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Gestiegene Baukosten: Maitz-Wohnprojekt muss Grundstück an Gemeinde zurückgeben

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Von: Andreas Höger

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Gute Miene trotz traurigem Anlass: Die „GeMaitzam“-Sprecherinnen (v.l.) Katharina Plöckl und Sophie Nerb beim Pressegespräch mit Natalie Schaller (stattbau), Bürgermeister Christoph Schmid und Azize Özdemir (Bauverwaltung im Rathaus).
Gute Miene trotz traurigem Anlass: Die „GeMaitzam“-Sprecherinnen (v.l.) Katharina Plöckl und Sophie Nerb beim Pressegespräch mit Natalie Schaller (stattbau), Bürgermeister Christoph Schmid und Azize Özdemir (Bauverwaltung im Rathaus). © THOMAS PLETTENBERG

Aus der Traum: Die Projektgruppe „GeMaitzam wohnen“, die im Holzkirchner Neubaugebiet Maitz mit der Gemeinde ein innovatives Wohnmodell in Erbpacht umsetzen wollte, wirft das Handtuch. Die zuletzt deutlich gestiegenen Baukosten übersteigen das Budget, die Gruppe gibt das Grundstück zurück. Ist das ambitionierte Konzept damit gestorben?

Holzkirchen – „Es sind Tränen geflossen“, bekennt Katharina Plöckl (26). Doch es half nichts. Zwei Jahre voller Planungen, voller Lebensträume und Hoffnungen, in einer Immobilien-Hochpreisregion ein soziales Mehrgenerationen-Wohnprojekt auf die Beine zu stellen und als Holzkirchner in Holzkirchen bezahlbaren Wohnraum zu finden – „und jetzt müssen wir doch die Reißleine ziehen“, sagt Plöckl, „wir wollen das Grundstück nicht länger blockieren.“

Tapfer sitzt Plöckl mit Mitstreiterin Sophie Nerb (27) bei einem Pressetermin im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Lange habe man gekämpft, sagt sie, aber die jüngst explodierenden Baukosten und eine Verdreifachung der Bauzinsen (aufgerufen waren 3,8 Prozent) sprengten das Budget.

Elf „Parteien“, hinter denen 20 bis 30 Personen standen, bildeten „GeMaitzam“; geplant war, eine kleine Genossenschaft zu gründen. „Wir haben unendlich viel Zeit reingesteckt“, ergänzt Nerb. Die Gruppe war breit gefächert: junge Pärchen, Studenten, Rentner-Ehepaare. „Dazu gab es viele Interessenten, die sich so ein Modell gut vorstellen konnten“, sagt Plöckl, „die meisten ,eingeborene’ Holzkirchner.“

Das Baukonzept auf dem knapp 2300 Quadratmeter großen Grundstück sah „atmende Wohnungen“ vor. Eine Kernwohnung wäre je nach Lebenslage verkleinerbar oder vergrößerbar gewesenen, um entweder auf Familienzuwachs zu reagieren oder eine kleine zusätzliche Wohnung zu schaffen. 1200 Quadratmeter Wohnfläche wären es insgesamt geworden. „Es hätte funktioniert“, ist sich Nerb sicher. Baukosten in Höhe von 5,5 Millionen Euro waren angepeilt.

Doch die Preisdynamik des vergangenen halben Jahres torpedierte alle Kalkulationen. Um die drohenden Mehrkosten abzufangen, hätte jede „Partei“ ihr Eigenkapital üppig aufstocken müssen. Oder die anvisierte, theoretische Quadratmeter-Miete von zwölf Euro wäre nicht zu halten gewesen. „Wir wären bei 17 Euro gelandet“, sagt Plöckl. Das finanzielle Risiko auch weiterer Kostensteigerungen wollte sich die Gruppe nicht zumuten.

Jetzt sollen große Bau-Genossenschaften einspringen

Das Ende von „GeMaitzam“ ist ernüchternd auch für die Gemeinde. Viel Geld und Aufwand habe man in das neuartige Konzept gesteckt, erklärt Bürgermeister Christoph Schmid (CSU). Angedacht war, das Grundstück für einen günstigen Erbpachtzins auf 80 Jahre vorzugsweise an Einheimische mit ehrenamtlichem Engagement zu vergeben. Es gab eine Ausschreibung mit aufwendig formulierten Vorgaben. Fachliche Unterstützung kaufte man beim Beraterbüro „stattbau münchen“ ein. Ziel war, im Wettbewerb die überzeugendste Idee für gemeinschaftliches Wohnen zu finden, verbunden mit einem überzeugenden Mobilitätskonzept. „GeMaitzam“ bekam den Zuschlag.

Doch wie Natalie Schaller von „stattbau“ bei dem Pressetermin einräumt, gab es gar keine zweite Bewerbung, die alle Kriterien der Gemeinde erfüllte. Was wird also aus dem Grundstück, für das die Gemeinde auf dem Immobilienmarkt rund 4,5 Millionen Euro erlösen könnte? „Wir sondieren jetzt bei Genossenschaften“, sagt Schaller, die das Vorhaben gerne retten würde: „Es wäre ein Pilotprojekt im ländlichen Raum.“

Baugebiet Maitz
Sahnestück im Neubaugebiet: Ein knapp 2300 Quadratmeter großes Grundstück in der Maitz (linkes Areal unter der Erschließungsstraße) wollte die Gemeinde der Projektgruppe „GeMaitzam“ für ein innovatives Mehrgenerationen-Wohnprojekt auf Erbpacht überlassen. Jetzt aber musste die Gruppe das Handtuch werfen. © Martin Baier/Markt Holzkirchen

Schmid gibt sich kämpferisch: „Wir haben ein gutes Konzept, das werfen wir nicht weg.“ Dem Prinzip „Atmende Wohnung“ gehöre die Zukunft, das könne viel bewirken. Man werde jetzt den Markt beobachten. Er kann sich vorstellen, unter Umständen „die Rahmenbedingungen anzupassen“, also etwa bei den Bauten mehr Höhe zuzulassen und damit die Rentabilität zu steigern. „Die Entscheidung liegt beim Gemeinderat.“

Ohne die Preissteigerungen bei Baukosten und Krediten „hätten wir’s geschafft“, betont Katharina Plöckl. Viele Bauwerber würden derzeit mit dieser Entwicklung kämpfen, weiß Schmid: „Ich registriere einen deutlichen Rückgang von Baugesuchen, alle warten jetzt ab.“

Plöckl, Nerb und ihre Mitstreiter indes mussten einen Schlussstrich ziehen. Vielleicht, so hofft Schaller, springe eine Genossenschaft ein, an der sich das „GeMaitzam“-Team beteiligen könne. „Wir würden uns freuen, wenn das Projekt doch noch klappt“, sagt Plöckl, „auch wenn’s dann nicht wir sind.“

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