Taufe am 26. Mai 2007 in Holzkirchen: Bei den Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Bahnanschlusses übernahm der Markt Holzkirchen die Patenschaft für einen ICE. Unser Archivbild entstand kurz vor der Champagnertaufe (alle Gläser blieben heil) und zeigt (v.l.) Alexander Radwan (damals EU-Abgeordneter), Olaf von Löwis (heute Landrat), Erwin Huber (damals bayerischer Wirtschaftsminister), Adolf Dinglreiter (CSU-Landespolitiker aus Rosenheim), Jakob Kreidl (damals Landtagsabgeordneter) und den damaligen Bürgermeister Josef Höß. Foto: Archiv Thomas Plettenberg
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Taufe am 26. Mai 2007 in Holzkirchen: Bei den Feierlichkeiten zum 150-jährigen Bestehen des Bahnanschlusses übernahm der Markt Holzkirchen die Patenschaft für einen ICE. Unser Archivbild entstand kurz vor der Champagnertaufe (alle Gläser blieben heil) und zeigt (v.l.) Alexander Radwan (damals EU-Abgeordneter), Olaf von Löwis (heute Landrat), Erwin Huber (damals bayerischer Wirtschaftsminister), Adolf Dinglreiter (CSU-Landespolitiker aus Rosenheim), Jakob Kreidl (damals Landtagsabgeordneter) und den damaligen Bürgermeister Josef Höß.

ICE wurde 2007 getauft

„Markt Holzkirchen" rollt kreuz und quer durchs Land

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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„Markt Holzkirchen“ rollt und rollt. Nimmermüde und mit bis zu 230 km/h flitzt der wohl eleganteste, sicher aber schnellste Botschafter der Gemeinde durch Deutschland und Österreich. Der ICE „Markt Holzkirchen“, getauft 2007, ist durchaus eine Besonderheit in der ICE-Flotte der DB. Bitte einsteigen.

Holzkirchen – Günther Pichler muss kurz nachdenken. „Ja, das habe ich damals eingefädelt“, erinnert sich der Holzkirchner. Anno 2007 feierte sein Heimatort 150 Jahre Maximiliansbahn und damit den Bahnanschluss, der Holzkirchens Entwicklung bis heute prägt. Pichler, mittlerweile im Ruhestand, war damals DB-Manager, frisch zuständig für Bayerns Bahnhöfe, aber noch mit guten Kontakten zur Fernverkehrs-Sparte. „Das Bahnhofsfest damals war ein Heimspiel für mich“, sagt Pichler.

Um mit einem speziellen Bahn-Beitrag aufzuwarten, organisierte er die ICE-Taufe. Dass eine Marktgemeinde mit 15 000 Einwohnern zum Zug kommt, war und ist etwas Besonderes – und ein kleiner Ritterschlag für den Ort. Für Pichler eine Ehre, die seinem Heimatort gebührt. „Holzkirchen ist S-Bahn-Endstation und übernimmt eine Schlüsselfunktion für den Bahnverkehr im Oberland.“ Der damalige Bürgermeister Josef Höß stellte fest, „dass es sicher der einzige ICE ist, der eine Marktgemeinde als Namenspatron hat.“ ICE-Paten in der Region sind mittlerweile auch Garmisch-Partenkirchen, Rosenheim, Mittenwald, Murnau, Weilheim und Tutzing.

Champagnertaufe bei Kaiserwetter

Bei Kaiserwetter schnurrte der 2004 gebaute ICE-T am 26. Mai 2007 in den Holzkirchner Bahnhof. Bürgermeister Höß, Landrat Norbert Kerkel, der amtierende bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber, Landtags-Abgeordneter Jakob Kreidl und Pichler selbst bespritzen das kurz davor enthüllte Signet mit Schriftzug und Wappen (das grüne Daumenlogo gab’s noch nicht) stilecht mit Champagner. Nach der Taufe ging’s zur Jungfernfahrt nach Rosenheim, mit Besuch im Führerstand. „Wäre heute gar nicht mehr möglich“, glaubt Pichler. Der ICE-Coup, speziell die Fahrt nach Rosenheim, war nicht ganz uneigennützig, wie Pichler einräumt. Dem Wirtschaftsminister machte der DB-Manager bei der Gelegenheit den Umbau des Rosenheimer Bahnhofs schmackhaft. „Hat dann ja geklappt“, schmunzelt der Holzkirchner.

Der ICE „Markt Holzkirchen“ ist ein Triebzug der T-Reihe, von denen 67 Stück gebaut wurden. Das „T“ steht für eine Neigetechnik, die es dem Zug ermöglicht, auf kurvenreichen Strecken den Wagenkasten auf die Seite zu neigen, wie ein Motorradfahrer. Der Zug ist 185 Meter lang und bietet 376 Sitzplätze. Wie eine Bahnsprecherin auf Anfrage mitteilt, setzt die DB den Zug auf vielen Linien längs und quer durch Deutschland ein, unter anderem von Hamburg nach München, wo er zudem öfter zur Inspektion einrollt. Selbst Linz und Wien werden regelmäßig angesteuert. „Der Zug trägt seinen Taufnamen also bis nach Österreich“, betont die Sprecherin. Wer im Internet stöbert, kann „Markt Holzkirchen“ auf Youtube und Flickr bei der Arbeit zuschauen.

ICE-Taufpaten sind heute ganze Regionen

Von den knapp 400 Fernverkehrszügen der DB (ICE und Intercity 2) sind nur 237 mit einem Namen geadelt. Bisher fungierten ausschließlich Städte als Taufpaten. Das aber ändert sich gerade, wie die Bahnsprecherin betont. „Aktuell werden Züge auf Flüsse, Seen, Berge, Bundesländer und auf touristische Destinationen getauft.“ Zuletzt erhielten zwei neue Intercity 2 die Namen „Dresden Elbland“ und „Mecklenburgische Ostseeküste“. Bei den ICE übernahm im Februar die „Euregio Maas-Rhein“ eine Patenschaft.

Was der „Markt Holzkirchen“ auf Schiene einst kostete und wie viele Kilometer er schon abspulte, darüber will sich die DB lieber in Schweigen hüllen. An eine Ausmusterung jedenfalls sei nicht zu denken, versichert die Bahnsprecherin, jeder ICE werde gebraucht. Erst vor wenigen Tagen teilte die DB stolz mit, bei Siemens 30 ICE-Hochgeschwindigkeitszüge bestellt zu haben, die ab 2022 in Dienst gehen. Stückpreis: 33 Millionen Euro. Bis 2026 werden laut Bahn 421 ICE-Züge mit rund 220 000 Sitzplätzen im deutschen Netz unterwegs sein – einer davon der „Markt Holzkirchen“.

Mit Pflichten ist die ICE-Patenschaft nicht verbunden, versichert Pichler. Jeder Holzkirchner dürfe vielmehr stolz darauf sein, dass der „Markt Holzkirchen“ nicht nur ein wichtiger Bahnknotenpunkt ist, sondern auch zuverlässig im ganzen Land unterwegs sei und regelmäßig in die großen Bahnhöfe der Republik einfahre. „Ist doch ein toller Markenbotschafter“, findet Pichler, „ich freu’ mich immer, wenn ich ihn sehe.“

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