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"Clown kann etwas Unheimliches haben" 

Expertin über Horror-Clowns: "Diese Leute gehen einen Schritt zu weit"

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Holzkirchen - Clowns mit gruseligen Masken erschrecken deutschlandweit Passanten zu Tode. Kulturmanagerin Ingrid Huber äußert sich im Interview zu dem Phänomen.

In den vergangenen Tagen häufen sich deutschlandweit die Vorfälle mit den Horror- und Gruselclowns. Ingrid Huber vom Kultur im Oberbräu hat von Berufs wegen immer wieder mit den klassischen, lustigen Clowns zu tun. Außerdem hat sie in der Vergangenheit Clown-Kurse für Kinder angeboten. Im Interview erklärt die 64-Jährige, warum auch ein lustiger Clown gruselig sein kann, was Menschen dazu bewegt, anderen Angst zu machen, und warum Humor besser ist als Horror.

Frau Huber, haben Sie schon einen Grusel-Clown gesichtet?

Huber: Nein, ich lebe ja auf dem Land, wo das eher unwahrscheinlich ist. Überhaupt hatte noch nie mit bösen, sondern immer nur mit positiven Clowns zu tun. Eine Begegnung fände ich aber sehr gruselig und unheimlich. Das Phänomen von Horror-Clowns hat aber rein gar nichts mit dem klassischen Clown zu tun. Für mich gehen diese Leute ganz klar einen Schritt zu weit.

Ingrid Huber Kulturmanagerin


Weil ein Clown nun mal Fröhlichkeit und gute Stimmung verbreitet?

Huber: So ist es. Außerdem beschäftig sich ein Clown auf der Bühne nur mit sich selbst. Er nimmt sich nicht ernst, gibt nie auf und macht immer weiter. Es geht immer irgendwie um positives Scheitern. Im Gegensatz zu den Grusel-Clowns ist das eine gesunde Sache. Beispielsweise können Kinder in der Rolle des Clowns über ihren Schatten springen und auch mal etwas ohne negative Folgen falsch machen. Uns wird ja schon in der Schule alles rot angestrichen, was falsch ist.

Aber es ist ja bekannt, dass auch ein lustiger Clown auf Menschen beängstigend wirken kann.

Huber: Sicher. Schon früher haben Zirkusclowns Kindern Angst eingejagt. Auch ich kann mich erinnern, dass ich als Kind manchmal eher reserviert und ängstlich auf Clowns reagiert habe. Und zwar dann, wenn sie überzeichnet und übermäßig geschminkt waren. Ein Clown kann also auch etwas Unheimliches an sich haben. Und wenn es jemand versteht, das auszunutzen, hat er gute Karten.

Was sind das für Menschen, die mit den Ängsten anderer spielen?

Huber: Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Es gibt tausend Gründe, warum man so etwas macht. Ein Auslöser könnte vielleicht sein, dass es vielen zu gut geht. Sie haben keine Existenzängste und kommen deshalb auf solche Ideen. Außerdem ist im Fernsehen und im Netz sehr viel Gewalt zu sehen. Möglicherweise finden solche Auftritte Nachahmer, wenn sie in der Zeitung stehen. Humor bringt uns auf jeden Fall weiter – Pathos und Tragik tun das sicher nicht.

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