Bombendrohung gegen Linke - Partei-Zentrale in Berlin geräumt

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Trügerische Ruhe: Einige Anwohner der Asylbewerberunterkunft in der Frühlingsstraße (Gebäude rechts) stören sich am Lärmpegel in und um der Einrichtung.

Polizei kennt Problematik

Ruhestörungen und Trinkgelage? Lärm-Ärger um Holzkirchner Asylbewerberunterkunft

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Anwohner prangern die Situation in der Asylbewerberunterkunft an der Frühlingsstraße an. Hinzu kommt die Enttäuschung über aus ihrer Sicht nicht gehaltene Versprechen.

Holzkirchen – In den Sommermonaten herrscht rund um den Herdergarten gerne mal Rambazamba. Das weiß Markus K., der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Er wohnt in der Frühlingsstraße. Die vergangenen beiden Monate wurden jedoch zur nervlichen Zerreißprobe für die Nachbarn. Lärm, Gebrüll, Alkohol, zählt der Anwohner auf. Quell des Getöses sei die frühere Polizei - die heutige Asylbewerberunterkunft.

„Wir erleben beinahe täglich massive Ruhestörung nach 22 Uhr“, schreibt K. nun in einem offenen Brief an die Marktgemeinde und die Regierung von Oberbayern, die die Unterkunft betreibt. Darin berichtet er von „regelrechten Trinkgelagen bis in die frühen Morgenstunden“. Doch laut wird es demnach nicht nur im Herdergarten. „Partys in der Unterkunft“ seien keine Seltenheit, erzählt K. im Gespräch mit unserer Redaktion. Bereits mehrfach habe er daher die Polizei eingeschalten.

Polizei war bereits mehrmals vor Ort

Bei der sind die Beschwerden bekannt. Fünf Mal in den vergangenen drei Monaten, teilt Josef Brandhuber, Leiter der Holzkirchner Dienststelle auf Anfrage mit, sei eine Streife wegen Ruhestörung zu Asylbewerberunterkunft ausgerückt, plus eines Einsatzes im Herdergarten, an dem ebenfalls Bewohner beteiligt waren. Der unrühmliche Höhepunkt war vor gut zwei Wochen erreicht.

An einem Donnerstag, so gegen 23.30 Uhr, lärmte einer der 34 Flüchtlinge, die derzeit in der Unterkunft wohnen, laut Polizei draußen auf der Straße. Auf Englisch, berichtet Anwohner K., der zu diesem Zeitpunkt bereits im Bett lag, habe derjenige mit Begriffen um sich geworfen, die in einer Zeitung nichts verloren haben. „Zu sehen war er nicht, nur zu hören“, sagt K.. Er rief die Polizei. Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht, erzählt Brandhuber. Ein Tiefpunkt im Nachbarschaftsverhältnis.

„Die Nachbarn sehen das ähnlich“

Doch es ist nicht nur der Lärm, an dem sich die Anwohner stoßen. Der Ärger sitzt tiefer. Es geht um – aus ihrer Sicht – falsche Versprechen und das Gefühl, nicht informiert zu werden. Markus K. versichert: „Die Nachbarn sehen es ähnlich.“

Ein Rückblick: Bei einem Informationsabend vor der Eröffnung der Unterkunft sicherten die Verantwortlichen von Regierung und Gemeinde den Anwohnern zu, dass vornehmlich Männer eines der 35 Betten ergattern sollen, die eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle inne haben. „Offensichtlich hat man von dem Grundsatz der ,handverlesenen’ Auswahl Abkehr genomen“, bemängelt K. in seinem Schreiben. Seine Argumentation: Wer regelmäßig bis frühmorgens feiert, der kann nur schwer wenig später arbeiten.

Nun muss man wissen: Der Info-Abend liegt über ein Jahr zurück. Ein Jahr, in dem immer wieder Bewohner in die Unterkunft ein- und wieder ausgezogen sind, betont Bürgermeister Olaf von Löwis. Als die Traglufthalle im Ort im April 2017 aufgelöst wurde, habe die Gemeinde in der Tat darauf gepocht, dass die Flüchtlinge in die ehemalige Polizeiwache einziehen, die in Lohn und Brot stehen. Eine erste Vor-Auswahl traf die Gemeinde zusammen mit dem Landratsamt, die Regierung nickte die Vorschläge demnach ab. Mittlerweile, sagt Löwis, habe man jedoch keinen Einfluss mehr auf die Belegung.

Regierung von Oberbayern koordiniert Belegung

Gesteuert wird diese von der Regierung von Oberbayern. Wie Pressesprecher Martin Nell mitteilt, richtet sich die Zusammensetzung grundsätzlich nach mehreren Faktoren. „Die Regierung von Oberbayern setzt – soweit es möglich ist – auf eine bewährte, zum Beispiel nach Nationalitäten, ,gemischte’ Belegung“, sagt Nell. Inwieweit das Kriterium „berufstätig“ eine Rolle spielt oder wie viele Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft berufstätig sind, dazu machte Nell keine Angaben.

Der Lärm-Beschwerde von Markus K. werde die Behörde nun nachgehen. „Die genaue Prüfung wird allerdings etwas Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Nell. Grundsätzlich engagiere sich die Behörde stets für ein gutes Miteinander mit der örtlichen Nachbarschaft. Daher kümmere sich das Unterkunftspersonal um die Einhaltung der Hausordnung, so gilt im Haus etwa ein striktes Alkoholverbot. Auch für die Ruhezeiten versuchen die Betreuer, die Bewohner zu sensibilisieren. Was aber „nicht immer sofort und ausnahmslos“, so Nell, funktioniere.

Auf ein funktionierendes Miteinander hofft künftig auch K. wieder. Dass eine ruhige Nachbarschaft möglich ist, habe sich gezeigt. „Letztes Jahr hat es funktioniert“, sagt er. Sein Wunsch: Ein neuerlicher Informationsabend, an dem die Anwohner ausführlich informiert werden und ihre Sorgen äußern können.

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fp

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