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Katholische Kindergärten 

Managerin entlastet Pfarrer

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Die vier katholischen Kitas in Holzkirchen, Otterfing, Warngau und Wall haben eine gemeinsame Verwaltung bekommen. Die Managerin des Verbunds wird im Oktober ihr Büro beziehen.   

Holzkirchen – Pfarrer müssen vieles können. Aber gehört zum Anforderungsprofil auch, einen Kindergarten zu leiten? Bisher war das so in Holzkirchen, Otterfing, Warngau und Wall. Jetzt greift eine neue Struktur: Die vier katholischen Kitas schließen sich zusammen und bekommen eine gemeinsame Verwaltungschefin.

Der Pfarrer als Tausendsassa, der vor lauter Bürokratie und Organisationsstress kaum Zeit findet für Seelsorge – auch Gottfried Doll weiß ein Lied davon zu singen. Der Leiter des Pfarrverbands Holzkirchen-Warngau war – als Chef der jeweiligen Kirchenstiftungen – verantwortlich für die katholische Kita St. Josef in Holzkirchen, für das Haus für Kinder St. Johann in Oberwarngau und den Kindergarten St. Margareth in Wall. Die pädagogische Führung oblag den Betreuungsteams, ein Großteil des Papierkriegs war jedoch vom Pfarrer zu stemmen, unterstützt von der Kirchenverwaltung.

„Wir haben das immer gerne gemacht“, sagt Doll, „aber diese Aufgaben erfordern mittlerweile einen Riesenaufwand.“ Komplizierte Personal- und Zuschussregeln seien zu beachten. Fehlen einer Gruppe zum Beispiel einige Betreuer, wenn sich etwa Krankheitsfälle häufen, sind sehr schnell staatliche Zuschüsse in Gefahr, weil der Personalschlüssel nicht mehr passt.

„Das alles ist so kompliziert geworden, dass es ohne Fachwissen und spezielles Controlling kaum mehr geht“, sagt Doll. Ähnlich erging es Otterfings Pfarrer Slawomir Fijalkowski mit „seinem“ zweigruppigen Pfarrkindergarten St. Georg.

Damit die Pfarrer wieder mehr Zeit für ihre Kernkompetenz Seelsorge haben, wurde jüngst das Erzbistum München-Freising aktiv. „Die Diözese hat sich überlegt, wie sie uns Pfarrer entlasten kann“, sagt Doll. Schnell war klar, dass die Kindergarten-Verwaltung zu viel Zeit frisst. Das Ordinariat bot an, eine Verwaltungsfachkraft zu finanzieren, wenn sich einige Einrichtungen zusammenlegen lassen. „Diese Chance haben wir genutzt“, sagt Doll.

Bereits seit September sind die katholischen Kitas in Holzkirchen, Otterfing, Warngau und Wall unter einem Verwaltungsdach vereint. Die neue Chefin heißt Barbara Scheckenbach; sie managt ab Oktober vier Einrichtungen, mit 370 Kindern und 40 Betreuern in 17 Gruppen. Die ersten drei Monate wird sie von den Pfarreien bezahlt, dann finanziert das Ordinariat ihre Stelle. Ihr Büro wird im Holzkirchner Pfarrhaus zu finden sein.

„Pädagogisch bleibt alles beim alten“, versichert Doll, „für die Eltern wird es wegen der neuen Stelle auch nicht teurer.“ Organisatorisch soll der neue Kita-Verbund aber Wirkung zeigen. So ist grundsätzlich denkbar, dass sich Personal in den vier Einrichtungen gegenseitig aushilft. Streckt etwa eine Grippewelle in Otterfing gleich mehrere Betreuerinnen nieder, könnten Kolleginnen aus Warngau einspringen – oder umgekehrt.

Doll erhofft sich zudem, dass die schwierige Personalgewinnung künftig etwas leichter fällt. „Wir können jetzt die komplette Palette Kindergarten, Krippe und Hort anbieten“, sagt Doll. Wolle eine Betreuerin etwas anderes kennen lernen, müsse sie dafür nicht mehr den Arbeitgeber wechseln. „Wir versprechen uns davon, das überall knappe Kita-Personal enger an uns zu binden.“

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