Der Mann mit dem Geld: Sebastian Wittmoser (2.v.r) kam immer wieder in den Kreis Miesbach und überbrachte Förderbescheide, wie hier vergangenes Jahr für die Qualitätsverbesserung des Kulturangebots im Tegernseer Tal mit (v.l.) Simon Kortus (Leader-Manager), Christian Kausch (Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH) und Peter Rie (Leiter Veranstaltungsmanagement bei der TTT).  Foto: archiv mzv/ttt
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Der Mann mit dem Geld: Sebastian Wittmoser (2.v.r) kam immer wieder in den Kreis Miesbach und überbrachte Förderbescheide, wie hier vergangenes Jahr für die Qualitätsverbesserung des Kulturangebots im Tegernseer Tal mit (v.l.) Simon Kortus (Leader-Manager), Christian Kausch (Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH) und Peter Rie (Leiter Veranstaltungsmanagement bei der TTT).

Keine Zukunft ohne Bürgerbeteiligung

Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser über seine zu Ende gehende Zeit im AELF

18 Jahre lang war Sebastian Wittmoser als Leader-Koordinator tätig, zuletzt am AELF in Rosenheim. Im Interview blickt er auf seine Amtszeit zurück.

Miesbach – 18 Jahre lang war Sebastian Wittmoser als Leader-Koordinator tätig, zuletzt am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Rosenheim. Als zentraler Ansprechpartner betreute er zahlreiche Aktionsgruppen und mit EU-Mitteln geförderte Projekte in der Region Oberbayern Süd – und damit auch im Landkreis Miesbach. Jetzt geht der 65-jährige Fischbachauer in Pension. Im Interview blickt er auf seine Amtszeit zurück und verrät, wie er seinen Ruhestand verbringen wird.

Leader-Koordinator Sebastian Wittmoser über seine zu Ende gehende Zeit im AELF

Herr Wittmoser, in 18 Jahren als Leader-Koordinator haben Sie viele Projekte auf den Weg gebracht. Auf welches sind Sie besonders stolz?

Auf Anhieb fällt mir da die Förderung der Wanderregion Chiemgauer Alpen ein. Dort wollte man anfangs nur die sanierungsbedürftige Beschilderung erneuern, was kein Leader-Projekt gewesen wäre. Letztlich ist es gelungen, die Gemeinden zu überzeugen, nicht nur eine zeitgemäße Beschilderung, sondern eine ganze Wanderregion mit einheitlichem Auftritt auf den Weg zu bringen. Noch heute bekomme ich positive Rückmeldungen von den Gemeinden und ihren Gästen.

Überzeugungsarbeit mussten Sie auch dahingehend leisten, dass sich niemand von bürokratischen Hürden abschrecken lässt. Hat das funktioniert?

Ein Vorsitzender einer lokalen Aktionsgruppe hat mir kürzlich erzählt, dass die Stimmung diesbezüglich wesentlich besser geworden ist. Diesen Eindruck teile ich. Man versucht ja schon lange, die Bürokratie – soweit es möglich ist – zu reduzieren. Allerdings handelt es sich bei Fördermitteln um Steuergelder. Eine sorgfältige Prüfung der Projekte ist auch deshalb unerlässlich.

Dazu gehört sicher viel Erfahrung. Wie sind Sie an diese Position gekommen?

Ich selbst bin Diplomagraringenieur und habe mit der Beratung in der Tierproduktion am Landwirtschaftsamt Fürstenfeldbruck angefangen.

Weitere Stationen waren unter anderem das Agrarbildungszentrum in Landsberg und das Landwirtschaftsministerium. Erst danach wurde mir die Stelle als Leader-Koordinator an der Regierung von Oberbayern angeboten. Die verschiedenen Aufgabenbereiche verschafften mir viele Einblicke und umfangreiche Kenntnisse, die mir als Leader-Koordinator sehr hilfreich waren.

Wie gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger?

Etwas schwierig. Das liegt zum einen an dem geforderten Profil, zum anderen an der Neuausrichtung der Landwirtschaftsverwaltung. Durch Veränderungen in den Abteilungsstrukturen wurden viele Führungskräfte frei, die alle gefragt werden mussten, ob sie Interesse an dem Koordinatorenposten haben.

Glücklicherweise gibt es schon einen Interessenten. Wer die Stelle letztlich bekommt, entscheidet das Ministerium.

Wie viel Wittmoser bleibt dem AELF erhalten?

Ich freue mich natürlich auf meinen Ruhestand. Nach so vielen Jahren werde ich gedanklich weiter mit Leader verbunden sein. Die geförderten Projekte verfolge ich auch privat weiter – in meiner Freizeit gehe ich sehr gerne zum Wandern und bin in vielen Regionen unterwegs. Inwieweit ich mich ehrenamtlich für Leader engagieren möchte, wird sich zeigen. Das lasse ich einfach auf mich zukommen. Ich bin ein Familienmensch und möchte in Zukunft mehr Zeit für meine Töchter und Enkelkinder haben. Außerdem bin ich seit fast 50 Jahren in der Musikkapelle Fischbachau aktiv und treffe mich gerne mit meinen Kameraden im Sportverein.

Möchten Sie den künftigen Antragstellern noch etwas mit auf den Weg geben?

Der Leitgedanke von Leader, also die Zusammenarbeit mit den Bürgern, ist eine Zukunftsstrategie, die in der heutigen Gesellschaft unumgänglich geworden ist. Das ist gut so – und sollte auch in Zukunft berücksichtigt werden. Wer das vergisst, den wird der Bürgerwille wieder einholen. Leader bringt Regionen zusammen. Diese großartige Basis ist es wert, sich auf die Fahnen zu schreiben.

Das Gespräch führte Jonas Napiletzki.

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