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Frisch wie vor 40 Jahren: Die Stinky Fingers mit (v. l.) Gerhard Weber, Frontman Fränkie Neumann, Reinhard Maier, Mike Würmseer,  Armin Woods und Johnny Neumann wagen ein höllisches Comeback. 

Comeback der Stinky Fingers

Die Mächte der Finsternis kommen zurück: Stinky Fingers bitten zum Höllenball

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Die Legende kehrt zurück: Die Stinky Fingers, Kultband in den 80er und 90er Jahren, bitten wieder zum Höllenball. Im Föchinger Hof sollen alte Zeiten wieder aufleben. 

Föching Für Fans der „Stones“ ist das Album eine Offenbarung: „Sticky Fingers“, erschienen 1971, hat seinerzeit auch Fränkie Neumann umgehauen. In Anlehnung an den bekannten Titel gründete der Miesbacher 1978 in einer Holzkirchner Kneipe die „Stinky Fingers“. Die junge Band sorgte schnell für Furore, ihre „Höllenbälle“ waren Fasching-Hotspots.

Das Originalplakat von 1978: Das Motto veränderte sich in den Folgejahren in Richtung Teuferl und Engerl.

Zum 40-jährigen Jubiläum lassen sich die „Fingers“ nicht lumpen. Für Samstag, 3. Februar, haben sie den Föchinger Hof gebucht, wo sie ab 20 Uhr beweisen wollen , dass sie immer noch die Hölle heraufbeschwören können. Tickets gibt es bei Hanne Hartl am Marktplatz und im Föchinger Hof, außerdem in Miesbach im Medienhaus (Schlierseer Straße 4). Die Pressearbeit übernahm Gitarrist Gerhard Weber (62), mit ihm gingen wir in einem Interview auf Zeitreise.

-Die „Stinky Fingers“ sind zurück. Klingt fast nach dem legendären Blues-Brothers-Spruch „We’re putting the band back together“. Wie kam’s zu diesem Comeback?

Gerhard Weber: Schuld sind auch diesmal die Rolling Stones. Die waren im Herbst 2017 ja wieder mal auf Europatour, auch im Münchner Olympiastadion. Da dachten wir, wenn die das drauf haben, dann können wir das ja wohl auch noch. Und dann passte das Jubiläum, der erste Höllenball vor 40 Jahren – und schon war’s passiert.

-Taugen die Stones noch als Vorbilder?

Gerhard Weber: Der Fränkie Neumann als Gründer der Stinky Fingers war und ist Stones-Fan. Vor allem die alten Sachen, das hört er gern, das spielt er gern. Fürs Höllenball-Revival konzentrieren wir uns auf das gute, alte Zeug. Die Stones hätten meiner Meinung nach 1975 aufhören sollen, besser ist es danach nicht mehr geworden. Aber wahrscheinlich brauchten sie das Geld – gilt bis heute (lacht).

-Gar so alt wie die Stones seid ihr ja nicht. Wie habt ihr euch frisch gehalten?

Gerhard Weber: Sicher nicht mit den Drogen wie die Stones. Aber der Musik sind wir alle treu geblieben, die hat uns jung gehalten. Die meisten von uns spielen immer noch in diversen Bands.

-Spielt ihr noch in Originalbesetzung?

Gerhard Weber: Zu 80 Prozent sind wir die alten Fingers. In den 90er Jahren kam als Sänger Jeff Queen dazu, ein Kanadier. Der fliegt extra für den Höllenball aus British Columbia ein und wird ein paar Songs singen.

-Für die jüngeren untrer uns: Was war das für eine Stimmung bei den ersten Höllenbällen?

Gerhard Weber: Wie alt sind Sie denn? Waren Sie nicht mal dabei?

-Die Höllenbälle habe ich leider nie persönlich erlebt. Aber eine Kollegin, die schwärmt noch heute.

Gerhard Weber: Völlig zu recht. Der erste Höllenball resultierte aus einer spontanen Idee von Fränkie und dem Wirt des damaligen Treibhauses, das war Ende der 70er ein angesagter Schuppen nicht weit weg vom Holzkirchner Bahnhof. „Hölle“ hieß die Kneipe im Volksmund, so kam es zum „Höllenball“.

-Wie wurde der Höllenball zum gefeierten Faschingskult?

Gerhard Weber: Naja, lag vielleicht an unserer Musik? Ich selbst bin erst 1980 eingestiegen. Es wurde immer größer: Wir sind erst in den Föchinger Hof umgezogen, dann haben wir im Oberbräu-Saal gespielt. 1000 Leute haben abgefeiert, war sagenhaft. Das Motto war anfangs „Vampyre & Transvestüten“, dann setzte sich die „Hölle“ durch und die Leute kamen als Teuferl und Engerl – das war das Markenzeichen. Da gab es wirklich wahnsinnig kreative Verkleidungen.

-Habt ihr denn alle eure Engerl gefunden?

Gerhard Weber: Ja absolut, wir sind durch die Bank verheiratet und haben Familien.

-Wie lange gab’s den Höllenball?

Gerhard Weber: So genau weiß ich das gar nicht mehr, irgendwann Ende der 90er haben wir aufgehört. Bis in die letzten Jahre waren wir das Faschings-Ereignis der Region, da waren alle, da musste man hin – so wie jetzt vielleicht der Vulkanball der Otterfinger Burschen. Wir sind älter geworden, das Publikum wurde immer jünger.

-Was kann die Jugend von euch lernen? Sex, Party, Rock’n Roll?

Gerhard Weber: (lacht) Mehr als das. Wir sind das beste Beispiel dafür, dass man auch im fortgeschrittenen Alter Gaudi haben kann mit dem, was man in seinem Leben immer gerne gemacht hat. Ich hatte mit 25 Jahren wirklich Angst, dass ich mit 30 nicht mehr Musik machen darf, weil ich dann zu alt bin. Aber es geht immer noch, sogar sehr gut. Wenn 1000 Leute im Saal hüpfen, das gibt so viel Energie zurück auf die Bühne – kann man kaum erklären. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum wir es am Samstag noch mal wissen wollen.

-Wie läuft der Vorverkauf?

Gerhard Weber: Wir haben 300 Karten verkauft, etwa 400 Leute gehen rein. Ich schätze, das Publikum wird mit uns gealtert sein. Mal schauen.

-Wird es nur dieses eine Höllenball-Comeback geben?

Gerhard Weber: Ja, das bleibt wohl eine einmalige Sache.

-Was erwartet die Höllenball-Besucher?

Gerhard Weber: Wir spielen Stones-Musik. Stampfender Rhythmus, Honky Tonk Women. Unsere rockige Vitalität haben wir nicht verloren. Wer auf die Songs der 60er und 70er Jahre steht, ist sicher nicht falsch. Und die Karte kostet nur 13 Euro – ein Bruchteil dessen, was die Stones im Olympiastadion abgezockt haben.

Die übrigen Faschingspartys im Landkreis inklusive interaktiver Karte finden Sie hier

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