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Wittern neue Chance: Die Anwohner Erich Burgert (v.l.), Thomas Ströbl und Reinhard Fiebig hoffen weiterhin auf eine Bahnunterführung, die von der Buchenstraße ins Gewerbegebiet-Ost führen würde.

Mobilitätskonzept

Ländl-Bewohner fordern Unterführung 

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Seit Jahren kämpfen Erich Burgert (86) und seine Mitstreiter für eine Bahnunterführung vom Ländl ins Gewerbegebiet- Ost. Jetzt wittern sie ihre Chance im Mobilitätskonzept. 

Man ist zusammen alt geworden. In den 60er Jahren entstand seine Siedlung mit den vielen Bäumen in den Straßennamen am Ländl. „Jetzt wohnen da viele ältere Leute“, sagt Erich Burgert aus der Ahornstraße. Wollen diese bei Aldi, Rossmann oder Fressnapf im Gewerbegebiet-Ost einkaufen, müssen sie den beschwerlichen Umweg über die Rosenheimer Straße laufen oder diese mit dem Auto belasten. „Da gibt es ohnehin schon genug Stau“, findet der 86-Jährige. Manche der rund 1200 Anwohner – jüngere müssen zum Arbeitsplatz dorthin – würden den gefährlichen, wilden Weg über die Bahngleise wählen.

Um die Situation zu verbessern, setzten sich Burgert und seine Mitstreiter Thomas Ströbl sowie Reinhard Fiebig vor Jahren für eine Bahnunterführung für Fußgänger und Radfahrer von der Buchenstraße ins Gewerbegebiet-Ost ein. Irmi Ammer (SPD) hatte sich nun in der Gemeinderatssitzung nach dem Tunnel erkundigt. 

Die Vorgeschichte: Seit den 90er-Jahren ist eine Unterführung im Gespräch. 2002 hatte der Gemeinderat einen ersten Beschluss dazu gefasst, die Verbindung sollte gebaut werden. Im Februar 2007 starteten Burgert und seine Mitstreiter eine Fragebogenaktion unter den Anwohnern, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. Nach ihren Auswertungen hätte es allein damals gut 170 Tunneldurchquerungen pro Tag gegeben. Allerdings gab es auch eine Gegenaktion, die Widerstand gegen die Pläne dokumentierte. Fakt ist: Das Projekt verschob sich immer wieder, vorwiegend aus finanziellen Gründen. 

Dabei gibt es laut einem Mitarbeiter aus dem Bauamt sogar eine konkrete Planung. Grob gesagt sieht diese zwei Stränge auf der Gewerbegebiets-Seite vor: einen Richtung Rudolf-Diesel-Ring, und einen auf Höhe der Grünfläche am Umspannwerk der Gemeindewerke. An der Buchenstraße wäre es nur ein Strang. Kostenpunkt: eine Million Euro. Diese müsste die Gemeinde tragen, allerdings könnten Zuschüsse winken. Im Haushaltsentwurf 2017 stehe Geld für den Planungsansatz drin, für 2018/2019 eine Summe für die Durchführung. 

„Wir hatten schon resigniert“, gesteht Burgert. Sie dachten: „Da kämpfen wir gegen Windmühlen.“ Jetzt aber wittern sie eine Chance. „Im Mobilitätskonzept ist das tatsächlich vorgesehen“, sagt das SPD-Mitglied. Der Tunnel sei im Sinne des Gutachtens, das empfehle, den Fuß- und Radverkehr zu stärken, um den Kfz-Verkehr zu reduzieren. Robert Haunschild, Geschäftsleiter im Rathaus, bestätigt, dass das Projekt in der Liste steht. Der Gemeinderat muss entscheiden, welche Vorschläge umgesetzt werden. Da die Gemeinde sich beim Tunnel mit der Bahn abstimmen müsste, falle dieser sicher nicht unter die Sofortmaßnahmen. Auch Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) bezweifelt, dass das heuer noch was wird. „So viel Gas können wir nicht geben“, sagt er. 

Dennoch findet er, dass der Tunnel „eine tolle Verbindung“ wäre. Davon abgesehen sei es eine Frage der Sicherheit. Dass Leute über die Gleise spazieren, sei verboten, betont er. „Es ist unbefriedigend. Die Bälle liegen alle bei der Bahn.“ 

Laut einem Bahn-Pressesprecher hat die DB Netz AG die Unterlagen für den Tunnel an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) weitergeleitet. Dieses müsse nun über das Baurecht entscheiden. Aus der Pressestelle des EBA heißt es, dass für das Vorhaben ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt wird. Das EBA habe die Planfeststellungsunterlagen mit Schreiben vom 8. Februar an die Regierung von Oberbayern zur Durchführung des Anhörungsverfahrens übersandt. Die Behörde betont: „Das EBA plant indes selbst keine Bauvorhaben und führt diese nicht durch, sondern entscheidet auf Antrag eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens, des Vorhabenträgers, ob dessen Planungen zulässig sind.“ 

Will heißen: Liegt Baurecht vor, liegt der Ball bei der Gemeinde. „Wir fassen bei der Bahn nach“, sagt Löwis. Burgert hofft auf Konkretes: „Es wird sehr viel besprochen, aber wenig gemacht.“ Die Gemeinde habe stets Ausreden aufgetischt. Er hat die Nase voll davon. „Es müsste mal was gemacht werden.“

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