1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Holzkirchen

Nach tragischem Brand, bei dem Nachbarin starb: Familie startet Neuanfang

Erstellt:

Kommentare

Können wieder lachen: Andreas Schinagl-Weiß und seine Frau Marion Weiß mit ihren beiden Kindern in Lenggries.
Können wieder lachen: Andreas Schinagl-Weiß und seine Frau Marion Weiß mit ihren beiden Kindern in Lenggries. © Tobias Gmach

120 Einsatzkräfte, ein niedergebranntes Mehrfamilienhaus – und eine Tote. Das war die bittere Bilanz eines Feuers. Die Familie Schinagl-Weiß hat dabei ihr Zuhause und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Sie ist dankbar über die Hilfe aus dem Opferfonds unserer Aktion „Leser helfen Lesern“.

Föching – Andreas Schinagl-Weiß und seine Frau Marion haben dieser Tage alle Hände voll zu tun: Sie ziehen um. Knapp vier Monate nach dem Unglück (wir berichteten) haben sie bei Sauerlach für sich, ihre Tochter (3) und ihren Sohn (2) eine Wohnung gefunden. „In Holzkirchen wurden wir nicht fündig“, sagt Marion Weiß (33), „aber immerhin können unsere Kinder in ihrem vertrauten Kindergarten in Holzkirchen bleiben.“ Das war ihnen bei der Suche nach einem neuen Zuhause wichtig: „Wenn das Leben verrückt spielt, tut Stabilität gut.“ Dass sie ihre Kinder nun jeden Morgen einige Kilometer in die Kita fahren müssen, nehmen sie in Kauf.

Neuanfang nach tragischem Brand: Quälende Gedankenspiele

Die vergangenen Monate hat die vierköpfige Familie bei Weiß’ Eltern in Lenggries verbracht. Hier war sie auch zu Besuch, als am Morgen des 26. Augustes das Feuer in dem ausgebauten Teil eines ehemaligen Landwirtschaftsanwesen in Föching ausbrach. Zum Glück! Was wäre gewesen, wenn sie in ihrer Fünf-Zimmer-Wohnung geschlafen hätte? „Die Ausmalerei habe ich hinter mir“, sagt Andreas Schinagl-Weiß (34). Kurz nach dem Brand konnte er nächtelang nicht schlafen. „Das Szenario, wie ich meine Kinder aus dem brennenden Haus bringe, hat mich immer wieder beschäftigt.“

Der Entwicklungsingenieur erinnert sich noch gut an jenen Morgen. „Ich bin um sechs Uhr aufgestanden, da hatte ich schon einen Anruf unseres Vermieters auf dem Handy.“ Schinagl-Weiß ruft zurück – und erfährt, dass das Haus brennt. Sofort fragt er nach seiner Nachbarin. Die Familie teilt sich mit ihr den Garten, für ihre Kinder ist sie eine Bezugsperson. „Es hieß, man wisse nicht, wo sie ist. Ich wusste: das bedeutet nichts Gutes.“

Er schreibt seiner Nachbarin eine Nachricht. Eine Antwort wird er nie erhalten. Dass sie und ihr Hund in den Flammen umgekommen sind, erzählen er und seine Frau den Kindern vorerst nicht. „Wir dachten, ein Trauma ist genug“, so die Fachkrankenschwester. Denn dass sie gerade ihr vertrautes Zuhause verloren hatten, konnten sie vor den Kinder nicht verbergen. „Wir waren unter Schock und haben geweint“, sagt Weiß. „Das kann man nicht schönreden.“ Erst auf Nachfrage der Kinder, so der Plan, wollten sie erzählen, dass die Nachbarin und ihr Hund, den die Kinder mochten, nicht überlebt hatten. „Als es soweit war, haben wir zusammen geweint“, erzählt Weiß. Auf der Beerdigung konnten die Kinder dann Abschied nehmen.

Spendenkonto „Leser helfen Leser 2022“

Spenden können auf das Konto 13 300 bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee (BLZ 711 525 70), IBAN DE04 7115 2570 0000 0133 00, eingezahlt werden – persönlich oder per Überweisung.

Taufkerzen überstehen flammendes Inferno

Noch heute fragen sie manchmal nach ihrem Zuhause. Nach ihren Spielsachen und ihren Betten. Die Tochter der Schinagls hatte ein Kletterbett mit Rutsche – ein Geburtstagsgeschenk. „Es ist immer noch schwer“, sagt Weiß. „Aber wir schauen nach vorn“, ergänzt ihr Mann. „Der Alltag holt einen eh wieder ein.“ Abgesehen von den Dingen, die sie für den Übernachtungsbesuch bei den Großeltern dabeihatten, haben sie bei dem Feuer fast alles verloren.

„Materielles mit ideellem Wert“, sagt Weiß. Die Taufkerzen der Kinder aber haben Feuer und Löscharbeiten überstanden. „Ein Wunder“, sagt Weiß. Eine Hausratversicherung hatten sie nicht. Kleidung, Möbel, Haushaltsgeräte– alles mussten sie sich wieder anschaffen. „Wir haben viel geschenkt bekommen und sind sehr dankbar für die Hilfsbereitschaft der Menschen.“ Aus dem Opferfonds unserer alljährlichen Aktion „Leser helfen Lesern“ hat die Familie 3000 Euro erhalten. „Die fließen jetzt in eine neue Küche.“

Sie wollen unsere Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ unterstützen? Heuer kommt sie Geringverdienern zugute.

Auch interessant

Kommentare