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Ein Fest für die Bürger: Mehrere hundert Holzkirchner wohnten der offiziellen Eröffnung der Geothermie Holzkirchen bei. Über deren Bau berichtete unter anderem Gemeindewerke-Geschäftsführer Albert Götz.

Fest mit mehreren Hundert Besuchern

Der Lohn für den Mut: Geothermie Holzkirchen offiziell eröffnet

Es ist das Ende eines aufregenden Abenteuers: Am Samstag wurde die Geothermie in der Alten Au in Holzkirchen offiziell eröffnet.

Holzkirchen Eine schier unerschöpfliche Energiequelle, die Wärme und sauberen Strom liefert, in fünf Kilometern unter der Erdoberfläche angezapft mit einem technischen und finanziellen Kraftakt, und das vollständig in kommunaler Hand: Holzkirchen kann stolz sein auf seine Geothermie. Mehrere hundert Besucher feierten am Samstag beim Fest im warmen Heizwerk bei Speis, Trank und Livemusik. Die Pfarrer Gottfried Doll und Wolfgang Dörrich spendeten den kirchlichen Segen. Bei den begehrten Führungen konnten die Besucher die Anlage erkunden und sich erläutern lassen, wie die Geothermie eigentlich funktioniert.

Seit elf Monaten liefert die Anlage in der Alten Au Wärme, Anfang Juli speiste das Kraftwerk erstmals Strom ins Netz ein. Bis dahin war es allerdings ein aufwühlender Weg. „Die Geschichte liest sich wie ein Thriller“, sagte Bürgermeister Olaf von Löwis in seiner Festrede.

Löwis und Gemeindewerke-Chef Albert Götz jun. riefen die vielen Tiefschläge in der langen Geschichte in Erinnerung. Sie hatte damit begonnen, dass Altbürgermeister Josef Höß, der beim Fest verhindert war, gemeinsam mit Albert Götz sen., damaliger Leiter der Gemeindewerke, den Kauf des Erdwärme-Claims in Holzkirchen anstieß. Im März 2013, die Ausschreibung für die Bohrung lief da nach gut sechs Jahren Vorbereitung schon, grätschte die damalige Bundesregierung mit der Strompreisbremse dazwischen. Die Finanzierung musste neu aufgerollt, das Risiko neu abgewägt werden. 2015 rang sich die Mehrheit des Gemeinderats zum abgespeckten Projekt durch, acht Mitglieder stimmten damals dagegen. Rund 60 Millionen Euro stecken in der Geothermie-Anlage in der Alten Au. „Ich habe Verständnis, wenn der ein oder andere gesagt hat: ,Das Risiko ist mir zu hoch‘“, erklärte Löwis.

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Mutige Investition: Rund 60 Millionen Euro steckte die Marktgemeinde in die Geothermie-Anlagen.

Bohrung I stieß auf Gas, wochenlang leuchtete die teils zehn Meter hohe Flamme vom Abfackeln über dem Bohrplatz. Das Bohrloch wurde im März 2016 verschlossen und die Bohrung 1 umgelenkt. Bohrung 2 blieb im September 2016 stecken. „Die Nächte waren nicht sehr gut“, erinnerte sich Löwis, „das war eine furchtbar spannende Zeit.“ Im März 2017 war die Bohrung nach mehreren Wendungen endlich auch im Ziel. Die Schüttung mit 55 Litern pro Sekunde bei etwa 145 Grad passte auch. „Mir ist ein ganzer Berg vom Herzen gefallen“, gestand der Rathauschef.

„Die Geothermie erfüllt alle Voraussetzungen der Nachhaltigkeit“, betonte Löwis: eine regenerative Energiequelle mit gut 10 000 Tonnen CO2-Einsparung im Jahr, vor Ort und in kommunaler Hand. Er appellierte an die Holzkirchner, als Kunden die eigenen Gemeindewerke als Stromversorger zu unterstützen. „Etwa ein Drittel des Strombedarfs in Holzkirchen kann bisher gedeckt werden“, erklärte Löwis. Inzwischen leistet das Kraftwerk fast 3,5 Megawatt.

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Mutige Investition: Rund 60 Millionen Euro steckte die Marktgemeinde in die Geothermie-Anlagen.

Landrat Wolfgang Rzehak pflichtete in seinem Grußwort bei: „Das ist ein großer Meilenstein für die Energiewende.“ Er lobte den Mut, das Mammutprojekt in Angriff zu nehmen. „Es war eine schwierige Entscheidung, aber den Mutigen gehört die Zukunft“, sagte Rzehak. Er appellierte für die Energiewende vor Ort, statt wie selbstverständlich hinzunehmen, dass in der Lausitz gewachsene Dörfer dem Kohleabbau weichen müssten oder Energie aus Ländern komme, in denen Despoten regieren oder Krieg geführt wird, weil man sich daran gewöhnt habe. „Wenn Windräder im Hofoldinger Forst gebaut werden sollen, ist der Aufschrei da“, stellte Rzehak fest. Holzkirchen habe mit der Geothermienutzung die richtige Entscheidung getroffen.

Wie bei vielen guten Geschichten könnte es auch bei der Geothermie heißen „Fortsetzung folgt“ – nicht nur, weil der Ausbau des Nahwärmenetzes wie berichtet noch Jahre läuft. Es gibt Überlegungen, noch mehr vom Potenzial der Tiefengeothermie zu nutzen. Valleys Bürgermeister Andreas Hallmannsecker sowie Warngaus Vize-Bürgermeister und amtierender Rathauschef Jakob Weiland, die beide unter den Gästen der Eröffnung waren, sind da nicht abgeneigt – ihre Gewerbegebiete in Oberlaindern und Lochham liegen nah dran an der Holzkirchner Geothermie. Darauf allerdings ist die jetzige Bohrung nicht ausgelegt. Löwis denkt deshalb an eine interkommunale Zusammenarbeit. Die Belastung auf mehrere Schultern zu verteilen, könnte eine sinkende Einspeisevergütung so weit wettmachen, dass ein neues Projekt rentabel läuft.

Von Katrin Hager

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