Zu wenig Zugbegleiter, aber viel sauberer

Unpünktlich und Servicemängel: BOB und Meridian zahlen Strafe

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Holzkirchen - BOB und Meridian haben im vergangenen Jahr empfindliche Strafzahlungen leisten müssen. Gründe sind Verspätungen - aber nicht nur. Die S-Bahn hat es auch getroffen.

Verspätungen bei der S-Bahn, aber auch bei BOB und Meridian sind für viele Fahrgäste nerviger Alltag. Was oft nicht bekannt ist: Die Zugbetreiber müssen für unpünktliche Züge Strafzahlungen an den Freistaat leisten. Und diese Beträge fielen im vergangenen Jahr relativ hoch aus, wie die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte.

BOB: Die Bayerische Oberlandbahn musste für den Betrieb im Oberland-Streckennetz 700.000 Euro Pönale (Bahnfachwort für Strafzahlung) zahlen, 200.000 Euro mehr als im Vorjahr. Die Pünktlichkeit stagniert (90,7 %, das heißt 0,1 % besser als 2014), aber die BEG kreidete dem Unternehmen „rückläufige Zugbegleitquoten“ an. Es gibt also zu wenig Zugbegleiter, außerdem kam es öfter als gewohnt vor, dass die BOB-Züge zu kurz waren. Bei anderen Qualitätskriterien, etwa Sauberkeit oder Funktionalität von Türen, hat sich die BOB „stark verbessert“, gibt die BEG zu.

Meridian: Die Rosenheimer Regionalzüge, die nach Salzburg und Kufstein fahren, waren 2015 unpünktlicher als im Vorjahr – der Wert (89,5 %) sank unter die kritische 90-Prozent-Marke. Gründe sind vor allem das anfällige Streckennetz mit zahlreichen Störungen bei der Leit- und Sicherungstechnik. Außerdem schlugen Probleme bei den Fahrzeugen zu Buche. Positiv war, dass es mehr Zugbegleiter im Meridian gab. Trotzdem muss der BOB-Konzern für den Meridian 1,1 Millionen Euro Strafe zahlen (2014: 1,3 Millionen).

S-Bahn: Die S-Bahn musste rund 400.000 Euro Pönale leisten, 2014 war es nur die Hälfte. Grund für die Steigerung: Die Pünktlichkeit ließ nach, nur 95,4 Prozent der Züge waren pünktlich (2014: 95,8 %). Gründe waren unter anderem „Personen im Gleis“ (doppelt so viele Fälle wie im Vorjahr), aber auch der Orkan Niklas sowie Oberleitungsstörungen und bei der S 7 Langsamfahrstellen wegen hitzebedingter Gleisverwerfungen. Mit der Strafzahlung ist die Münchner S-Bahn noch gut bedient – die Berliner S-Bahn musste 10,3 Millionen Euro Strafe zahlen. Allerdings lassen sich die Werte nur bedingt vergleichen, sagt BEG-Sprecher Wolfgang Oeser.

Unpünktlich ist ein Zug nach den Kriterien der BEG, wenn er sechs Minuten oder mehr Verspätung hat und nicht komplett ausfällt. In anderen Bundesländern gibt es strengere Kriterien, die Pünktlichkeitsgrenze liegt oft bei 2:59 oder 3:59 Minuten. „Leider gibt es deutschlandweit keine einheitliche Definition“, bedauert BEG-Sprecher Oeser. Die BEG denkt über eine neue Definition für Bayern nach. Die Strafzahlungen verschwinden übrigens nicht im allgemeinen Staatshaushalt, sondern werden in die Bahnsysteme reinvestiert. Die S-Bahn steckt das Geld in Projekte zur Verbesserung der Fahrgastinformation, BOB und Meridian engagieren dafür zusätzliche Sicherheitskräfte in den Abendstunden.

Rubriklistenbild: © tp

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