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Pestizide versprühen sollen Landwirte nach Ansicht der Grünen nicht mehr. 

Kreisrat einstimmig für glyphosatfreien Landkreis

Halber Erfolg für Grünen-Antrag gegen Pestizide

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Die Holzkirchner Grünen wollen Pestizide von gemeindlichen Flächen verdammen. Ihren Antrag haben sie nur zum Teil durchbekommen. Dafür positioniert sich der Kreistag einstimmig gegen Glyphosat.

Holzkirchen – Sie haben einen schlechten Ruf, und ihre Auswirkungen sind umstritten: Pflanzenschutzmittel wollen die Holzkirchner Grünen von gemeindlichen Flächen verdammen. Mit einem entsprechenden Antrag hat sich nun der Gemeinderat in seiner Sitzung beschäftigt.

Wie berichtet, fordern die Grünen in ihrem Antrag, der Gemeinderat möge beschließen, dass auf gemeindeeigenen Flächen höchstmögliche Standards für den Schutz der Umwelt, Artenvielfalt und Menschen gelten. Daher soll auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden. Ferner soll die Gemeinde künftig beim Abschluss und der Verlängerung von Pachtverträgen auf diesen Verzicht bestehen. Auch auf gemeindeeigenen Waldflächen soll der Einsatz tabu sein – so wie es schon seit über 20 Jahren praktiziert werde. Die Begründung der Grünen: „Pestizide stellen eine Gefahr für unsere Umwelt und oft auch für unsere Gesundheit dar.“ Fraktionssprecher Robert Wiechmann ergänzte: „Es geht darum, ein Zeichen zu setzen.“ Und um eine politische Bestätigung, meinte sein Fraktionskollege Karl Bär. Das sei ein Imagegewinn, fand Wiechmann. Anlass des Antrags war ein Vorstoß von Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne), der alle landkreisweiten Einrichtungen angewiesen hat, auf Glyphosat und andere Wildkrautvernichter zu verzichten.

Nachdem der gemeindliche Bauhof laut Gemeinde seit einiger Zeit ohnehin keine Pestizide mehr verwendet – alternativ würden Geräte mit Heißwasser benutzt –, konzentrierten sich die Grünen nun auf Pachtverträge. Kämmerer Dominik Wendlinger gab zu bedenken, dass es schwierig werde, die Nutzung zu überprüfen.

Martin Taubenberger (FWG), selbst Landwirt, machte ein kritisches Gesicht. „Ich habe ein Problem mit dem Antrag.“ Er dachte vor allem an die konventionellen Landwirtschaftsbetriebe. Den Verzicht auf das Herbizid Glyphosat, dem krebserregende Wirkungen nachgesagt werden, hielt er für vertretbar. Aber ganz ohne Pflanzenschutzmittel gehe es im Ackerbau nicht. Wiechmann entgegnete: „Da muss keiner seinen Betrieb umstellen.“ Christoph Schmid (CSU) hielt den Verzicht von Glyphosat für gut, um die Artenvielfalt nicht zu gefährden. Dennoch mokierte er sich über den Antrag, er sei „ein Vorbote des Wahlkampfs“. Andere Töne schlug Irmi Ammer (SPD) an. „Unsere Fraktion trägt den Antrag mit.“ Birgit Eibl (FWG) erkundigte sich danach, wie viele Flächen und Pächter betroffen wären. Diese Frage jedoch konnte in der Sitzung nicht beantwortet werden.

Am Ende wurde der Antrag aufgesplittet: Für den Verzicht von Pflanzenschutzmitteln auf gemeindeeigenen Flächen, die der Bauhof bewirtschaftet, sowie auf Waldflächen stimmten alle einmütig. Dies beim Abschluss oder der Verlängerung von Verträgen in einer Klausel festzuhalten, hielt die Mehrheit hingegen nicht für sinnvoll.

Der Kreistag

befasste sich in seiner gestrigen Sitzung ebenfalls mit dem Thema. Das Ziel: ein glyphosatfreier Landkreis. Der Beschluss, auf den Einsatz von Glyphosat zu verzichten und andere zum Verzicht anzuhalten, fiel einstimmig.

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