieder gestiegen war, ärgerte einige Gemeinderäte. Auf zusätzliche Maßnahmen wollen sie verzichten.

Holzkirchen – Es brennt am Wohnungsmarkt in Holzkirchen. Zur Linderung baut die Gemeinde aus der eigenen Kasse zwei Mehrfamilienhäuser für 15 Parteien samt Tiefgarage in Neuerlkam. Sie entstehen in massiver Holzbauweise und sind dank eines Aufzugs barrierefrei. Auf etwa 900 Quadratmetern Wohnfläche verteilen sich dann hauptsächlich Zwei- und Dreizimmerwohnungen sowie eine Einzimmerwohnung, die Wohnungsgrößen bewegen sich zwischen 42 und 60 Quadratmetern.

Planer Herbert Wagenpfeil vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Hausham und Kollege Daniel Pförtsch stellten nun in der Gemeinderatssitzung die Entwurfsplanung vor. „Baubeginn ist im Frühjahr 2018“, erklärte Pförtsch. Ein Jahr später soll alles fertig sein.

Vor allem sorgte ein Punkt für Unruhe: Die Kosten waren gestiegen – schon wieder. Von zuletzt rund 3,6 Millionen Euro in der Vorplanung auf jetzt gut 3,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Erhöhung von circa 3,9 Prozent. Laut einem Mitarbeiter aus dem Bauamt ist das die reguläre Folge einer detaillierteren Planung.

Zusätzlich dazu präsentierte das Büro Wagenpfeil mit Susanne Runkel von ATP Sustain noch einige Maßnahmen, die das nachhaltige Bauen weiter verbessern könnten – was aber nochmals mehr Geld schlucken würde. Unter anderem ging es um die Anbringung von E-Ladestationen und einer PV-Anlage, einen stärkeren Schallschutz zwischen den Wohneinheiten sowie um Wände, die leimfrei sind. Die Planer empfahlen zudem einen Kinderwagenabstellraum im Erdgeschoss.

Schon allein die Erhöhung auf 3,8 Millionen bereitete einigen Gemeinderäte Bauchweh, von den zusätzlich vorgeschlagenen Maßnahmen, wollte keiner so recht etwas wissen. Thomas Hünerfauth (SPD) fand, man müsse auf die Kostenbremse drücken, aber über eine Schalldämmung nachdenken. Hubert Müller (FWG) wunderte sich: „Wie ist es zu der zusätzlichen Planung gekommen?“ Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG) störte sich am Preis: Am Anfang hätten die Kosten bei 2,8 Millionen Euro gelegen, inzwischen seien sie um fast eine Million höher. „Mittlerweile ist das für mich ein Luxusbau“, schimpfte er.

Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) wehrte sich: „Es stimmt nicht, das ist kein Luxusbau“, sagte er. „Wir wollen so günstig wie möglich bauen.“ Trotzdem soll die Wohnqualität stimmen. Zusätzliche Dinge sollen nicht „aufgesattelt“ werden. Robert Wiechmann (Grüne) fand, dass es ausreiche, in massiver Holzbauweise zu bauen, ohne weiteren Schnickschnack. Leim in den Wänden sei Standard, kein Gift. Christoph Schmid (CSU) mahnte zur Rückbesinnung aufs Wesentliche: „Es soll kein ökologisches Musterhaus sein.“ Die „normale“ Holzbauweise reiche aus, der Kinderwagenraum im Erdgeschoss – der einer Wohnung Platz abgezwackt hätte – sei überflüssig, den könne man im Keller unterbringen. Genauso wenig hielt er von den E-Ladestationen. Als Zuckerl wünschte sich Schmid eine Holz-Alu-Konstruktion bei Fenstern.

Der Gemeinderat entschied sich mehrheitlich gegen Holz-Alu-Fenster und einen verstärkten Schallschutz, auch auf die weiteren Zusätze wurde verzichtet. Vorrüstungen für E-Ladestationen und PV-Anlage sind ohnehin vorhanden. Um keine Zeit zu verlieren, ermächtigte das Gremium den Bürgermeister dazu, dass er die Bauausführung bewilligen und die Bauleistungen erteilen kann, sofern der Preis nicht mehr als fünf Prozent über der Kostenberechnung liegt.

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