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Weil ein 28-jähriger Deutsch-Pakistaner nicht vor dem Miesbacher Amtsgericht erschien, muss er in Haft.

Auch Zeugen sollten eingeschüchtert werden

Angeklagter versuchte sich zu drücken - mit Folgen

Miesbach – Weil ein 28-jähriger Deutsch-Pakistaner nicht vor dem Miesbacher Amtsgericht erschien, muss er in Haft. In der Verhandlung wurden derweil pikante Details bekannt.

Es wäre wohl ein langer Prozesstag am Miesbacher Amtsgericht geworden. Alles war angerichtet: Richter Walter Leitner, Staatsanwalt Michael Steinlein, Pflichtverteidiger Jörg Meyer, zwei Schöffen und 13 Zeugen – unter anderem ein Mann mit in Handschellen direkt aus der Justizvollzugsanstalt Bernau – waren bereit für die Verhandlung. Nur auf eine Person wartete man vergeblich – und zwar auf den Angeklagten. 

Ärztin schrieb Attest - ohne den Mann gesehen zu haben

Der mehrfach Vorbestrafte sollte sich wegen Bedrohung vor Gericht verantworten. Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen 28-jährigen Deutsch-Pakistaner, der in jüngster Zeit abwechselnd bei einem Kumpel in Holzkirchen und bei seiner Verlobten in Hausham lebte. Der Grund für sein Fehlen soll eine schwere Krankheit gewesen sein. Der Mann habe angeblich Leberzirrhose, Hepatitis, ADHS, Krampfadern in der Speiseröhre und leide an Bluterbrechen. 

All das soll seine Ärztin bei dem Angeklagten festgestellt haben. Am Verhandlungstag war es dann die Verlobte, die bei der Ärztin anrief, um ihren Ehemann in spe krankschreiben zu lassen. Die Doktorin schrieb ein Attest aus, auf dem der Teilzeit-Haushamer für verhandlungsunfähig erklärt wurde. Das hat sie jedoch gemacht, ohne den Angeklagten vorher begutachtet zu haben. Er sollte wenig später zur Untersuchung bei ihr erscheinen. 

Zeugen sollten eingeschüchtert werden

Als der Richter in der Praxis der Ärztin nach dem todkranken Patienten fragte, war der immer noch nicht da. Dem Staatsanwalt kam das sehr suspekt vor. Er ging davon aus, dass sich der 28-Jährige vor der Verhandlung drücken wolle. Damit nicht genug: Leitner verlas ein Protokoll, das den Verdacht erhärtete, dass mehrere Zeugen eingeschüchtert werden sollten. Der sich im Methadon-Programm befindliche Drogenabhängige soll bei einem Telefonat zu einer unbekannten Person gesagt haben, dass die Zeugenliste an seine Cousins weitergegeben werden solle. Die wüssten dann schon, was zu tun sei. Das Ziel der Aktion war offenbar, dass die Zeugen nicht vor Gericht erscheinen und somit nicht gegen den 28-Jährigen aussagen können. Somit stand für Steinlein außer Frage, dass seitens des Beschuldigten Verdunklungsgefahr herrsche.

Zudem bestünde Fluchtgefahr, „was in der Drogenszene, aus der der Angeklagte nun mal kommt, häufig der Fall ist“, meinte der Staatsanwalt. Infolgedessen beantragte er Haftbefehl gegen den Deutsch-Pakistaner. Der Pflichtverteidiger entgegnete, „dass ein Fernbleiben von der Verhandlung kein Umstand für eine Fluchtgefahr ist“. Immerhin konnte der Angeklagte laut Meyer geladen werden. „Wir haben es hier wohl wirklich mit einem kranken Menschen zu tun“, fügte er hinzu. 

Der Richter stimmte jedoch der Staatsanwaltschaft zu und erließ Haftbefehl gegen den Beschuldigten. Leitner: „Er ist einschlägig vorbestraft, steht unter offener Bewährung, und eine Fluchtgefahr besteht sehr wohl.“ Seine Verhandlungsunfähigkeit habe der Mann nicht zeigen können. Auch habe sich der Angeklagte seit Mai nicht mehr in ärztlicher Behandlung befunden, wo er doch scheinbar todkrank sei. 

hph

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