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Warten, warten, warten: Im vergangenen Winter mussten die Fahrgäste der BOB viele Ausfälle hinnehmen. Besonders ärgerlich war es für viele, dass sie kaum informiert wurden. Das soll sich ändern.

„Alles Menschenmögliche getan“

BOB und Bahn sehen sich für Winter gut gerüstet

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Rechtzeitig vor dem Winter haben sich die Bürgermeister des Landkreises Miesbach unter Vorsitz von Holzkirchens Rathauschef Olaf von Löwis erneut mit Vertretern der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) und der Deutschen Bahn (DB) sowie der Landratsämter getroffen und sich über den Stand des Maßnahmenpakets informiert.

Wie berichtet, sollten nach dem pannenreichen K-Fall-Winter 2018/19 die Defizite im Schienennahverkehr aufgearbeitet werden. Dabei sei man auf einem guten Weg, sagt Löwis. Insgesamt sehen sich die Vertreter von BOB und Bahn gut gerüstet. Löwis: „Es ist viel passiert, aber es gibt auch noch einiges zu tun.“

Die Bürgermeister Johannes Hagn (Tegernsee), Josef Lechner (Fischbachau) und Jens Zangenfeind (Hausham) bestätigen, dass in den vergangenen Monaten große Fortschritte erzielt wurden. Allerdings attestieren die Rathauschefs auch, dass es noch Themen mit deutlichem Verbesserungsbedarf gebe. Dazu zählen eine funktionierende Fahrgastinformation ebenso wie ein gesicherter Busnotverkehr, teilt die Öffentlichkeitsarbeit der Marktgemeinde Holzkirchen mit.

Fahrgastinfo

Bei der Fahrgastinformation – aus Sicht der Rathauschefs einer der wichtigsten Aspekte im Störungsfall – sichert BOB-Geschäftsführer Fabian Amini schrittweise Verbesserung zu. So werden zukünftig bei Störfällen in allen Online-Medien (BOB-App, DB Navigator, bahn.de) aktuelle streckenbezogene Informationen aufgeführt, und die dynamischen Anzeigen an den Bahnhöfen sollen aktuell informieren. Ein Problem lasse sich aber nicht von heute auf morgen in Griff bekommen: die Komplexität des Systems. „Dieses Problem haben wir in ganz Deutschland“, stellt der BOB-Chef fest. Infos via Lautsprecher seien auch keine Lösung, da die Durchsagen zentral von einer Stelle in Oberbayern gesteuert werden. Es sei technisch und logistisch nicht umsetzbar, jeden einzelnen Bahnhof anzusteuern.

Ersatzbusse

Einiges verbessert wurde bei den Notverkehrskonzepten für Busse bei Großstörungen. Künftig gibt es eine Aufstellung, welche Ersatzhaltestellen freigeräumt werden müssen. Busfahrer bekommen zudem sogenannte Ortsmappen, damit sich auch ortsunkundige Fahrer schnell orientieren können. Dennoch bleibt ein Problem ungelöst, wie auch Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter Verkehr am Landratsamt, bestätigt: Es gibt weder genug Busse noch ausreichend Fahrer.

Bahnhöfe

Auch ungeräumte Bahnhöfe haben im vergangenen Winter für jede Menge Ärger bei den Fahrgästen gesorgt. Helmut Zöpfel (Leiter Bahnhofsmanagement Rosenheim bei der DB) erläutert nun, dass der Winterdienst an den Bahnhöfen von der DB Services in Eigenregie sowie von elf weiteren Dienstleistern übernommen werde. Mit der Winterplanung 2019/20 sei bereits im Februar 2019 begonnen worden, um Vorfälle wie im vorigen Winter zu vermeiden. Seit Mitte Oktober werden ergänzend zu den organisatorischen Vorbereitungen Winterübungen durchgeführt. Werden Abweichungen vom Soll festgestellt, werden die getroffenen Maßnahmen korrigiert und Wiederholungsübungen angesetzt. Zudem verpflichtet sich die DB Services, bei Schwerlastbahnhöfen – dazu zählen alle Bahnhöfe im Oberland – nach einer Aktivierung innerhalb einer bestimmten Zeit vor Ort zu sein, um Räumarbeiten vorzunehmen. Angestrebt sind 30 Minuten – im Regelfall sind zwei Stunden vorgesehen.

Einsatzübungen

Zur Vorbereitung gehört auch Training, und das habe bereits intensiv stattgefunden, erläutert Herbert Scheller von der DB Netz. Das sogenannte Einsatzstufenkonzept der DB sei geschärft und überarbeitet worden. Zudem wurden die jährlich stattfindenden Winterübungen deutlich intensiver als in der Vergangenheit gestaltet. Für das Einsatzgebiet stehen zusätzliche Fräsen zur Verfügung, um einen stabileren Räumprozess sicherzustellen. Das Personal für Schneeräum- und -frästechnik wurde aufgestockt, und es erfolgt eine intensive örtliche Einweisung neuer Räum- und Sicherungsfirmen mit einem Expertenteam vor Ort. Zudem wurde eine Vor-Ort-Vegetationsbereitschaft geschaffen sowie ein Vor-Ort-Reparatur- und Ersatzteilkonzept etabliert. All diese Punkte sollten zu einer wesentlichen Qualitätsverbesserung im kommenden Winter führen, denn sie ermöglichen schnelles Handeln.

Insgesamt sehen sich die Vertreter der BOB und Bahn gut für den Winter gerüstet. „Wir haben alle akuten Probleme, die im vergangenen Winter aufgetreten sind, in Angriff genommen und überarbeitet“, sagt Amini. Die Verantwortlichen beider Unternehmen bestätigen, dass „alles Menschenmögliche“ getan worden sei und getan werde, um für den Winter gerüstet zu sein. Allerdings: Eine 100-prozentige Garantie für einen störungsfreien Schienenverkehr könne man trotz aller Anstrengungen nicht geben.

ddy


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Bahngespräch 1

Bahngespräch 2

Bahngespräch 3

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