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„Es gab schon so viele Ideen“: CSU-Gemeinderat Meinrad Bacher aus Kleinhartpenning gehört zu den konventionellen Landwirten. Er ist zugleich Vorsitzender des Direktvermarkter-Vereins in Miesbach.

Öko-Modellregion

Konventionelle Landwirte üben Kritik

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Holzkirchen - Es soll ein Netzwerk werden, das die Zahl der heimischen Bioprodukte verdoppelt: Mit der Öko-Modellregion Miesbacher Oberland hat sich nun der Holzkirchner Gemeinderat beschäftigt. Einige aus dem Gremium fürchten, dass die konventionellen Landwirte auf der Strecke bleiben.

Meinrad Bacher ist schon lange im Geschäft. Der Landwirt aus Kleinhartpenning hält Legehennen in Bodenhaltung, inzwischen leben 3000 Hühner auf seinem Hof. Er betreibt konventionelle Landwirtschaft und ist Vorsitzender des Direktvermarkter-Vereins Miesbach, der seine Produkte auf Wochenmärkten in der Region feilbietet. „Seit 20 Jahren haben wir hier Direktvermarkter“, sagte der CSU-Gemeinderat nun. Inzwischen seien die Verkaufszahlen gut. Doch anfangs war es gar nicht so leicht, die Sachen an den Mann zu bringen. Er weiß, dass gut Ding Weile haben will. Es dauere, bis man eine Idee umsetzt. „Es gab schon so viele Ideen.“ Und jetzt kommt schon wieder eine neue hinzu: die Öko-Modellregion Miesbacher Oberland. Keine leichte Aufgabe. 

Diese hat Öko-Modellregionsmanagerin Marika Kinshofer, die derzeit durch alle Gemeinden im Landkreis tourt, um die Kommunen um eigene Projekt-Ideen zu bitten (wir berichteten), jetzt auch im Holzkirchner Gemeinderat vorgestellt. Doch hier hagelte es Kritik. 

Kinshofer erklärte, dass die Öko-Modellregion, die es seit Frühling 2015 im Miesbacher Oberland gibt, Teil des bayerischen Landesprogramms BioRegio Bayern 2020 sei. Ziel sei es, die Erzeugung bayerischer Ökoprodukte bis 2020 zu verdoppeln und den Importanteil an Bio-Produkten zu verringern – weil die Nachfrage bei Bio-Waren in Deutschland das Angebot übersteige. Im Landkreis wirtschaften 27 Prozent der Betriebe biologisch. „Der Umstellungsmotor war häufig die Wasserschutzzone der Stadtwerke München“, sagte Kinshofer. Aber auch hierzulande sei es wünschenswert, dass mehr Betriebe umstellen, dass man das Bewusstsein für Öko-Landbau und regionale Lebensmittel stärkt. Zwölf Projekte seien in der Bewerbung der Öko-Modellregion festgehalten. 

Robert Wiechmann (Grüne) hakte nach: „Was können wir als Kommune tun?“ Kinshofer meinte: „Schön wäre es, wenn die Gemeinde ein Projekt besonders unterstützt.“ Projekte wie die Schaffung von vielfältigen Blühflächen für Bienenhaltung und Biodiversität – so wie in der Gemeinde Warngau vorangetrieben – seien für Holzkirchen denkbar. Oder Genussrechte, so wie sie der Leitzachtaler Ziegenhof praktiziert. Hier treten Konsumenten als Investoren auf, statt Zinsen bekommen sie Lebensmittel. 

Martin Taubenberger (FWG), Landwirt aus Fellach, übte Kritik. „Ich höre nur noch öko und bio“, sagte er. „Aber es gibt viele konventionelle Landwirte, die qualitativ hochwertige Lebensmittel liefern. Wir haben auch Regionalität.“ Er selbst habe sich bewusst gegen Bio entschieden. Viele Kollegen, die umstellten, hätten keine andere Chance gehabt, sie stünden unter „der Knechtschaft der Stadtwerke“. Martina Unverdorben (FWG), Landwirtin aus Föching, nickte: „Ich habe noch nichts von Konventionellen gehört.“

 Kinshofer wehrte sich. Auch wenn die Öko-Modellregion auf den Bio-Trend abziele: „Es soll keine Abwertung für konventionelle Landwirte stattfinden.“ 

Auch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) intervenierte. „Eventuell gibt es Projekte, mit denen wir die Konventionellen unterstützen können.“ Vielleicht sei das der Holzkirchner Weg. Kinshofer betonte: „Konventionelle können sich an mich wenden.“ Es gebe Projekte, etwa Radltouren zu Erzeuger- und Verarbeiterbetrieben. 

Hans Putzer (SPD) riet dazu, „den Verbraucher nicht alleine zu lassen“ in dieser Flut von Siegeln und Marken. „Da kennt sich kein Mensch mehr aus“, pflichtete ihm Unverdorben bei. Kinshofer stimmte zu, dass es viele Label gebe, die Bioprodukte kennzeichnen. Sie gab auch Irmi Ammer (SPD) recht, die bezweifelte, dass der Begriff „regional“ geschützt ist. „Aber mit der Ökomodellregion ist definiert, dass es aus dem Landkreis Miesbach kommt.“ In einem Supermarkt könnte es ein Regal mit Produkten geben, die mit der Ökomodellregion markiert sind. 

Wiechmann plädierte trotz aller Kritik für die Ökomodellregion. „Die Wachstumszahlen im Biobereich sind gigantisch“, meinte der Grüne. „Hier müssen Märkte bedient werden.“ Jetzt ist es auch an der Marktgemeinde, sich etwas zu überlegen.

Von Marlene Kadach

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