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Noch steht der Laden leer. Doch Ende November soll in die Räume der ehemaligen Pizzeria Morina am Oskar-von-Miller-Platz eine Weinbar einziehen. Bis vor einigen Jahren war hier das Café Franz zu finden.

Auf Pizzeria folgt Weinbar

Ladensterben im Holzkirchner Ortskern - jetzt hat es den nächsten erwischt

Schon wieder hat im Holzkirchner Ortskern mit der Pizzeria Morina ein Geschäft zugemacht. Einen Nachfolger gibt es schon. Die Gemeinde beäugt die vielen Ladenschließungen mit Sorge.

Holzkirchen – Das Phänomen ist nicht neu: Im Holzkirchner Ortskern, vor allem rund um den Oscar-von-Miller-Platz, macht sich seit Jahren ein Geschäftesterben breit, die Fluktuation ist hoch (wir berichteten). Relativ kurz hintereinander sperrten Ella Young Fashion, Schuhlinse, Klangheimat, Juwelier Ernst, Schreibwarenhändler Hummelberger sowie Axel F Männermoden ihre Türen zu. Jüngst haben nun auch die Betreiber der Pizzeria Morina ihre Geschäfte niedergelegt.

In die dortigen Räumen wird Ende November wieder Leben einziehen: Eine Weinbar entsteht. Pächter Dirk Huffstadt (49) und seine Lebensgefährtin Irina Filippova (43) erfüllen sich mit dem neuen Laden einen Lebenstraum. Am 25. November eröffnen sie ihr Arte di Vino, eine Mischung aus Bar und Weinhandel. „Das Prinzip ist einfach“, erklärt Geschäftsführer Huffstadt. „Man kann bei uns Weine probieren und dann entweder bei uns eine Flasche zum direkten Verzehr ordern, oder auch mehrere Flaschen für daheim kaufen.“ Dazu gibt es Kleinigkeiten zum Essen. Käse, Schinken und wahrscheinlich jeden Tag ein warmes Gericht.

Auffällig ist, dass es ganz in der Nähe an der Münchner Straße mit Weinfachhandel Priller bereits ein großes und alteingesessenes Weingeschäft im Ortskern gibt. Hans Priller sieht der Eröffnung der Konkurrenz gelassen entgegen. „Anfangs werden sicher einige neugierig sein“, sagt er. „Ich denke aber, es ist Platz für alle, und wir zählen auf unsere Stammkunden, die auf unsere Beratung und unsere Qualität vertrauen“, so der 56-jährige Weinhändler. Weinhandel Priller gibt es schon seit 120 Jahren, Hans Priller übernahm ihn vor 30 Jahren und führt ihn gemeinsam mit seiner Frau Anita. Konkurrenz zum Weinhandel Priller sieht auch Huffstadt nicht. „Ich denke, die Konzepte sind sehr unterschiedlich, und es ist sicher genug Platz für alle.“

Die Gemeinde hat laut Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) generell keinen Einfluss auf die Belegung der Gewerbefläche, wenn deren Eigentümer Privatleute sind. Die Standortförderung und die Gemeindeverwaltung würden gerne strukturell helfen und Kontakt zwischen Interessenten und Vermietern herstellen. Oftmals werde die Gemeinde aber gar nicht, oder zu spät in einen Vermietungsprozess eingebunden. Und so gefällt der Kommune nicht immer, was in die Ladenflächen hineinkommt. Zum Beispiel seien einige Handyläden und Immobilienmakler auf dem Vormarsch.

Generell versuche die Gemeinde, den Einzelhandel gezielt zu fördern. Man stehe im Kontakt und helfe, wenn der Schuh drückt. Fachvorträge, die den Einzelhandel stärken, seien eine von vielen Maßnahmen. Löwis sieht dennoch, dass es auch Aufgabe des Unternehmers ist, sich mit seinem Geschäftsmodell auseinanderzusetzen. „Es gibt viele Gründe für Ladenschließungen und Fluktuation“, sagt er. „Oftmals hängt das auch mit persönlichen Umständen des Betreibers zusammen und liegt nicht immer unweigerlich an fehlenden Parkplätzen.“

Löwis beurteilt den Internet-Handel als problematisch für den lokalen Markt. „Der Einzelhandel vor Ort ist aufgrund der Konkurrenzsituation zum Internet stark gefordert“, sagt er. „Dies ist allerdings nicht nur in Holzkirchen der Fall, sondern betrifft auch viele anderen Gemeinden.“ Auch Thomas Fremerey vom gleichnamigen Modeladen an der Münchner Straße, weiß, dass der Anteil der Internet-Käufe steigt. Er hofft, dass seine Kunden weiterhin auf eine gute Beratung setzen. Er ist froh, dass er sich heute nicht mehr selbstständig machen muss. „Holzkirchen prickelt einfach nicht.“

Löwis sieht aber auch die Einzelhändler in der Pflicht. Viele Kunden würden sich einheitliche Öffnungszeiten wünschen. „Dies ist in unserem Ort leider nicht gegeben“, sagt er. „Somit bleiben viele Käufer, vor allem berufstätige Personen, leider aus.“

Von Katrin Suda

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